Über die Zukunft von bezahlbarem und sicherem Wohnen beim 42. Bürgerforum „Nord trifft Süd“

Diskussion über Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt:

Blick in den Saal der Veranstaltung 42. Bürgerforum „Nord trifft Süd“.
Die Gäste und verschiedene Wohnprojekte tauschten sich beim Bürgerforum über Lösungsansätze für bezahlbaren Wohnraum aus. Planerladen gGmbH

Beim 42. Bürgerforum „Nord trifft Süd“, das unter dem Titel „Wohnen anders denken“ stattfand, haben sich Vertreter:innen verschiedener Initiativen und Wohnprojekte vorgestellt. Gemeinsam mit den Gästen diskutierten sie über die aktuellen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt, die eigene Betroffenheit und mögliche Perspektiven für bezahlbares sowie selbstbestimmtes Wohnen. Im Fokus der von Kay Bandermann moderierten Veranstaltung standen die realen Erfahrungen mit steigenden Mieten und Verdrängungsprozessen.

Verdrängung am Wohnungsmarkt führt zu existenziellen Sorgen

Wohnen ist ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht. Gleichzeitig prägen steigende Mieten, erschwerte Zugänge zum Wohnungsmarkt und Verdrängungsprozesse die Lebensrealität vieler Menschen. Vor diesem Hintergrund standen beim Bürgerforum in den Räumlichkeiten der Auslandsgesellschaft.de unterschiedliche Erfahrungen und Lösungsansätze im Mittelpunkt.

Philip Vaupel und Lina von der Initiative „Chemnitzer Straße 44139“.
Der geplante Abriss der Wohngebäude an der Chemnitzer Straße verdeutlicht die Folgen von Verdrängungsprozessen auf dem angespannten Wohnungsmarkt. Planerladen gGmbH

Über die schwierige Situation an der Chemnitzer Straße berichteten Philip Vaupel und Lina von der Initiative „Chemnitzer Straße 44139“. Sie schilderten die Folgen der Kündigungen, die die Bewohner:innen der Häuser Chemnitzer Straße 4 bis 14 im Sommer 2025 erhalten hatten.

Der Grund für die Kündigungen: Ihr Vermieter plant, die Gebäude abzureißen und neue, wahrscheinlich teurere Wohnungen zu errichten.

Trotz des erzwungenen Auszugs Ende April 2026 leben weiterhin mehrere Mietparteien in den Häusern, da sie bislang keine geeigneten Alternativen auf dem angespannten Wohnungsmarkt gefunden haben. Die Initiative machte deutlich, welche Belastungen Verdrängungsprozesse für die Betroffenen mit sich bringen und wie unverständlich es ist, dass mit einem Grundbedürfnis Rendite erwirtschaftet wird. Gleichzeitig kritisierte die Initiative die Politik, welche das Gefühl vermittelt, die Stadt nicht mitprägen zu wollen, sondern dies der freien Hand des Marktes zu überlassen.

Erfolgreicher Mieterprotest gegen die Rendite-Abwärtsspirale

In solchen Situationen zeigen sich die große Bedeutung von Solidarität und zivilgesellschaftlicher Unterstützung. Insbesondere das Engagement des SoliNetz Dortmund wurde hervorgehoben, das seit den Kündigungen die Bewohnerinnen und Bewohner unter dem Motto „Die Häuser denen, die drin wohnen“ unterstützt und für Öffentlichkeit sorgt.

Vertreterin Isabella Knappmann am erzählen.
Renditeerwartungen und häufige Eigentümerwechsel als Ursache für die Vernachlässigung von Wohnungsbeständen in Stadtteilen. Planerladen gGmbH

Wie erfolgreich das langfristige Engagement von Mieterinnen und Mietern sein kann, zeigt zudem das Beispiel des Mieterbeirats Westerfilde-Bodelschwingh. VertreterinIsabella Knappmann berichtete von den Erfahrungen eines Stadtteils, der über viele Jahre von häufigen Eigentümerwechseln geprägt war, deren Ziel es war, die Renditen zu steigern.

Die Folgen dieses Ziels zeigten sich darin, dass der Stadtteil in eine Abwärtsspirale geriet, Wohnungsbestände vernachlässigt wurden und Bewohner:innen sich nicht gehört fühlten.

Seit der Gründung im Jahr 2008 setzt sich der Mieterbeirat gemeinsam mit Bewohnern, Politik und weiteren Akteuren für bessere Wohnbedingungen ein. Dass dieser Einsatz erfolgreich sein kann, zeigt die positive Entwicklung des Stadtteils, die gleichzeitig aber zur Folge hat, dass die Mieten steigen. Applaus brandete im Publikum auf, als Knappmann vom jüngsten Erfolg einer Mieterin berichtete, die sich erfolgreich vor Gericht gegen eine Mieterhöhung durchsetzen konnte.

Alternative Wohnformen: Zwischen bürokratischen Hürden und Gemeinschaft

Nachdem die Initiativen vorgestellt wurden, die sich den Herausforderungen des Marktes stellen, kamen auch alternative Wohnformen zur Sprache. Stefan Müller und eine weitere Mitbewohnerin berichteten über das Wohnprojekt „MOSAIK e.G.“, in dem Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf gemeinsam leben und sich gegenseitig im Alltag begleiten.

Stefan Müller und eine weitere Mitbewohnerin.
Das Wohnprojekt „MOSAIK e.G.“ als Beispiel für ein inklusives und gemeinschaftliches Zusammenleben von Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf. Planerladen gGmbH

Die Umsetzung des Projekts dauerte rund zehn Jahre und war von der Suche nach einem geeigneten Grundstück, Finanzierungsfragen und bürokratischen Herausforderungen geprägt. Heute bietet das Projekt Wohnraum für eine vielfältige Bewohner:innenschaft, für welche sich das Zusammenleben wie „eine Mischung aus Familie und Mieter:innen“ anfühlt und in welcher Müller seine Traumwohnung gefunden hat.

Ebenfalls vorgestellt wurde das Wohnprojekt „WIR im Revier“. Die Bewohner:innen berichteten von ihrem gemeinschaftlich organisierten Zusammenleben, das von Mitbestimmung, gegenseitiger Verantwortung und einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt ist. Bewusst versucht das Projekt, die Nachbarschaft mit einzubeziehen, indem gemeinsame Aktivitäten wie Grillabende organisiert werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gemeinschaftliches Wohnen ein hohes Maß an Engagement und die Bereitschaft erfordert, Entscheidungen gemeinsam auszuhandeln und Verantwortung zu übernehmen. Aus diesem Grund durchlaufen Interessierte und potenzielle Mitbewohner ein längeres Verfahren, in welchem abgeklopft wird, ob beide Seiten zueinander passen.

Weitere Informationen: 

  • Das nächste, 43. Bürgerforum „Nord trifft Süd“ zum Thema Schreiben findet am 30. September um 18:30 Uhr im Großen Saal der Auslandsgesellschaft.de statt.
  • Die Veranstaltungsreihe „Bürgerforum Nord trifft Süd“ wird von der Planerladen gGmbH und der Auslandsgesellschaft.de ausgerichtete und findet im Rahmen der vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Arbeit der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit statt
  • Unterstützt wird die Veranstaltung von MIA-DO Kommunales Integrationszentrum Dortmund.

Unterstütze uns auf Steady

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert