
Die Architektur der Sparkasse Dortmund erzählt die Geschichte einer Stadt, die über 180 Jahre hinweg immer wieder über sich hinausgewachsen ist. Von einer schlichten Eisenkiste in einem Privathaus bis hin zu hochmodernen Glaspalästen markiert jedes Gebäude einen Meilenstein der Stadtentwicklung.
Die frühen Jahre: Vom Schlafzimmer zur ersten Kasse
Als die Sparkasse am 14. Januar 1841 gegründet wurde, war Dortmund eine Ackerbürgerstadt mit weniger als 10.000 Einwohnern. Da es kein eigenes Bankgebäude gab, wurde die Privatwohnung des Rendanten Friedrich Hartung am Westenhellweg 21 zum ersten Geschäftssitz.
Die Arbeitsteilung war ebenso einfach wie pragmatisch: Im Erdgeschoss befand sich die „Empfangsstube“ für das Publikum, während der eigentliche Tresor – eine am 12. März 1841 in Auftrag gegebene, ringsum mit Eisen beschlagene Kiste – im Obergeschoss direkt in Hartungs Schlafzimmer stand. Der Rendant blieb lange Zeit der einzige Mitarbeiter, bis ihm 1858 ein städtischer Polizeidiener als Bote zugeteilt wurde.
Zwischen Wachstum und Improvisation: Die Wanderjahre
Mit dem Beginn der Industrialisierung reichte die private Wohnung bald nicht mehr aus, und es folgte eine Phase häufiger Umzüge sowie pragmatischer Lösungen.

1871 zog die Sparkasse in das Alte Rathaus am Markt um. Bereits 1875 wurde aufgrund von Platzmangel ein Haus in der Betenstraße 11 angemietet, bevor 1895 ein Flügel des Stadthauses an der Berswordtstraße bezogen wurde.
In dieser Zeit hielt auch eine technische Neuerung Einzug: Statt schwerer Kontenbücher nutzte man erstmals lose Kontenzettel. Diese wurden nach Geschäftsschluss in sogenannten „Kontenwagen“ auf fahrbaren Tischen in feuerfeste Räume gerollt.
Repräsentation am Markt: Der Kullrich-Bau

Am 14. Dezember 1907 bezog die Sparkasse ihren ersten repräsentativen Neubau am Markt, entworfen von Stadtbaurat Friedrich Kullrich. Der Bau schloss eine Baulücke und fügte sich zugleich harmonisch an das wenige Jahre zuvor wiederhergestellte Alte Rathaus an.
Kullrich griff auf Zierformen der westfälischen Renaissance zurück und schuf eine brückenartige Verbindung zum Festsaal des Rathauses. Im Inneren beeindruckte ein prachtvolles Treppenhaus mit Reliefs des Bildhauers Fritz Bagdons, die die fünf Sinne darstellten.
Auch technisch war das Gebäude auf der Höhe der Zeit: Die Kassenhalle verfügte über in die Rückwand eingelassene Tresorschränke, und bereits 1910 wurden vermietbare Schrankfächer für Kunden eingerichtet.
Monument der Moderne: Die Hansastraße und ihre Rotunde
In der wirtschaftlich schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstand an der Hansastraße ein Bau von beeindruckender Sachlichkeit. Der Bankspezialist Architekt Hugo Steinbach entwarf einen kubischen Bau aus Tuffstein, der am 23. Juli 1924 eingeweiht wurde.

Das Herzstück war die berühmte Rotunde: eine kreisrunde Kassenhalle mit 20 Metern Durchmesser. 13 kannelierte Pfeiler trugen eine mehrfach abgestufte Glasdecke in zwölf Metern Höhe. Stadtbaurat Kullrich nannte sie den „größten Kassensaal des Westens“.
Auch im Detail zeigte sich der Anspruch: Die Brüstungen des oberen Umgangs waren mit Masken und Köpfen des Künstlers Kurt Döhler geschmückt. Technisch setzte das Gebäude Maßstäbe, unter anderem mit einer modernen Warmwasser-Nachtspeicherheizung.
Obwohl der Bau 1944 schwere Kriegsschäden erlitt, blieben Fassade und Rotunde beim Wiederaufbau erhalten. Heute beherbergt das Gebäude das Museum für Kunst und Kulturgeschichte.
Aufbruch in die Höhe: Der Freistuhl und neue Bauweisen
Nachdem die Sparkasse 1965 zum „Einlagen-Milliardär“ geworden war, wurde ein neuer Standort am Freistuhl erforderlich. Am 14. Januar 1966 wurde der Grundstein für ein Ensemble nach Plänen von Hanns Dustmann und Alfred Kalmbacher gelegt.

Das 17-geschossige Hochhaus entstand in einem neuartigen Gießverfahren, bei dem der Beton stockwerkweise nach oben gezogen wurde – eine erhebliche Zeitersparnis. Es ruht auf vier Eckpfeilern mit einer Tragkraft von jeweils 1.800 Tonnen.
Der zugehörige Flachbau beherbergte eine 90 Meter lange, lichtdurchflutete Schalterhalle. Beide Gebäude erhielten eine Verkleidung aus rotem Granit. Bereits 1965 hatte die Sparkasse zudem den ersten Drive-in-Schalter der Innenstadt eröffnet – ein Zeichen der autogerechten Zeit.
Erweiterung und Einbindung: Das Technische Zentrum
Zwischen 1982 und 1985 wurde der Komplex durch das Technische Zentrum der Architekten Rickmeyer und Saatkamp ergänzt. Der Bau bildet eine städtebauliche Einheit mit dem historischen Dortberghaus.
Durch Materialien wie roten Granit und Titanzink sowie die Anpassung an die Dachlinie des Nachbargebäudes entstand eine Verbindung von moderner Funktionalität und historischem Kontext.
Das Dortberghaus wird nach einer Zwischennutzung durch die Stadtverwaltung und langem Leerstand mittlerweile als Hotel genutzt.
Digitalisierung und Zukunft: Ein neuer Schnitt am Freistuhl

Das Ensemble am Freistuhl wurde kontinuierlich weiterentwickelt: 1984 wurden die ersten Geldautomaten installiert, 1999 das Kundenzentrum grundlegend für das Online-Zeitalter umgestaltet.
Nun steht jedoch ein tiefgreifender Umbruch bevor. Da die bestehenden Gebäude energetisch nicht mehr sanierbar sind, soll nach einem Architekturwettbewerb im Jahr 2026 ein völlig neues Hauptstellengebäude entstehen.
Bis 2031 ist ein Neubaukomplex geplant, der ein weiteres Kapitel in der Baugeschichte der Sparkasse Dortmund aufschlagen und das Stadtbild erneut prägen wird.
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