Auf der „uzwei“ wird das Unheimliche zur Erfahrung – interaktiv, nah und intensiv

Junge Kunst im Dortmunder U zwischen Gänsehaut, Schatten und Fantasie

Ausstellungsraum mit Fotografien rechts und großer Installation links.
Die Tentakel von Hanna Knoblauch nehmen eine ganze Wand im Ausstellungsraum ein. Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Wie kann Angst dargestellt werden? Das haben sich zwölf Nachwuchskünstler:innen im Rahmen einer neuen Ausstellung Wenn die Wände Flüstern” im Dortmunder U gefragt. Besucher:innen können sich ab sofort bis zum 7. Juni 2026 die Kunstwerke auf der „uzwei“ – in der zweiten Etage im U – anschauen. Über zehn Monate haben sich die Jugendlichen im Alter von 15 bis 21 Jahren mit dem Thema Geisterbahn / Fahrt ins Ungewisse beschäftigt.

Die Angst spielerisch und interaktiv erfahrbar machen

Die interaktive Ausstellung ist nun das Ergebnis dieser Arbeit. Entstanden sind Licht-Skulpturen, Fotoarbeiten, Collagen sowie Raum- und Audioinstallationen, die das Unheimliche und die Angst spielerisch und interaktiv erfahrbar machen.

Künstlerin Lana Kattaa stellt ihr Kunstwerk in Form eines Gehirns, das angekettet ist, vor.
Das Kunstwerk in Form eines Gehirn ist von  Lana Kattaa. UZWEI im Dortmunder U

In intensiven Workshops haben sich die Jugendlichen gemeinsam mit dem Betreuerteam der „uzwei“ viele Gedanken zum Thema gemacht. Dabei wurde schnell von der Geisterbahn der Bogen zur Angst geschlagen.

Für den künstlerischen Leiter Norman Grotegut ist es wichtig, Inhalte in den Mittelpunkt zu stellen, die im Jugendalter präsent sind. Und dies ist nunmal die Angst in ihren unterschiedlichen Facetten. Ob Zukunfts-, Prüfungs- oder Bewertungsangst. Um nur ein paar zu nennen.

Grotegut ist sich bewusst, dass es ein sensibles Thema sein kann. Deswegen sei es in diesem Kontext wichtig, das Thema sowie die Gestaltungsmöglichkeiten offen zu halten. Dass sich die Jugendlichen mehrheitlich dazu entschieden haben, in ihren Kunstwerken ihre Gedanken zum Gegenstand der Angst zum Ausdruck zu bringen, war ihre eigene Entscheidung. Das symbolisiert auch, wie viel Druck auf dem Kessel ist in dem Alter”, erkennt Grotegut.

In Workshops lernen Jugendliche vielfältige Ansätze der Kunst kennen

In Workshops zu unterschiedlichen Ansätzen von Kunst wie Performance Art, Audiowalk und Story Telling konnten sich die Künstler:innen dem Thema auf vielen Wegen nähern. Als Ergebnis dessen entstanden, gemeinsam mit Mentor:innen, zwölf Einzelstücke, die auf der „uzwei“ ein regelrechtes Gruselkabinett auf die Beine gestellt haben.

Eine gelbe Telefonzelle mit Künstlerin links daneben stehend.
Hannah Schittkowski hat diese alte Telefonzelle auf Kleinanzeigen erstanden. Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Beeindruckend sind die unterschiedlichen Arten und Weisen, wie die Künstler:innen an das Thema herangegangen sind. Die Mehrheit entschied sich dafür ernste Kunstwerke zu erschaffen. Manche Installationen lassen jedoch mit ihrem Witz ein Lächeln auf den Lippen ihrer Betrachter:innen zurück.

Gleich zu Beginn der Ausstellung wird man von einem riesigen Gehirn aus ausgestopften Strumpfhosen in Empfang genommen. Künstlerin Lana Kattaa hat ihr Kunstwerk vergiftete Gedanken” getauft und möchte darstellen, dass negative Gedanken nicht zu viel Einfluss auf die Entscheidungsfindungen einer Person nehmen sollten.

Installationen spielen mit Witz und rufen tiefgründige Gedanken hervor

Prya Schluck hat in ihrem Kunstwerk das Zusammenspiel von Licht und Schatten zum Gegenstand gemacht. Zentrales Objekt ist hier die Lotusblüte, die aus dem Schatten heraus ihre Blüte entwickelt.

Künstlerin steht neben ihrer großen Kunstinstallation, das aus schwarzen Tentakeln besteht.
Künstlerin Hanna Knoblauch steht neben ihren Tentakeln, die sie aus Maschendraht geformt hat. UZWEI im Dortmunder U

Hanna Knoblauchs Installation nimmt gleich eine gesamte Ausstellungswand in Anspruch. Aus Maschendraht hat sie große schwarze Tentakel geformt. Knoblauch möchte mit ihrem Kunstwerk die Frage stellen, welche Formen Angst annehmen kann.

Hannah Schittkowski hat in ihrem interaktiven Kunstwerk die Zelle” spielerische Elemente aufgenommen. In der Horror-Telefonzelle können Besucher:innen Anrufe entgegennehmen. Zu viel soll hier jedoch nicht vorweggenommen werden. Nur, dass sich am Ende der Ausstellung auf eine Katharsis gefreut werden darf. Um dem auch bedrückenden Thema der Angst keinen allzu großen Raum geben zu müssen.

Toller Zusammenhalt unter den Nachwuchskünstler:innen

Für die Nachswuchs-Künstler:innen war der Begriff der Angst und damit zu arbeiten allerdings kein Problem. Edda Schneider, die einen interaktiven Schaukasten gebaut hat, erzählt von dem Zusammenhalt in der Gruppe: Wir haben nur so vor Ideen gesprudelt und haben uns untereinander sehr gut unterstützt.

Interaktiver Spiegel, der Hände zeigt, wenn eine Person davor steht.
Nele Kleine-Weschede präsentiert ihre Installation „Spiegel der Einsicht“ Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Dadurch war es nicht so schwer mit dem Thema umzugehen”, sagt die 19-Jährige. Außerdem wurde es ihnen einfach gemacht mitzumachen und die Betreuung war super”, erzählt die 17-jährige Nele Kleine-Weschede. Das Betreuerteam um Norman Grotegut und Lioba Sombetzki ist ebenfalls mächtig stolz.

Die „uzwei“ umfasst die gesamte zweite Etage im Dortmunder U und richtet sich mit ihrem Angebot vor allem an junge Menschen und Familien. Besonders ist im musealen Kontext der Auftrag der kulturellen Bildung.

Mit vielen Workshop-Angeboten, Ferienprogrammen und Flächen für Ausstellungen möchte die „uzwei“ jungen Menschen eine Plattform geben und sie bei der Gestaltung ins Boot holen. Ganz konkret wird dieser Ansatz in der neuen interaktiven Ausstellung Wenn die Wände flüstern” umgesetzt. Der Eintritt ist kostenlos.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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