Aus Sorge um ihren angeblich mit Haft bedrohten Enkel: Seniorin übergibt Bargeld an Betrüger

Die Polizei Dortmund warnt eindringlich vor dem Enkeltrick

Die Polizei sucht nun Zeug:innen, die im Bereich des Tatorts an der Karlsruhestraße eine verdächtige Frau beobachtet haben.
Die Polizei sucht Zeug:innen, die im Bereich des Tatorts an der Karlsruhestraße eine verdächtige Frau beobachtet haben. Archivbild: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Sie machte sich Sorgen um ihren Enkel. Und das wurde schamlos ausgenutzt. Eine 89-jährige Dortmunderin hat am Dienstagnachmittag (11. Oktober) Bargeld an Betrüger übergeben. Am Telefon hatten diese ihr zuvor vermittelt, dass ihr Enkel einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe und nun eine Kaution notwendig sei, um eine Inhaftierung abzuwenden.

Das inszenierte Theaterstück endete für eine Dortmunderin schmerzlich

Es macht immer wieder fassungslos: Immer wieder nutzen Betrüger Betroffenheit und Emotionalität älterer Menschen aus, um sie um ihr Erspartes zu bringen. Die Maschen mögen unterschiedlich sein – der Enkeltrick, der falsche Polizeibeamte oder wie im aktuellen Fall der Schockanruf -, doch der Ablauf ist immer ähnlich: Die Opfer werden überrumpelt, emotionalisiert, teils über Stunden unter Druck gesetzt, zur Verschwiegenheit gedrängt und damit quasi abgeschottet. Bis die Betrüger haben, was sie wollen: Geld, Schmuck, Wertgegenstände.

Im gestrigen Fall erhielt die 89-Jährige am Nachmittag einen Anruf eines angeblichen Polizeibeamten. Ihr Enkel habe einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine Frau getötet worden sei. Durch die Hinterlegung einer Kaution könne sie aber eine Inhaftierung abwenden. Immer wieder wechselten die Gesprächspartner der Seniorin: ein Polizeibeamter, ihr weinender Enkel, ein Richter. Ein inszeniertes Theaterstück, das für die Dortmunderin schmerzlich endete. Sie ließ sich derart beeinflussen, dass sie nach rund vier Stunden an der Tür ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus eine Bargeldsumme an eine unbekannte Abholerin übergab.

Die Polizei sucht mögliche Zeug:innen des Enkeltricks

Die Polizei sucht nun Zeug:innen, die im Bereich des Tatorts an der Karlsruhestraße eine verdächtige Frau beobachtet haben. Vielleicht haben Sie auch eine Frau in ein verdächtiges Fahrzeug steigen sehen? Dann wenden Sie sich bitte an den Kriminaldauerdienst unter Tel. 0231/132-7441.

Dieser Fall zeigt erneut, wie wichtig die Präventionsarbeit in diesem Bereich ist. Denn auch wenn die Polizei fast täglich zahlreiche Anrufe von Menschen erreichen, die von ähnlichen Betrugsversuchen berichten und davon, dass sie die Masche erkannt und aufgelegt haben: Immer wieder gelingt es Betrügern leider auch immense Schäden anzurichten. Und diese sind nicht nur finanzieller Natur. Denn oft bleiben Menschen zurück, die durch diese Taten verunsichert und in ihrem Vertrauen erschüttert sind.

Deshalb hier noch einmal der deutliche Appell der Polizei Dortmund:

  • Aufklärung ist Trumpf! Und Sie können uns dabei helfen: Sprechen Sie gerade mit älteren Menschen in Ihrer Umgebung immer wieder über diese Betrugsmaschen.
  • Vermitteln Sie diesen Menschen zudem Erreichbarkeit: Damit sie sich an Sie wenden, wenn sie einen zweifelhaften Anruf erhalten haben.
  • Geben Sie am Telefon keine Auskunft zu persönlichen und finanziellen Verhältnissen! Werden Sie am Telefon danach gefragt – werden Sie sofort skeptisch und legen Sie auf.
  • Übergeben Sie Geld oder Wertgegenstände nie an unbekannte Personen!
  • Wenn Sie Zweifel an der Authentizität eines Anrufers haben, gibt es einen einfachen Tipp: Nutzen Sie die Ihnen vorliegenden Erreichbarkeiten, um zum Beispiel Ihren Enkel/Ihre Tochter oder die örtliche Polizei (am besten über die 110) zu erreichen. Betrüger lassen sich so schnell entlarven!

Präventionsexperten stehen Rede und Antwort

Präventionsexperten Markus Schettke und Indra Naskar.
Präventionsexperten Markus Schettke und Indra Naskar stehen Rede und Antwort.

Das Thema Prävention steht am 3. November um 17 Uhr im Mittelpunkt. Dann bieten die beiden Präventionsexperten Markus Schettke und Indra Naskar  wieder online – mit ihrem monatlichen Vortrag „132-0 aktuell – Sicher leben in Dortmund und Lünen“.

An jedem ersten Donnerstag im Monat geht es hier auch um aktuelle Betrugsmaschen und wie Sie sich davor schützen. Anmeldung: telefonisch unter Tel. 0231/132-7953 (montags bis freitags, 9 bis 15 Uhr) oder per E-Mail an vorbeugung.dortmund@polizei.nrw.de.

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Reaktionen

  1. Aufmerksame Bankmitarbeiterin verhindert Enkeltrickbetrug von mehr als 40.000 Euro (PM)

    Dank einer aufmerksamen Bankmitarbeiterin in der Dortmunder Innenstadt hat ein 87-jähriger Dortmunder sein Erspartes am Donnerstag (12. Juni) bei einem versuchten Enkeltrickbetrug nicht verloren.

    Am Nachmittag gegen 15 Uhr erschien der Senior in einer Bankfiliale und wollte mehr als 40.000 Euro Bargeld abheben. Da der Mann keine genaue Begründung für die hohe Summe angeben konnte, verständigte die Bankmitarbeiterin die Polizei. Das Telefongespräch zwischen dem Dortmunder und den Betrügern dauerte die ganze Zeit an. Als zivile Beamte in der Bank erschienen, bekam der Betrüger dies über das Telefon mit und beendete das Gespräch schnell.

    Im Nachgang ermittelte die Polizei, dass die unbekannten Betrüger den 87-Jährigen mit einem Schockanruf dazu bringen wollten, ihnen die große Bargeldsumme zu übergeben. Angeblich war der Sohn des Seniors in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt und der Dortmunder müsse nun eine Kaution für seinen Sohn übergeben.

    Dank der aufmerksamen Bankmitarbeiterin konnte der Betrug verhindert werden. In Fällen wie diesem werden die Angerufenen mit einer ausgedachten Geschichte massiv geschockt.

    Die Polizei Dortmund appelliert daher an die Bürgerinnen und Bürger:

    – Wenn Sie einen Anrufer nicht eindeutig erkennen können, sprechen
    Sie mit Ihren Angehörigen oder vertrauten Personen, um sich zu
    vergewissern. Und denken Sie daran: Rufen Sie im Zweifelsfall
    immer die echte Polizei unter der Nummer 110!

    – Geben Sie am Telefon keine Auskünfte zu Ihren persönlichen oder
    finanziellen Angelegenheiten. Wenn jemand danach fragt, legen
    Sie sofort auf! Übergeben Sie außerdem niemals Geld oder
    Wertgegenstände an unbekannte Personen. Die Polizei wird Sie
    niemals anrufen und nach Wertsachen fragen.

    – Seien Sie auch vorsichtig, wenn jemand schnelle Entscheidungen
    von Ihnen verlangt oder Sie auffordert, Geheimnisse gegenüber
    anderen zu bewahren.

  2. Gold und Bargeld erbeutet: Polizei sucht Zeugen und warnt erneut vor Schockanrufen (PM)

    Nach zwei Betrugsstraftaten zum Nachteil älterer Menschen warnt die Polizei erneut und sucht Zeugen. Die Täter erbeuteten Gold und Bargeld im sechsstelligen Wert.

    Betrüger sind kreativ und lassen sich immer wieder neue Maschen einfallen. Besonders ältere Menschen stehen im Fokus sogenannter Schockanrufe. In den vergangenen Tagen waren die Betrüger in Dortmund leider erneut erfolgreich. Die Taten stehen nach derzeitigen Erkenntnissen in keinem direkten Zusammenhang. Sie verdeutlichen aber, wie manipulativ die Täter vorgehen.

    Am Montagabend (02.03.) klingelte das Telefon eines 77-jährigen Dortmunders in Lücklemberg. Am anderen Ende meldete sich ein angeblicher Polizist, der dem Senior eine beunruhigende Geschichte erzählte: Angeblich wäre der Mann ins Visier eines Clans geraten. Die Männer seien gefährlich, bewaffnet und hätte es auf seine Wertgegenstände abgesehen. In mehreren, teils stundenlangen Telefonaten, übte der „Polizist“ großen Druck auf den Senior aus.

    Dienstagmittag (03.03.) gegen 13 Uhr erschien schließlich ein angeblicher Kriminalpolizist, der Gold aus dem Tresor des Seniors entnahm. Auch hier hielten die Betrüger telefonischen Kontakt zu dem 77-Jährigen. Erst Stunden später wurde der Mann misstrauisch und verständigte die „echte“ Polizei. Der Schaden: über 200.000 Euro.

    Der vermeintliche Kriminalpolizist kann wie folgt beschrieben werden: ca. 25 Jahre alt und 180 cm groß. Schlanke Statur, helle Haut. Er trug einen dunklen Overall, eine schwarze Mütze und eine Tasche. Die Polizei fragt: Wer hat in den Mittagsstunden verdächtige Personen und/oder Fahrzeuge im Bereich der Kirchhörder Straße gesehen? Hinweise bitte an die Kriminalwache unter 0231/132-7441.

    In den vergangenen Wochen gerieten auch vermehrt russischsprachige Seniorinnen und Senioren in den Fokus der Betrüger. Ein aktueller Fall ereignete sich ebenfalls am Dienstag (03.03.) in Dortmund-Rahm: Gegen 8:30 Uhr wurde eine 74-Jährige gebürtige Russin von ihrer „Tochter“ angerufen. Diese erzählte panisch, dass sie mit ihrem Auto eine Frau aus Belarus angefahren hätte. Da diese nicht in Deutschland versichert sei, müsse nun Geld für die Behandlung im Krankenhaus bereitgestellt werden.

    Zwischenzeitlich übernahm auch hier ein „Polizist“ das Gespräch und bestätigte die Angaben. Durch zahlreiche Anrufe und emotionalen Druck wurde der Seniorin keine Möglichkeit gegeben, ihre echte Tochter anzurufen und den Sachverhalt zu verifizieren. Schließlich übergab die 74-Jährige insgesamt zweimal Bargeld – insgesamt einen niedrigen fünfstelligen Betrag – an die Betrüger.

    Bei der ersten Übergabe fuhr der Täter in einem schwarzen Kombi vor. Er konnte als ca. 25 bis 30 Jahre alt beschrieben werden. Der Mann hatte ein rundes Gesicht mit einer platten Nase, eine kräftige Statur und dunkle Haut. Außerdem trug er ein Kopftuch.

    Der zweite Täter fuhr ein weißes Auto. Er wurde ebenfalls als etwa 25 bis 30 Jahre alt beschrieben, außerdem hatte er einen schwarzen Bart und schwarze Haare.

    Die Polizei fragt auch hier: Wer hat im Bereich der Boschstraße verdächtige Beobachtungen gemacht? Wer kann Angaben zu den Tätern und/oder den Fahrzeugen machen? Hinweise bitte auch hier an die Kriminalwache unter 0231/132-7441.

    Die Polizei warnt an dieser Stelle erneut vor den vielfältigen Betrugsmaschen am Telefon. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten über die Maschen! Wir geben Ihnen dabei folgende Hinweise:

    – Betrüger begeben sich noch immer gerne über das Telefonbuch auf
    die Suche nach potenziellen Opfern. Sie halten Ausschau nach
    Namen, die auf ältere Personen schließen lassen. Überlegen Sie,
    in welchem Umfang Sie noch im Telefonbuch vertreten sein müssen.
    Vielleicht ist es sinnvoll, zumindest den Vornamen löschen zu
    lassen.

    – Die Polizei fordert niemals zur Herausgabe einer Kaution auf.
    Niemals holen Polizei, Staatsanwaltschaft und andere
    Beschäftigte der Justiz eine Kaution ab.

    – Geben Sie auch keine Details zu ihren familiären Verhältnissen
    preis. Legen Sie sofort den Telefonhörer auf, sobald Ihr
    Gesprächspartner um Geld oder um Kontodaten von Ihnen bittet!

    – Wenden Sie sich auf jeden Fall an die Polizei unter der 110,
    wenn Sie einen verdächtigen Anruf erhalten haben – egal, ob Sie
    den Betrug erkannt und aufgelegt haben oder schlimmstenfalls
    sogar geschädigt worden sind.

    – Sollte eine verdächtige Person bei Ihnen geklingelt haben,
    verständigen Sie bitte die Polizei unter 110 – egal, ob es zu
    einem Betrug gekommen ist oder nicht. Denn Betrügerinnen und
    Betrüger lassen nicht nach. Sie werden es in der Nachbarschaft
    oder in der Stadt weiter versuchen.

    – Übergeben Sie Ihr Geld niemals an unbekannte Personen oder
    deponieren es an irgendeinem Ort!

    – Die meisten Ziele dieser Maschen sind Seniorinnen und Senioren.
    Angehörige oder andere Vertraute sollten mit Ihnen über die
    Arbeit der Täter sprechen und „Abwehrstärke“ erzeugen. Denn das
    resolute Auftreten gegen Trickbetrüger/-innen ist am Telefon
    oder an der Haustür nicht unfreundlich.

    – Halten Sie als Angehöriger oder Nachbar Kontakt! Tauschen Sie
    Erreichbarkeiten mit älteren Verwandten, Freunden oder auch
    Nachbarn aus. Bieten Sie sich als Ansprechpartner an, falls
    diese sich in einer Situation unwohl fühlen, sie zweifelhafte
    Begegnungen haben und sich rückversichern wollen. Häufig zögern
    gerade Seniorinnen und Senioren, sich mit ihren Zweifeln und
    Anliegen an Verwandte und Bekannte zu wenden – in der Sorge zu
    stören oder „sich etwas einzubilden“. Nehmen Sie vertrauten
    Menschen diese Sorge!

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