Sofortpaket „Weiterführende Schulen“: Drei neue Schulstandorte in Dortmund geplant

Stadt muss bei Schulbau Tempo machen

Außenansicht des künftigen Gebäudes
So könnte die neue Gesamtschule in Hacheney aussehen. Bildquelle: KRESINGS und KLEUSBERG

Mit dem Sofortpaket „Weiterführende Schulen“ will die Stadt Dortmund den rasant steigenden Schüler:innenzahlen begegnen. In Brackel soll ein neues Gymnasium entstehen, an den Standorten Hacheney und Eving werden Gesamtschulen geplant. Das Sofortpaket umfasst Mittel von insgesamt 415 Millionen Euro und soll am 1. Oktober 2026 durch den Rat beschlossen werden. „Wir werden insgesamt über 400 Millionen Euro in die Hand nehmen und an den unterschiedlichen Standorten zu den unterschiedlichen Teilprojekten verbauen“, sagte Baudezernent Arnulf Rybicki bei der Pressekonferenz des Verwaltungsvorstands.

Stückelung in zehn Vorlagen soll für Flexibilität sorgen

Auch die Reihenfolge der Bauprojekte sei entscheidend. Die geplanten Maßnahmen seien deshalb in insgesamt zehn Vorlagen aufgeteilt worden. So könne man dort, wo die Bedarfe am dringendsten sind reagieren.

Baudezernent Arnulf Rybicki
Baudezernent Arnulf Rybicki Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Die vielen Vorlagen erlauben uns ein bisschen Flexibilität“, sagte Martin Sauer, Ansprechpartner der Stadt für das Projekt, mit Blick auf die Haushaltslage.

Zudem seien Grundsatz-, Planungs- und Ausführungsbeschluss zusammengefasst worden. Das spare bei den Projekten mindestens ein halbes Jahr, erklärte Rybicki.

Neue Schulen, Standortwechsel und Aufwuchs

Zuerst sollen die sechszügigen Interimsquartiere in Brackel und Derne entstehen, damit die ersten Fünfer-Jahrgänge einziehen können. Die Anzahl der Züge entspricht der Anzahl der Parallelklassen eines Jahrgangs. Anschließend erfolgen die dauerhaften Gebäude für die Sekundarstufen 1 bis zum Sommer 2030 und danach für die Sekundarstufen 2 sowie die Sporthallen.

Innenansicht einer Pausenhalle
Visualisierung des Speisesaal der geplanten Gesamtschule in Hacheney Bildquelle: KRESINGS und KLEUSBERG

In Brackel soll ein komplett neues Gymnasium entstehen, während der Standort Derne nur als Übergangslösung für eine neue Gesamtschule in Eving geplant wird. In Hacheney soll perspektivisch die Gesamtschule des Südens (GiS) einziehen und von derzeit vier auf sechs Züge erweitert werden.

Die frei werdenden Räume der GiS sollen durch die Marie-Reinders-Realschule genutzt werden. Auch hier könnten zwei weitere Züge hinzukommen. Die Abrissarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) haben bereits begonnen. Der Umzug der GiS soll im Schuljahr 2028/2029 stattfinden.

Steigende Schüler:innenzahlen durch Zuzug und Schulwechsel

„Der Hauptgrund ist die Anzahl der Schüler:innen. Wir wissen, dass wir schon im nächsten Jahr etliche Schüler:innen, in den Gebäuden die wir zur Zeit haben, nicht mehr unterbringen können“, erklärte Sauer. „Die Anfragen in der fünften Klasse sind extrem hoch, was Gymnasien und Gesamtschulen angeht. Deshalb auch die Lösung: ein Gymnasium und zwei Gesamtschulen. Das entspricht ungefähr der Nachfrage, die gerade stattfindet“, so Sauer.

Die Grundschulen seien bereits modernisiert und erweitert worden, erklärte Schuldezernentin Monika Nienaber-Willaredt. Jetzt kämen die Jahrgänge an den weiterführenden Schulen an. „Die Kinder sind schon da“, so Nienaber-Willaredt.

Portrait der Politikerin
Stadträtin Monika Nienaber-Willaredt Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

Ein häufiges Problem bei der Planung sei die sogenannte „Abschulung“. Dadurch, dass Schüler:innen häufig zuerst das Gymnasium besuchten, dann aber die Schulform nach unten wechselten, entstehe bei Haupt- und Realschulen im Nachhinein oft ein höherer Bedarf an Plätzen. In Gesamtschulen treffe das nicht zu, da alle möglichen Abschlüsse innerhalb einer Schule absolviert werden könnten.

Der insgesamt hohe Bedarf an neuen Schulplätzen sei aber eine Folge von Zuwanderung. Damit sei explizit nicht nur die Migration aus anderen Ländern, sondern auch die Binnenmigration gemeint, beispielsweise durch neue Unternehmen, die sich ansiedelten, betonte Sauer und verwies auf den Standort Phoenix West.

Neues Projekt soll Zeit und Kosten sparen

Sauer selbst bezeichnete das Projekt als „Versuchslabor“ und lobte die Schulbauleitlinie. Man gehe neue Wege, um Zeit und somit auch Geld zu sparen. „Niemand kriegt da jetzt seine Wunschschule“, sagte er mit Blick auf alle Beteiligten, „aber wir kriegen ein sehr gutes Produkt, mit dem wir sicherstellen können, dass wir unsere Schüler:innen gut unterrichten können.“ Die Bauunternehmen bekämen einen Rahmen und könnten dann in der Umsetzung freier selbst entscheiden. Dadurch kämen auch unterschiedliche Resultate zustande, einheitliche Standards würden aber eingehalten.

Pressekonferenz im Ratssaal
Kämmerer Thorsten Bunte Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

Bis jetzt steht nur ein Unternehmen für die Gesamtschule in Hacheney fest, die Firma Kleusberg. Bei den anderen Standorten warte man noch auf Gutachten für die weitere Planung. In Hacheney handelt es sich um ein Konzept in Modul-Bauweise. Dies sei von den Kosten zwar etwas intensiver, man spare dafür bei der Planung gut ein Jahr und könne durch eine höhere Baugeschwindigkeit auch Stress bei Anwohner:innen und Schüler:innen vermeiden, so Sauer.

Die Finanzierung fällt in eine schwierige Haushaltslage. Kämmerer Thorsten Bunte sagte, die Stadt kämpfe „dramatisch um die Genehmigungsfähigkeit des Haushalts“ und habe zugleich erhebliche Investitionsbedarfe. Dass Schulplätze bereitgestellt werden müssten, stehe aber völlig außer Frage und sei unstrittig.

Langfristig keine Containerschulen mehr

„Diese Interimslösungen, die wir auch in großem Maß in der Stadt schon haben sind unglaublich hohe investive Kosten, die entstehen und die auch keine Dauerlösung bieten“, sagte Sauer. Man wolle davon wegkommen, Kinder weiter in Containern zu unterrichten. „Die Interimsquartiere, die wir jetzt bauen haben mit Sicherheit eine höhere Qualität als manche Schule die zur Zeit steht. Aber sie sind unglaublich teuer und am Ende möchte man auch, dass die Kinder ein vernünftiges Schulgebäude haben“, so Sauer.

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