Wege aus der Sucht: Betroffene und Angehörige brechen das Schweigen über Alkohol

Dortmunder Selbsthilfegemeinschaft besteht seit sechs Jahrzehnten

Symbolfoto Alkoholsucht.
Symbolbild: Depositphotos.com

Die Anonymen Alkoholiker (AA) in Dortmund begehen ihr 60-jähriges Bestehen mit einem Aktionstag im Max-Planck-Gymnasium. Am Samstag, 3. Oktober 2026, lädt die Selbsthilfegemeinschaft unter dem Leitgedanken „Gestern – Heute – Morgen“ Betroffene, Angehörige und Interessierte zu Begegnung und Austausch ein. Das offene Programm umfasst Diskussionsrunden, persönliche Einzelgespräche und die Vorführung eines Dokumentarfilms zur lokalen Historie der Gruppe. Ziel der Veranstaltung ist es, das Tabu rund um die Alkoholsucht abzubauen und praxiserprobte Wege in ein dauerhaft abstinentes Leben aufzuzeigen.

Offene Gesprächskreise setzen auf persönliche Erfahrungen

Das Treffen an der Ardeystraße 70–72 beginnt am Veranstaltungsmorgen ab 9 Uhr mit der Einschreibung, gefolgt von einer offiziellen Eröffnungsrunde. Im Zentrum des Tages stehen thematische Meetings, bei denen Teilnehmer:innen eigene Erlebnisse teilen und den individuellen Ausweg aus der Abhängigkeit schildern.

Flyer der Veranstaltung.
Mit einem Aktionstag im Max-Planck-Gymnasium feiert die Dortmunder Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker am Samstag, 3. Oktober 2026, ihr 60-jähriges Bestehen. Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker

Der Fokus liegt dabei nicht auf fachlicher Belehrung, sondern auf dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch über Rückschläge, Nüchternheit und neu gewonnenes Vertrauen.

Für Personen, die erstmals Unterstützung suchen und Berührungsängste vor großen Runden haben, stehen erfahrene Mitglieder für vertrauliche Einzelgespräche bereit. Zudem finden internationale Meetings statt, die sich an nicht-deutschsprachige Gäste richten.

Ein eigens produzierter Film blickt ergänzend auf die Entwicklungen der Dortmunder Gruppe seit deren Anfängen im Jahr 1966 zurück.

Die Zusammenkünfte der Gemeinschaft sind grundsätzlich kostenlos, überkonfessionell und an keine Mitgliedsbeiträge oder Voranmeldungen gebunden. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist der eigene Wunsch, den Alkoholkonsum dauerhaft einzustellen. Der Schutz der persönlichen Daten hat dabei oberste Priorität: Die Anonymität aller Besucher:innen bleibt während des gesamten Tages streng gewahrt.

Angehörigengruppen bieten einen geschützten Raum für Entlastung

Eine schwere Alkoholabhängigkeit betrifft fast nie nur die konsumierende Person selbst, sondern belastet das gesamte familiäre und soziale Umfeld. Partner:innen, Kinder und Freund:innen leiden oft über Jahre hinweg unter Hilflosigkeit, Schuldgefühlen und zerstörten Vertrauensverhältnissen.

Flyer der Veranstaltung mit QR-Codes.
Mit einem Aktionstag im Max-Planck-Gymnasium feiert die Dortmunder Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker am Samstag, 3. Oktober 2026, ihr 60-jähriges Bestehen. Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker

Um dieser Dynamik zu begegnen, sind die Familiengruppen von Al-Anon von Beginn an fest in den Aktionstag eingebunden. Die Angehörigengruppen verfügen über eine gemeinsame Anlaufstelle in der Dudenstraße und kooperieren eng mit der AA-Gemeinschaft.

In separaten Meetings bietet Al-Anon Angehörigen einen geschützten Raum, um Belastungen offen auszusprechen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. So ergänzen sich beide Ansätze: Während Erkrankte Nüchternheit anstreben, finden nahestehende Bezugspersonen emotionale Entlastung und neue Orientierung.

Viele Betroffene beschreiben die Arbeit in den Gruppen als Möglichkeit, wieder ehrlich zu sprechen und familiäre Beziehungen Schritt für Schritt neu zu ordnen. Das Erlernen von Eigenverantwortung und der Verzicht auf gegenseitige Vorwürfe stehen dabei im Vordergrund. Für zahlreiche Familien markiert der Beitritt zu den Gruppen den Wendepunkt aus einer oft langjährigen Isolation.

Das Dortmunder Selbsthilfeangebot blickt auf eine lange Tradition

Gegründet im Jahr 1966, entwickelte sich die Dortmunder AA-Gemeinschaft von einer kleinen Initiative zu einer festen Säule der regionalen Suchtselbsthilfe. Über die Jahrzehnte hinweg schufen die Mitglieder verlässliche Strukturen für Hilfesuchende aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Die Kontinuität des Angebots zeigt, dass der niederschwellige Peer-to-Peer-Ansatz bis heute nichts von seiner Relevanz verloren hat.

Die Organisator:innen weisen darauf hin, dass die bauliche Barrierefreiheit im Max-Planck-Gymnasium am Veranstaltungstag nur eingeschränkt gegeben ist. Für das leibliche Wohl der Teilnehmenden wird vor Ort gesorgt, ehe der Tag mit einem gemeinsamen Abschlussplenum endet. Weiterführende Auskünfte und Kontaktmöglichkeiten stellt die Initiative per E-Mail unter aa-dortmund@anonyme-alkoholiker.de bereit.

Nach 60 Jahren Bestehen verstehen sich die Anonymen Alkoholiker weiterhin als offenes Netzwerk für alle, die ein Leben ohne Suchtmittel führen möchten. Mit dem Aktionstag am Samstag, 3. Oktober 2026, möchten die Initiator:innen Hemmschwellen abbauen und Mut machen, den ersten Schritt zu wagen. Das Jubiläum verdeutlicht, dass Hilfe vor Ort ohne bürokratische Hürden erreichbar bleibt.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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