
Noch bis Ende Mai finden bundesweit Betriebsratswahlen statt. Auch in Dortmund können Beschäftigte ihre Interessenvertretung neu bestimmen oder erstmals gründen. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind rund 310.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in knapp 7.430 Betrieben wahlberechtigt. Die Gewerkschaft wirbt dafür, die Möglichkeit zur Mitbestimmung stärker zu nutzen.
Wahlberechtigte Beschäftigte können Betriebsrat alle vier Jahre wählen
Egal, ob in der Industrie, im Handwerk, in der Lebensmittelindustrie oder der Bäckerei: Überall, wo es mehr als fünf Beschäftigte gibt, kann die Belegschaft einen Betriebsrat wählen. Dabei zählen Vollzeit- und Teilzeitkräfte ebenso wie Auszubildende zu den Wahlberechtigten.
Die Wahlen finden bundesweit alle vier Jahre statt und laufen in diesem Jahr vom 1. März bis zum 31. Mai. Torsten Gebehart, Geschäftsführer der NGG Dortmund, betont die Bedeutung der Arbeitnehmervertretung im Betrieb: „Der Betriebsrat bündelt die Stimmen der Beschäftigten und verleiht ihnen so mehr Gewicht gegenüber der Leitungsebene. Auf dieses Sprachrohr muss die Unternehmensführung hören“.
Allerdings gebe es in einem Großteil der Unternehmen in Dortmund immer noch keinen Betriebsrat: „Beschäftigte verschenken damit ihre Chance, wichtige Entscheidungen im Unternehmen zu beeinflussen“, erklärt Gebehart.
Zusammenspiel von Gewerkschaft und Betriebsrat
Aus Sicht der NGG spielt auch das Zusammenspiel von Gewerkschaften und Betriebsräten eine wichtige Rolle. Denn hier herrsche Arbeitsteilung: Während sich die Gewerkschaft für einen guten Tarifvertrag und damit für faire Löhne einsetze, sorge der Betriebsrat im Unternehmen dafür, dass die Beschäftigten tatsächlich profitierten.

„Betriebe mit Tarifvertrag bieten deutlich bessere Arbeitsbedingungen als vergleichbare Betriebe ohne Tarifbindung. Ohne Tarifvertrag fehlt Beschäftigten rechnerisch ein volles Monatsgehalt – zudem fällt pro Jahr eine Woche Mehrarbeit an“, sagt Torsten Gebehart. Der NGG-Geschäftsführer beruft sich dabei auf Studien des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
Betriebsräte gestalten zudem die Ausbildung aktiv mit: „Mehr Azubis fürs Unternehmen und weniger Probleme bei der Ausbildung – so lässt sich das Engagement von Betriebsräten auf den Punkt bringen, wenn es um den Nachwuchs im Unternehmen geht“, so Gebehart. Außerdem, so die NGG Dortmund, helfe ein Betriebsrat, Jobs zu sichern, wenn es im Unternehmen krisele: „Ein Betriebsrat setzt immer auf vernünftige Konzepte, um Arbeitsplätze zu erhalten“, erklärt Gebehart.
Betriebsrat bringt Vorteile auch in der Lebensmittelindustrie
In der regionalen Lebensmittelindustrie gebe es laut NGG „in der Regel krisenfeste Jobs“. Trotzdem bringe ein Betriebsrat in der Nahrungsmittelherstellung viele Vorteile:
„Das fängt bei den Regeln für die Urlaubsplanung an. Auch bei der betrieblichen Weiterbildung und dem Gesundheitsschutz redet der Betriebsrat mit. Und schließlich sorgt der Betriebsrat dafür, dass es bei Schichtplänen keine Unstimmigkeiten gibt“, erklärt Gebehart.
Die NGG Dortmund unterstützt Beschäftigte aus Unternehmen der Lebensmittelherstellung oder der Gastronomie dabei, einen Betriebsrat zu wählen oder neu zu gründen.


Reaktionen
„Noch bis Ende Mai Kreuze machen“ – IG BAU Bochum-Dortmund startet Appell zu Betriebsratswahlen: „Betriebsräte sind wie die Superzahl beim Lotto: 41 Prozent der Unternehmen in Dortmund können dazugewinnen“ (PM)
Stift, Zettel, Kreuz – wirklich kompliziert ist es nicht, im Betrieb ein Wörtchen mitzureden: Noch bis Ende Mai laufen die Betriebsratswahlen. Möglich sind die in allen Firmen in Dortmund, in denen fünf oder mehr Beschäftigte arbeiten. Dabei zählen Vollzeit- und Teilzeitkräfte genauso wie Azubis und Mini-Jobber. Darauf hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hingewiesen.
Von der Industrie über das Handwerk bis zur Dienstleistung: In Dortmund gibt es rund 18.000 Unternehmen mit 328.500 Beschäftigten. In rund 41 Prozent der Firmen kann in Dortmund ein Betriebsrat gewählt werden, so die IG BAU. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.
„Gerade Handwerker in Dortmund sollten ihre Chance, einen Betriebsrat zu wählen, besser nutzen: in Bauunternehmen genauso wie bei Dachdecker- oder Malerbetrieben. Da ist nämlich noch viel Luft nach oben, wenn es um die Interessenvertretung der Beschäftigten gegenüber dem Chef geht“, sagt Gabriele Henter von der IG BAU Bochum-Dortmund.
Aber auch in der Gebäudereinigung sei ein Betriebsrat wichtig: „Immer wieder gibt es gerade in der Reinigungsbranche in der Region Ärger um Dienstpläne, um Urlaub und um fehlende Zulagen für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Vor allem aber auch, wenn der faire Tariflohn nicht gezahlt wird. In solchen Fällen ist der Betriebsrat ein wichtiges Sprachrohr gegenüber der Chef-Etage“, sagt Gabriele Henter.
Für die Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund ist der Betriebsrat ein „wichtiges Instrument, um Konflikte hinterm Werkstor zu lösen“. Vor allem auch dann, wenn es um Arbeitsplätze gehe: „Wenn Jobs wackeln, setzt der Betriebsrat alles daran, Kündigungen zu vermeiden. Auch Azubis können sich auf den Betriebsrat verlassen, wenn es bei der Ausbildung hakt“, so Henter. Außerdem kümmere sich ein Betriebsrat um die Fortbildung am Arbeitsplatz.
Mit einem Betriebsrat im Unternehmen laufe es deutlich besser, so die IG BAU Bochum-Dortmund. „Es ist wie mit der Superzahl beim Lotto: Mit einem Betriebsrat hat man einfach bessere Chancen, mehr für sich herauszuholen. Aber das hat nichts mit Lotterie zu tun. Die Vorteile, die man mit einem Betriebsrat hat, sind ein garantierter Gewinn für alle in der Firma“, macht Gabriele Henter deutlich.
Wer in Dortmund auf dem Bau, in der Gebäudereinigung, im Garten- und Landschaftsbau, in der Forst- oder Landwirtschaft arbeitet, kann sich bei Fragen rund um den Betriebsrat an die IG BAU Bochum-Dortmund wenden. Die Gewerkschaft unterstützt Beschäftigte, die in ihrer Firma einen Betriebsrat wählen oder neu gründen wollen:
02 31 – 12 30 27 oder dortmund@igbau.de.