John Kleinmann über den WM-Sommer, den Fourth of July und die Partnerschaft mit Dortmund

Geburtstagsfeier für die USA in Dortmunds Partnerstadt Buffalo

John Kleinmann, Vertreter der Partnerstadt Buffalo (USA) dankte in seiner Rede Kalouti und Dortmund. Lilia Krächter | Nordstadtblogger

Heute wird die USA 250 Jahre alt, im ganzen Land und in der Dortmunder Partnerstadt Buffalo finden Festlichkeiten statt. Wie ist es, in der jetzigen politischen Lage den Tag zu feiern? John Kleinmann, Präsident des Buffalo-Dortmund Sister City Committee, spricht im Nordstadtblogger-Interview über den WM-Sommer in den USA, den 250. Geburtstag der USA und darüber gesprochen und was Dortmund von Buffalo lernen kann.

NSB: Soccer oder Football? In Europa klingt die Unterscheidung seltsam, in den USA muss man sie machen. Jetzt, wo die Fußballweltmeisterschaft der Männer im Land ist: Wie beliebt ist der Sport in den USA wirklich?
 

John Kleinman: Soccer ist hier eigentlich ziemlich beliebt, gerade bei jungen Leuten. Es gibt viele Jugend- und Vereinsmannschaften, die auch zu Turnieren reisen.

In Buffalo haben wir ein Profiteam, FC Buffalo, das in der United Soccer League Two spielt und sehr gut läuft. In den USA gibt es sieben oder acht Profiligen mit im Schnitt 2.000 bis 20.000 Zuschauern pro Spiel, aber nichts auf dem Niveau der Bundesliga. ___STEADY_PAYWALL___

Die WM bringt also etwas Neues, das die Leute begeistert, und die Amerikaner haben sich mit großer Begeisterung hinter das US-Team gestellt.

NSB: Haben Sie eine ähnliche Begeisterung bei sich vor Ort gespürt?

JK: 
Auf jeden Fall. Als eine Sportsbar vor Kurzem ein Spiel zeigte, stand die ganze Straße für einen Tag still. Oh mein Gott, der Laden war rappelvoll. Alle trugen die Trikots der Mannschaften, standen bis auf den Gehweg und jubelten. Selbst in einer kleinen, ländlichen Stadt gab es diese Aufregung, und das waren nur die Spiele der Vorrunde.

NSB: Manche sagen, das Turnier zeige die USA – im Gegensatz zur allgemeinen politischen Lage – in einem guten Licht. Sehen Sie das auch so?


JK: Ja. Viele der ausländischen Fans, die hergekommen sind, erleben die USA anders, als man sie vielleicht aus den Nachrichten kennt.

Die City Hall in Dortmunds Partnerstadt Buffalo.
Die City Hall in Dortmunds Partnerstadt Buffalo. Foto: Auslandsgesellschaft

Sie sehen, wie freundlich die Menschen sind, dass man mit offenen Armen empfangen wird, und dass alle eine gute Zeit haben.

Viele sind zum ersten Mal hier und wussten nicht, was sie erwartet. Ich habe eine Geschichte von jemandem gelesen, der von den gelben Schulbussen begeistert war. Er dachte, die gebe es nur im Film. Solche Kleinigkeiten überraschen die Leute positiv.

NSB: In diesem Jahr fallen der Fourth of July und der 250. Geburtstag der USA in denselben Sommer wie die WM. Wie fühlt sich das an?

JK: 
Das ist etwas Besonderes, vor allem, weil das Männer-Team noch im Turnier ist. Normalerweise ist der Vierte ein ganz normaler Feiertag: Man nimmt sich den Tag frei, macht ein Picknick, und dann ist er vorbei.

Dieses Jahr ist viel mehr los, das ganze Jahr über gibt es Veranstaltungen auf Ebene der Städte, der Countys und des Bundesstaates zum 250. Geburtstag.

Manche Städte haben sogar Umzüge und Konzerte. Und weil die WM nur alle vier Jahre kommt, ist beides zusammen einfach ein weiterer Anlass zum Feiern und um den Sommer zu genießen.

NSB: Was feiern die Menschen eigentlich genau an diesem Tag? Die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft der USA? Und prägt die politische Ausrichtung Buffalos die Feierlichkeiten vor Ort?

JK: 
Buffalo ist seit Jahrzehnten eine überwiegend demokratische Stadt, der letzte republikanische Bürgermeister war vor 60 Jahren im Amt, während die umliegenden Countys eher republikanisch wählen. Aber ehrlich gesagt sind die meisten Leute am Vierten nicht politisch.

14 Studierende des „Buffalo State College“ (USA) sind erstmals zu Besuch in der Partnerstadt Dortmund.
14 Studierende des „Buffalo State College“ (USA) sind erstmals zu Besuch in der Partnerstadt Dortmund. Nordstadtblogger-Redaktion | Nordstadtblogger

Sie wollen einfach das Feuerwerk sehen. Es ist ein Tag, an dem man mit der Familie in den Park geht, ein Picknick macht und abends das Feuerwerk anschaut.

In meiner Stadt, etwa 20 Minuten außerhalb, hängt an jedem Fahnenmast der Hauptstraße die amerikanische Flagge. Man fährt durch und fühlt sich einfach patriotisch.

NSB: In Deutschland gilt der Fourth of July gerade jetzt als sehr politisch. Sie sagen, für die meisten ist er das nicht?

JK: 
Genau. Die meisten genießen einfach das Picknick und den Tag. Manche sind politisch, das will ich nicht bestreiten, aber die meisten Familien bringen die Kinder in den Park, spielen Ball und schauen das Feuerwerk. Diese Woche wird es extrem heiß, hoffentlich bleibt das Wetter fürs Feuerwerk schön. Es ist wirklich ein Familientag.

NSB: Was sind die größten Herausforderungen, vor denen Buffalo gerade steht?


JK: Vor allem die Finanzen. Es wird für die Stadt immer schwerer, die Infrastruktur zu bezahlen.

Eine Delegation aus Buffalo am Buffalo Platz in Dortmund. (Kleinman 3. v. r.) Foto: John Kleinman

Die Grundsteuerbasis hält mit der Bevölkerung nicht Schritt, und es gibt großen wirtschaftlichen Druck, das Serviceniveau zu halten, das eine Stadt bieten sollte.

Zur Einordnung: Dortmund hat rund 600.000 Einwohner; die Region Buffalo kommt auf etwa eine Million, aber die Stadt Buffalo selbst hat ungefähr 260.000 Einwohner.

NSB: So fremd klingen die Probleme nicht. Wie geht die Stadt die Probleme an?


JK: Wir verlassen uns stark auf den Bundesstaat New York, um die Lücke zu schließen. Ansonsten ist es eine schmerzhafte Kombination: einige Kürzungen bei den Leistungen, mehr Unterstützung vom Bundesstaat, gelegentlich etwas von der Bundesebene, aber das ist selten.

Niemand will etwas kürzen oder erhöhen, aber Geld taucht nicht von allein auf, also muss man irgendwann handeln. Das County steuert auch etwas bei, steckt aber in ähnlichen Nöten.

NSB: Buffalo und Dortmund sind seit Langem Partnerstädte. Was können die beiden Städte voneinander lernen?

JK: 
Wir sind uns tatsächlich sehr ähnlich. Beide haben eine schwere Industriegeschichte, Kohle und Stahl, und beide mussten sich neu erfinden.

Historisches Plakat der Buffalo Bill-Show im Fredenbaumpark 1891. Foto: Joachim vom Brocke
Historisches Plakat der Buffalo Bill-Show im Fredenbaumpark 1891. Foto: Joachim vom Brocke Sascha Fijneman | Nordstadtblogger

Dortmund hat auf Technologie und Bildung gesetzt; Buffalo war eine große Stahlstadt, bis das in den 1980er-Jahren zu Ende ging, und heute sind wir für Bildung, Logistik und Gesundheitswirtschaft bekannt, darunter ein weltweit renommiertes Krebszentrum.

Und wir teilen die Leidenschaft für den Sport. Ihr habt euren BVB, wir haben die Buffalo Bills im American Football, und die Leute sind genauso begeistert. Man sagt, Buffalo habe die besten Fans der Liga, und ich würde sagen, Dortmunds Fans gehören zu den besten der Welt, in einem der schönsten Stadien überhaupt.

Wenn wir die Beziehung pflegen, können beide Städte sehen, was auf der anderen Seite gut läuft, und sich etwas abschauen. Wir haben einen neuen Bürgermeister, der erst seit Kurzem im Amt ist und die Städtepartnerschaften sehr unterstützt. Ich rechne also mit vielen neuen Kontakten.

NSB: 2027 steht das 50. Jubiläum der Städtepartnerschaft an. Was ist geplant?


JK: Die Partnerschaft wurde am 4. Juli 1977 vom Rat beschlossen, die offizielle Freundschaft zu Buffalo aufzunehmen, 2027 werden es also 50 Jahre. Wir planen offizielle Delegationen und Besuche zwischen den beiden Städten.

Zum 40. Jubiläum kam eine große Delegation zu uns, samt Bürgermeister und dem gesamten Stadtrat. Und auch Buffalo schickte eine große Delegation, mit einer offiziellen Unterzeichnung und Veranstaltungen. Etwas Ähnliches wollen wir zum Jubiläum organisieren, mehr offizielle Besuche in beide Richtungen.

Ich würde gern mehr Gruppen einbinden. Wir haben schon den Austausch auf Verwaltungsebene und einen Schüleraustausch, aber es wäre toll, einen Sportaustausch zu organisieren. Genau solche neuen Verbindungen wünsche ich mir, über die bestehenden Austausche hinaus.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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