Die Sicherheit des Dortmunder CSD im September bleibt ein zentrales Thema bei den Vorbereitungen

Die bundesweite Angriffsquote liegt bei bei fast 50 Prozent:

Der CSD Dortmund im vergangenen Jahr (16. August 2025).
Der CSD Dortmund im vergangenen Jahr (16. August 2025). Foto: Leopold Achilles

Während im Juli die Vorbereitungen für den Dortmunder CSD im September 2026 laufen, rückt die Sicherheit queerer Veranstaltungen bundesweit in den Fokus. Ein aktueller Sicherheitsreport der Amadeu Antonio Stiftung zeigt, dass fast jeder zweite CSD in Deutschland von Störungen betroffen ist. Paul Klammer, Geschäftsführer von SLADO e.V., gibt Einblicke in die anstehenden Planungen für September und erklärt, warum sich der Dachverband von diesen Entwicklungen nicht einschüchtern lässt.

Die Störungsquote liegt in Westdeutschland bei 37 Prozent

Im September dieses Jahres steht erneut der Christopher Street Day (CSD) in Dortmund an. Doch zentral in dessen Planung ist jetzt schon die Frage nach der Sicherheit queerer Personen und Veranstaltungen. Immer häufiger sind queere Menschen und insbesondere CSDs mit Anfeindungen konfrontiert.

Eine kleine Gruppe Neonazis demonstrierte zeitgleich mit dem CSD.
Auch in Dortmund fand Mitte September 2024 ein Anti-CSD-Protest statt. Foto: Paulina Bermúdez

Aufgegriffen hat dies unter anderem der im Herbst 2025 veröffentlichte Sicherheitsreport „Queerfeindlichkeit sichtbar machen“ der Amadeu Antonio Stiftung, der sich mit rechtsextremen Angriffen auf CSDs befasst.

Demnach wurden im erfassten Zeitraum mindestens 110 von 245 geplanten CSDs in Deutschland durch rechtsextreme Gegenmobilisierungen oder andere Übergriffe gestört. Damit war fast jede zweite Veranstaltung von Beeinträchtigungen betroffen.

Zwar ist der Anteil rechter Gruppierungen in Ostdeutschland höher, doch handelt es sich laut dem Report nicht um ein rein ostdeutsches Phänomen. Während die Störungsquote in den östlichen Bundesländern bei rund zwei Dritteln lag, betrug sie im Westen 37 Prozent.

Dortmund bei rechten Straftaten in NRW auf Platz drei

Gemäß dem Report kommen Anfeindungen gegen queere Personen besonders häufig aus dem rechten Spektrum. Laut der Leipziger Autoritarismusstudie stellen insbesondere Transpersonen ein zentrales Feindbild für rechtsextreme Akteure dar.

Eine kleine Gruppe Neonazis demonstrierte zeitgleich mit dem CSD.
Eine kleine Gruppe Neonazis demonstrierte zeitgleich mit dem CSD 2024. Foto: Paulina Bermúdez

Die Zunahme der Störungen wird im Report als Folge eines gezielten antifeministischen Agenda-Settings beschrieben.

Zwar gilt Dortmund heute nicht als Hochburg der AfD und die Neonazi-Szene hat sich im Vergleich zu den Jahren zuvor zurückgezogen, doch rechts motivierte Straftaten bewegen sich nach wie vor auf einem hohen Niveau. Laut einer Anfrage der Grünen Landtagsfraktion beim NRW-Innenministerium wurden hier für das Jahr 2025 rund 290 rechte Straftaten erfasst. Damit belegt Dortmund nach Köln und Düsseldorf den dritten Platz im Landesvergleich.

Zugleich geht aus der Anfrage hervor, dass die queerfeindlichen Straftaten landesweit drastisch gestiegen sind. Delikte gegen die sexuelle Orientierung nahmen in NRW von 203 Fällen im Jahr 2024 auf 257 im Jahr 2025 zu, was einem Plus von 27 Prozent entspricht. Noch deutlicher war der Anstieg bei Straftaten gegen die geschlechtsbezogene Diversität. Hier gab es einen Sprung von 105 auf 162 Fälle und damit ein Wachstum von 54 Prozent.

Die Mobilisierung verläuft meistens über das Internet

Häufig mobilisieren sich Rechte laut dem Report vor den CSDs über soziale Medien. Junge, gewaltbereite Neonazi-Gruppen koordinieren sich dabei digital und reisen gezielt an, unter anderem aus Netzwerken wie „Der III. Weg“, „Die Heimat“, „Deutsche Jugend Voran“ oder dem „Störtrupp“.

Der CSD 2024 in Dortmund.
Der CSD 2024 in Dortmund. Foto: Matilda Buchmann

In Dortmund zeigte sich das unter anderem im Jahr 2024, als überregionale Gruppen zu Störungen aufriefen. Auch in den Vorjahren kam es zu körperlichen Übergriffen am Rande des Friedensplatzes. Dass sich Rechte vermehrt im digitalen Raum aufhalten, spiegelt sich auch in der Bilanz der Straftaten wider.

Rund ein Drittel aller rechten Straftaten in Dortmund findet mittlerweile im digitalen Raum statt, wie die Dortmunder Polizei mitteilte. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Bildungsarbeit der Quartiersdemokrat*innen, der Fach- und Netzwerkstelle für Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung mit Schwerpunkt im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld. Auch sie beobachten eine schnelle Konfrontation von Jugendlichen mit rechtsextremen Inhalten auf Plattformen wie TikTok oder Instagram.

Paul Klammer: „Störungen und Angriffe auf CSDs sind alltäglich geworden.“

Die Entwicklungen sind für Paul Klammer, Geschäftsführer von SLADO e.V., dem Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transidentenvereine und -initiativen (LSBTIQ*) in Dortmund, keine Überraschung.

Paul Klammer spricht in ein Mikrofon.
Paul Klammer (SLADO) Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

„Störungen und Angriffe auf CSDs sind alltäglich geworden. Das beunruhigt uns als Veranstalter und hat bereits in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass wir unsere Sicherheitsbemühungen deutlich verstärkt haben.“

Für die anstehende Veranstaltung im September liegen dem Verband aktuell zwar noch keine konkreten Erkenntnisse über geplante Gegenaktionen vor. „Trotzdem bereiten wir uns wie in den Vorjahren auf mögliche Störungen vor“, so Klammer weiter.

Zusätzliches Sicherheitspersonal und Sensibilisierungen in Planung

Die Konzepte zum Schutz des CSD wurden dabei laut Klammer bereits in den vergangenen zwei Jahren angepasst. „Wir haben unsere eigenen Sicherheitsvorkehrungen bereits 2024 und 2025 deutlich erhöht“, erklärt der Geschäftsführer.

Christopher Street Day
In den vergangen Jahren verlief eine enge Zusammenarbeit zwischen der Polizei und SLADO beim CSD. Foto: Leopold Achilles

Die Absprachen mit der Polizei Dortmund seien für dieses Jahr noch nicht geführt worden, so Klammer weiter. Allerdings seien diese und die Dortmunder Behörden laut ihm in den vergangenen zwei Jahren sehr umsichtig mit der Sicherheitslage umgegangen und „haben erheblichen Aufwand betrieben, damit es zu keinen Störungen kommt.“

Um eine sichere Veranstaltung zu gewährleisten, ergreift SLADO selbst ebenfalls Maßnahmen. Wie Klammer erklärt, habe der Dachverband zusätzliches Sicherheitspersonal engagiert. Zudem würden die Mitwirkenden für zu erwartende Störungen und notwendige Interventionen sensibilisiert. Für die Teilnehmenden bereite man zudem Sicherheitsratschläge vor.

Kein Rückzug aus dem öffentlichen Raum

Auch wenn die Zahlen der Anfeindungen auf CSDs ansteigen, einschüchtern lässt sich der Dachverband für die weitere Planung dennoch nicht.

Der CSD Dortmund 2022.
Der CSD Dortmund 2022. Foto: Karsten Wickern

„Störungen und Angriffe auf CSDs zielen darauf ab, queere Menschen aus dem öffentlichen Raum und an den gesellschaftlichen Rand zu verdrängen. Das Gegenteil streben wir mit dem CSD an: Wir machen deutlich, dass queere Menschen selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sind“, betont Klammer.

„Deshalb gehen wir dahin, wo man uns nicht übersehen kann, auf die Straßen der Dortmunder Innenstadt und auf den Friedensplatz. Das deutlichste Zeichen gegen Störer:innen und Gewalttäter:innen sind die vielen tausend Menschen, die mit uns seit Jahren solidarisch sind und demonstrieren und feiern.“

Weitere Informationen: 

  • „Queerfeindlichkeit sichtbar machen“ – Sicherheitsreport zu rechtsextremen Angriffen auf CSDs Amadeu Antonio Stiftung

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