
Im Jahre 1876 hat auf dem Ostfriedhof die erste Beisetzung stattgefunden. Damit feiert die Grünanlage dieses Jahr ihren 150. Geburtstag. Am 26. April soll ein großes öffentliches Fest den historischen Ort würdigen und über seine bewegte Geschichte informieren.
Buntes Programm mit zahlreichen Führungen
Zur Eröffnung der Feier ist Oberbürgermeister Alexander Kalouti vor Ort und hält um 11 Uhr eine Rede auf dem Platz vor der Trauerhalle. Im Anschluss folgt um 11.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst. Danach schließt sich bis 16 Uhr ein vielfältiges Programm rund um den Ostfriedhof an.
In zahlreichen offenen Führungen wird die Geschichte des Ortes ebenso beleuchtet wie die Flora und Fauna. Stadtführerin Heike Wulf erzählt dabei unter anderem über die „Frauen des Ostfriedhofs“. Weitere Angebote umfassen Rundgänge zu prominenten Persönlichkeiten, botanische Führungen, Vogelstimmen-Rundgänge sowie Einblicke in das Deckenbild des Pavillons.
Der Ostfriedhof ist schon lange nicht mehr nur ein Friedhof, sondern auch ein Erholungsgebiet für Städter:innen und ein Zufluchtsort für viele Tiere, die durch die starke Urbanisierung immer mehr aus ihren Lebensräumen verdrängt werden. Unter anderem informiert der NABU vor Ort über heimische Pflanzen und Vögel auf dem Gelände.
Wachstum der Stadt und Entstehung des Ostfriedhofs
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts breitete Dortmund sich schnell aus: Kohleabbau und Stahlherstellung zogen immer mehr Menschen in die Stadt hinein. So zählte Dortmund Anfang des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von circa 4.000, in den 1870er Jahren waren es schon 50.000, und im Jahr 1885 wurde Dortmund mit 100.000 Einwohner:innen zur Großstadt.

Mehr Menschen bedeuteten auch mehr Tote – zumal Dortmund lange die höchste Sterblichkeitsrate im Bereich Rheinland und Westfalen hatte. 1876 kam man mit der Eröffnung des Ostfriedhofs dem Bedarf nach. Die erste Beisetzung fand am 1. April 1876 statt: Katharina Charlotte Köcker wurde im Alter von 75 Jahren dort bestattet. Rund 20 Jahre später, im Jahr 1898, wurde der jüdische Teil des Friedhofs eröffnet.
Doch das Wachstum der Stadt setzte sich rasant fort, und schon im Jahr 1912 war absehbar, dass der Ostfriedhof – und die mittlerweile drei weiteren Gemeindefriedhöfe der Stadt – bald voll belegt sein würden. Man entschied sich gegen eine Doppelbelegung und beschloss stattdessen die Anlage des Hauptfriedhofs in Brackel.
Zerstörung im Krieg und Entwicklung zur Grünanlage
Das machte den Weg auch für die Nutzung des Ostfriedhofs als Grünanlage frei. Die Stadt startete Umgestaltungsmaßnahmen, die das Gebiet von einem Friedhof in einen Park verwandelten. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Ergebnis jedoch schnell zunichtegemacht.

Fast 100 Bomben fielen auf den Ostfriedhof und hinterließen weitreichende Zerstörung. Diebe nutzten die Gelegenheit, um Bronzeplatten und Buchstaben zu stehlen. Auch Gebäude und Einfriedungen wurden nahezu vollständig zerstört, die Grabfelder waren von Bombentrichtern übersät.
Der Wiederaufbau nach dem Krieg ging nur langsam vonstatten. Erst 1950 waren die gröbsten Schäden behoben. In dieser Zeit errichtete die Stadt auch das Mahnmal für die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, die in Konzentrationslagern ermordet worden waren. Anschließend wurde der Friedhof weiter begrünt und noch parkähnlicher gestaltet. Er konnte so bald wieder zu einem Naherholungsgebiet für Dortmunder:innen werden.
Vom historischen Friedhof zum modernen Bestattungsort
Auf dem rund 16 Hektar großen Gelände befinden sich heute 4.218 Grabstätten und 362 Denkmale. Viele bedeutende Persönlichkeiten der Dortmunder Stadtgeschichte haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, darunter Industrielle, Autor:innen und ehemalige Oberbürgermeister.
Der Ostfriedhof zählt heute zu den beliebtesten Friedhöfen der Stadt. Neben klassischen Bestattungen gibt es auch zeitgemäße und naturnahe Grabarten. Für die Zukunft planen die Friedhöfe Dortmund auch Gemeinschaftsgrabanlagen und Urnenstelen, um den Wünschen der Angehörigen noch besser nachzukommen.
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