Der Kulturkonflikt und die Demokratie unter Trump: Wie frei ist die Kultur in den USA?

Politische Einflussnahme, Polarisierung und die Zukunft des Dialogs

Wie frei ist Kultur in den Vereinigten Staaten 250 Jahre nach ihrer Gründung? Und was bedeutet es für Europa, wenn sich das kulturelle Selbstverständnis Amerikas verändert? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Montagabend (5. Oktober 2026) das Podiumsgespräch „Es war einmal in Amerika – Haben wir einen Kulturkonflikt?“ im Konzerthaus Dortmund. Auf Einladung des Konzerthauses, der Auslandsgesellschaft.de und des AmerikaHaus NRW diskutierten ZDF-Washington-Korrespondent Elmar Theveßen, die designierte Ruhrtriennale-Intendantin Lydia Steier und Axel Rüger, Direktor der Frick Collection in New York, über politische Einflussnahme, gesellschaftliche Polarisierung und die Zukunft kultureller Freiheit.

Wenn Kultur zum Gegenstand der Politik wird

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, welche Rolle Kultur in einer Gesellschaft spielt und was geschieht, wenn sie zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen wird.

Kultur zeige nicht nur, was eine Gesellschaft hervorbringt, sagte Konzerthaus-Intendant Dr. Raphael von Hoensbroech eingangs: „Sie zeigt auch, wofür eine Gesellschaft sich hält.“ Mit Donald Trump sei Kultur „zum Gegenstand präsidentieller Politik geworden“.

Die Debatten um Museen, Universitäten und Kulturinstitutionen machten deutlich, dass es längst um mehr gehe als darum, welche Ausstellungen gezeigt und welche Werke gespielt würden.

Verhandelt werde die größere Frage, welche Geschichte die Vereinigten Staaten über sich selbst erzählen, und was es für Europa bedeute, wenn sich diese Geschichte verändere.

Streit gehört dazu, Konformität ist die Gefahr

NRW-Minister für Internationales Nathanael Liminski betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung offener gesellschaftlicher Auseinandersetzungen: „In Amerika wurde schon immer gestritten, auch über Kultur.“ Das sei per se kein Zeichen des Niedergangs.

Die wahre Gefahr für die Demokratie sei vielmehr die Konformität. Problematisch werde es dort, wo der Staat versuche festzulegen, was Museen ausstellen, Universitäten lehren oder Kulturinstitutionen aufführen sollen.

Sein Fazit: Der Kulturkampf verlaufe nicht zwischen Europa und den USA, sondern ziehe sich durch beide Gesellschaften, „zwischen denen, die Freiheit für alle wollen, und denen, die sie nur für ihre eigenen Überzeugungen wollen“, so Liminski.

Ein polarisiertes Land – die verlorene Gesprächsfähigkeit als größtes Problem

Elmar Theveßen zeichnete das Bild eines tief polarisierten Landes. „Die Freiheit steht in den USA unter Beschuss“, sagte der ZDF-Korrespondent. Besorgniserregend sei vor allem der Verlust der Fähigkeit, einander zuzuhören und trotz unterschiedlicher Ansichten im Gespräch zu bleiben.

Immer häufiger fehle der Respekt für andere Positionen und die Bereitschaft, gemeinsame Lösungen zu suchen, so Theveßen.

Lydia Steier, designierte Ruhrtriennale-Intendantin, machte dies an der Begegnung fest: „Begegnungen sind zentral. Und die sind in den USA vollends auseinandergefallen.“ Sie sehe, „wieviel einsamer und leichter zu beeinflussen viele Orte in den USA geworden sind“.

Kennedy Center und Smithsonian: Wo politische Einflussnahme sichtbar wird

Als Beispiele für politische Einflussnahme wurden Entwicklungen rund um das Kennedy Center und das Smithsonian in Washington diskutiert. Theveßen verwies auf abgesagte Veranstaltungen und auf Künstlerinnen und Künstler, die sich aus Protest gegen politische Vorgaben zurückgezogen hätten. „Es soll von oben herab vorgeschrieben werden, was Amerika wirklich ist“, sagte er. Gleichzeitig betonte er: „Das ist nicht in allen Bereichen der Gesellschaft erfolgreich, weil eben vieles im Kultur- und Kunstbereich privat finanziert ist.“

Auch Axel Rüger widersprach pauschalen Urteilen. Versuche politischer Einflussnahme gebe es nur auf nationale Einrichtungen, zugleich verfüge die amerikanische Gesellschaft und Kulturlandschaft über Gegenkräfte.

Er beobachte, dass die allermeisten Leitenden von Kulturinstitutionen weiterhin ihren persönlichen Überzeugungen folgten und entsprechende Programme kuratierten. Die besondere Finanzierungsstruktur vieler Kulturinstitutionen schaffe Freiräume, die staatliche Eingriffe begrenzten.

Zurück zur Kultur des Austauschs: Die transatlantische Freundschaft lebt vom Gespräch

Einigkeit herrschte darüber, dass die größte Herausforderung auf beiden Seiten des Atlantiks die zunehmende Polarisierung sei. Der Verlust von Debattenfähigkeit und Begegnung bedrohe demokratische Gesellschaften weit stärker als kontroverse Diskussionen selbst. Umso wichtiger seien Orte des Austauschs, an denen unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen.

Der Abend endete mit einem optimistischen Ausblick: Die transatlantische Partnerschaft lebe vom Dialog, und es sei wichtig, zu einer Kultur des Austausches und des Aushaltens anderer Meinungen zurückzufinden. Die Freundschaft zwischen zwei Ländern zeige sich schließlich nicht darin, dass man immer derselben Meinung sei, sondern darin, dass man im Gespräch bleibe.

Das Podiumsgespräch war Teil eines Programmschwerpunkts des Konzerthauses Dortmund: Anlässlich des Jubiläums der Unabhängigkeitserklärung beleuchten Veranstaltungen unter dem Motto „250 Jahre USA“ die Vielfalt amerikanischer Musik zwischen Freiheitsversprechen, Widersprüchen und neuer Perspektive. Weitere Informationen unter konzerthaus-dortmund.de/de/landingpage/250-jahre-usa

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