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August Klönne – ein Dortmunder Pionier im Stahl- und Behälterbau, der mit seiner Arbeit die Welt eroberte

Ein Pfarrer aus Kamen verglich August Klönne einst mit einer knorrigen sauerländischen Eiche, die unter rauher Schale ein um so edleres Holz berge. Mit Mut, Ehrgeiz, Sozialkompetenz und Know-How eroberte Klönne den weltweiten Markt.

Gastbeitrag von Horst Delkus

Er gründete eines der bedeutendsten Unternehmen im Raum Dortmund-Unna. Und er war damit auf dem ganzen Erdball erfolgreich. Einem Tüftler und Autodidakten wie ihm, war das nicht gerade in die Wiege gelegt. Aber Innovationsfreude und kaufmännisches Geschick, gepaart mit Eigensinn und hohem persönlichen Einsatz – dazu die lange wirtschaftliche Boomphase vor dem Ersten Weltkrieg – ließen August Klönne zu einem der erfolgreichsten Pioniere des Ruhrgebiets werden. Als er am 30. Dezember 1908 starb, hinterließ er ein Unternehmen mit mehr als 1.400 Beschäftigten. Gleichwohl ist der Ruhm dieses echt westfälischen Unternehmers heute verblasst. Und Quellen über sein Werk und Wirken sind nur spärlich vorhanden.

August Klönne befriedigte seinen Wissensdurst schon früh autodidaktisch

Geboren wurde August Klönne am 21. August 1849 im sauerländischen Mülsborn bei Meschede. Sein Vater Friedrich war zunächst Besitzer des Rittergutes Goldschmieding in Castrop-Rauxel. Heute befindet sich dort eine Nobelherberge. Doch Friedrich Klönne mußte das Anwesen aufgeben, wurde Gutspächter in Mülsborn, später Kaufmann in Oberhausen. 

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Er war weder in der Landwirtschaft noch mit seinen anderen Geschäften wirtschaftlich erfolgreich. Die Vermögensverhältnisse seiner Eltern ließen es daher nicht zu, daß August nach dem Abitur auf der Rektoratsschule in Oberhausen studieren konnte. So absolvierte er eine gewerbliche Ausbildung als Maschinenbauer, arbeitete anschließend in mehreren Unternehmen. 

Seinen unbändigen Wissensdrang auf allen möglichen technischen und naturwissenschaftlichen Gebieten befriedigte er durch Privatunterricht, Selbststudium und den Besuch der Bergschule Bochum. Später bezeichnete August Klönne sich als Civilingenieur, eine Eindeutschung von „civil engineer“ aus dem Englischen, was wohl am besten mit „Konstruktionsingenieur“ zu übersetzen ist.

Seine Karriere beginnt mit 24 Jahren als er die Befeuerungstechnik für die Kohlevergasung revolutioniert

Das August Klönne Gaswerk Unna-Königsborn um 1897.

Mit nur 24 Jahren übernahm August Klönne 1873 die Leitung des Gas- und Wasserwerkes der Dortmunder Union, einer Aktiengesellschaft, die ein Jahr zuvor der Bankier Adolph von Hansemann gegründet hatte . Hier, heißt es später, entstanden seine bahnbrechenden Neuerungen im Ofenbau. 

August Klönne entwickelte eine völlig neue Befeuerungstechnik für die Kohlevergasung in den sogenannten Retortenöfen. Lange vor der Verbreitung des heute üblichen Erdgases, bereits im vorletzten Jahrhundert, wurde in solchen Öfen durch das Erhitzen von Steinkohle Gas gewonnen. Dieses Kohlengas brachte im 19. Jahrhundert Licht in das Dunkel der Straßen und Plätze, der Fabriken und Häuser. 

Gaslampen und -laternen waren überall verbreitet. Soweit, dass der Dichter und Publizist Erich Mühsam einem anonymen Lampenputzer dieser neuen Beleuchtung 1907 ein literarisches Denkmal gesetzt hat: Der Revoluzzer, ein Spottlied, gewidmet der deutschen Sozialdemokratie.

Klönne arbeitete eng mit Hochschulen zur Patententwicklung zusammen

Ein eiförmiger Hochbehälter aus dem Jahr 1905.

Im 19. Jahrhundert hieß das neue Gas „Leuchtgas“, später „Stadtgas“, weil es vor allem Unternehmen in städtischer Regie produzierten. Die Zeit, in denen die Gas- und Wasserversorgung in kommunalen Gesellschaften ausgebaut wurde – in der Regulierung statt Deregulierung herrschte – war auch die Zeit des Aufschwung der Klönne`schen Unternehmung. 

Denn die Gaswerke brauchten nicht nur Öfen sondern auch Gasspeicher. In diesen Behältern wurde bei geringer Abnahme beim Endverbraucher Gas gespeichert und zu Spitzenzeiten mehr Gas in das Netz eingespeist. Klönne baute und verkaufte erfolgreich seine Gasspeicher, die Gasometer. Auch hierfür entwickelte er eigene Patente, einige gemeinsam mit Hochschulen, vor allem mit Professor Barkhausen von der Technischen Hochschule Hannover.

Der Ausbau der Wasserversorgung im Bergbau und in den aufblühenden Städten und Gemeinden brachte eine wachsende Nachfrage nach Hochbehältern für die Speicherung von Wasser und den Druckausgleich im Netz mit sich. Immer mehr Wassertürme wurden gebaut. Auch die Eisenbahn, die damals nicht wie heute elektrisch fuhr sondern unter Dampf stand, brauchte immer mehr Wassertürme. Fast jeder Bahnhof hatte seinen Wasserturm, viele davon einen der Bauart Klönne, die den Markt dominierten. Das Unternehmen wuchs so aus kleinsten Anfängen in Dortmund. 

Vom ersten Büro mit vier Mitarbeitern zur renommierten Weltfirma

Als Unternehmer angefangen hatte August Klönne im Jahr 1878 – nach anderen Berichten 1879. Mit seinem Ofen-Patent, geringem Eigenkapital und vier Mitarbeitern gründete er in Dortmund ein kleines Ingenieurbüro´an der Weissenburger Straße 75. Das Büro war das, was man heute einen Generalunternehmer nennt: es plante komplette Gaswerke und wickelte deren Bau ab; die Anfertigung der einzelnen Komponenten erfolgte durch Subunternehmer, überwiegend aus der Region.

Postkarte mit Hochbehälter-Motiv.

Am 1. April 1886 kaufte Klönne sein erstes Unternehmen aus dem Konkurs auf, die ehemalige Dortmunder Brückenbauanstalt. Das neue Unternehmen Aug. Klönne startete mit 36 Arbeitern und wuchs zu einer Weltfirma heran. 1902 gab die Aug. Klönne immerhin einen Umsatz von 8,5 Millionen Mark an. Erwirtschaftet mit der Planung und dem Bau von Gaswerken, Brücken und anderen Eisenkonstruktionen. Zu den Specialitäten des Unternehmens gehörten – mit eigenen Patenten – Retortenöfen, Gas- und Hochbehälter.

Neben der Gelegenheit, erneut ein in Konkurs geratenes Unternehmen günstig zu übernehmen, werden es wohl die Sudkessel und andere Behälter gewesen sein, die August Klönne veranlasst haben, auch in das Braugeschäft einzusteigen. So kaufte er 1892 die Adlerbrauerei samt Villa in Unna-Königsborn. Die Villa wurde zu seinem Wohnsitz. Wenig später produzierte Klönne gar eine eigene, nach ihm benannte Biermarke: Klönne`s Hennener. Das Hausbier verkaufte er in einem 1902, wiederum aus einer Liquidation aufgekauften Gasthaus in Hennen – seit 1975 ein Stadtteil von Iserlohn im Märkischen Kreis.

August Köln ist in der Familiengruft auf dem Ostfriedhof Dortmund beigesetzt

Das Grab von August Klönne auf dem Dortmunder Ostfriedhof.

Nach seinem Tod hinterließ August Klönne ein erfolgreiches Unternehmen mit 1.200 Arbeitern und 200 Angestellten. Es wurde von seinen Söhnen Max und Moritz, später von seinem Enkel August bis in die dritte Generation weitergeführt. In den 60er Jahren übernahm dann Thyssen das Weltunternehmen, führte es zunächst als Thyssen Klönne fort, um es dann in den neunziger Jahren stillzulegen. 

In einem Firmenprospekt, vermutlich aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, dokumentiert die Aug. Klönne ihre Stahlbauten in aller Welt. Allein die Bilanz für Deutschland ist beeindruckend: Errichtet wurden 750 Wassertürme, über 600 Gasbehälter, über 550 Öfen, mehr als 270 Brücken, 300 Stahlhochbauten, darunter einige Bahnhofshallen, über 160 Silos sowie 20 Schleusen, Docks und Schiffshebewerke. 

August Klönne, der Firmengründer, starb nach längerer Krankheit am 30. Dezember 1908 im Alter von 59 Jahren an einem Herzschlag in seiner Villa in Unna-Königsborn. Seine Beisetzung erfolgte drei Tage später auf dem Ostfriedhof in Dortmund, wo sich heute noch die Klönne-Familiengruft befindet. 

„Eine knorrige Eiche des Sauerlandes, die unter rauher Schale ein umso edleres Herz birgt.“

Ein gutes Beispiel für eine Stahlgroßkonstruktion ist die Straßenbrücke bei Novi Sad, Serbien.

In einem zeitgenössischen Pressebericht heisst es: Vorgestern fand die Überführung des verstorbenen Großindustriellen August Klönne nach Dortmund statt, wo die Beisetzung erfolgte. Dem Leichenwagen folgte außer zahlreichen Vertretern der Industrie u.a. die gesamte Arbeiterschaft des nahezu 2 000 Personen beschäftigenden Werkes. 

Auf dem Ostentotenhof gab Pfarrer von Bischopink aus Kamen, ein alter Freund des Verstorbenen, ein Bild des Werdegangs des Verstorbenen, eines echten Westfalen, der aus kleinen Anfängen, nur durch rastlose Tätigkeit und Energie, ein Werk geschaffen habe, dessen Erzeugnisse sich heute in allen Erdteilen Achtung errungen hätten. Der Pfarrer aus Kamen verglich den Verstorbenen mit den knorrigen Eichen des Sauerlandes, die unter rauher Schale ein um so edleres Holz bergen. 

August Klönne war – ganz im Stile seiner Zeit – ein harter, aber auch fürsorgender Unternehmerpatriarch. Gerühmt wird seine verständige Sorge für das Wohl der ihm Untergebenen, die ihn auch in harten Zeiten stets von nicht im einzelnen sachlich begründeten Entlassungen Abstand nehmen ließ. 

August Klönne war stiller Wohltäter für Kirchen, Kranken- und Waisenhäuser

Klönne-Brücke im Heiligen Weg in Dortmund.

Der Dortmunder Arbeiterdichter, Fotograf  und Journalist Erich Grisar beschrieb August Klönne 1952 in der Wochenzeitung „Die Zeit“ wie folgt: Der alte Klönne war ein origineller Mensch, der eine große Begabung zu drastischen Äußerungen seines Unmutes besaß. So erzählen seine Arbeiter, daß er, wenn er in seinen Betrieb kam und hörte, daß eine Maschine kreischte, weil sie schlecht geschmiert war, zunächst kein Wort darüber verloren habe. 

Statt dessen habe er sich in der Nähe aufgestellt und gesungen: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach…“ Kam er nach einigen Tagen wieder vorbei und hörte die Maschine immer noch kreischen, dann gab es ein Donnerwetter, wobei er sich nicht scheute, Ausdrücke zu brauchen, die zarter besaitete Angehörige seines Unternehmens mit dem Ausdruck „Alles Klönne“ umschrieben; ein Wort, das mit der Zeit in Dortmund geflügelt wurde.

August Klönne bekleidete keine öffentlichen Ämter, weder in Dortmund noch in Unna. Als Turmfreund und Patriot unterstützte er den Bau des Unnaer Bismarckturms, in dessen Baukomitee er Mitglied war und dem er 500 Mark spendete. Ansonsten gehörte Klönne – in einer Zeit wo „Sponsoring“ noch nicht bekannt war – zu den damals noch recht zahlreichen stillen Wohltätern für Kirchen, Kranken- und Waisenhäuser.

Neben seiner Familie galt seine Leidenschaft dem Pferderennsport

August Klönne war stiller Wohltäter für Kirchen Kranken- und Waisenhäuser.

Gerühmt wird sein Wohltätigkeitssinn, heißt es in einem Nachruf, doch durfte hierin die rechte Hand nicht wissen lassen, was die linke tat. Seine private Leidenschaft galt neben der Familie mit fünf Kindern der Pferdezucht und dem Pferderennsport. Wovon sein eigener Rennstahl im Berliner Hoppegarten und seine Unterstützung des Dortmunder Rennvereins zeugen. August Klönne war einer der Gründer und Vorstandsmitglied des Dortmunder Rennvereins im Jahre 1908.

Als Unternehmer war August Klönne der Typ, von dem der renommierte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Robert Reich in seinem grundlegenden Werk The Future of Success behauptet, dass er heute, im beginnenden 21. Jahrhundert, wieder die Zukunft verkörpert: dem Tüftler, der Spürnase. 

August Klönne war ein echter Ingenieur-Unternehmer. Über diese Unternehmer-Gattung resümierte der Wirtschaftsjournalist Meyer-Larsen: Immer wieder, wenn es um etwas grundlegend Neues geht, werden erst einmal Ingenieure die Unternehmer sein. Der Kaufmann kommt später. Man möchte hinzufügen: Und dann geht es mit dem Unternehmen schon meist wieder bergab.

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