SMART CAMP Gaming Prävention: Schüler lernen verantwortungsvollen Umgang

Spielen(d) lernen - Gaming und Gambling schon zum zweiten Mal auf dem Stundenplan

Eine achte Klasse der Marie-Reinders-Realschule beim „Smart Camp – Create & play responsibly” Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger.de

Oberbürgermeister Alexander Kalouti unterstützt Prävention und digitale Bildung in Dortmund. Unter seiner Schirmherrschaft fand an der Marie-Reinders-Realschule in Dortmund wieder das Projekt „Smart Camps – Create & play responsibly” statt. Entwickelt wurde das Konzept vom Social-Impact Unternehmen BG3000 in Kooperation mit dem staatlichen Lotterieanbieter WestLotto. Zwei Tage lang lernten 91 Schüler:innen der achten Jahrgangsstufe sowohl die Risiken der digitalen Welt kennen, als auch praktische Medienkompetenzen. Bürgermeisterin Britta Gövert besuchte das Projekt vor Ort und betonte die Bedeutung digitaler Bildung für Jugendliche.

Alltagsbeobachtungen von Schüler:innen und Schulleiter der Realschule

Jörg Skubinn, Schulleiter der Marie-Reinders-Realschule fährt jeden Tag mit dem Bus zur Schule. Dabei fällt ihm auf, dass die Schüler:innen nahezu alle Kopfhörer tragen und Handyspiele spielen. „Heute Morgen hätte man sich stattdessen darüber austauschen können, wieso wir bei Olympia gestern wieder keine Medaille bekommen haben”, sagt Skubinn scherzend.Dieses Beispiel unterstreicht für Skubinn schließlich die Notwendigkeit, Schüler:innen frühzeitig gezielt für die Chancen und Risiken digitaler Angebote – insbesondere im Hinblick auf Suchtgefahren und Kostenfallen zu sensibilisieren.

Leonie Schmickler, Projektleitung BG3000, Jörg Skubinn, Schulleiter der Marie-Reinders-Realschule, Bürgermeisterin Britta Gövert, Schüler:innen der achten Jahrgangsstufe Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger.de

„In einer digitalen Welt ist es die Aufgabe der Schule, Schüler:innen bestmöglich auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten”, so Skubinn. Immer mehr digitale Spiele vermischen Spiel- und Glücksspielelemente.

„Für FIFA-Packs bzw. Lootboxen muss Geld eingesetzt werden, ohne dass man weiß, welche Inhalte man erhält”, berichten Schüler:innen. Problematisch sei vor allem, dass Nutzer häufig nicht merken, dass sie bestimmten Triggern ausgesetzt sind.

„Wer in jungen Jahren mit Glücksspiel in Kontakt kommt, hat ein erhöhtes Risiko, später problematisches Spielverhalten zu entwickeln, erzählt Ron Schindler, Public Affairs/Responsible Gambing bei WestLotto. Aufgrund der betonten Wichtigkeit führt WestLotto auch weitere Kooperationen, wie zum Beispiel mit der TU Dortmund.

Das Programm der „Smart Camps“ – Von der Theorie bis zur Anwendung

Am ersten Tag beschäftigen sich die Schüler:innen mit Stress- und Suchtfaktoren durch Gaming, erlernen Atmungs- und Entspannungsübungen, erkennen Warnsignale problematischer Mediennutzung und entwickeln Strategien für einen gesunden Umgang mit digitalen Angeboten. Mental Coach Marlene Krursel erklärt, wie Schüler:innen durch Achtsamkeit ständige Vergleiche, sozialen Druck und Dopamin-Effekte durch Social Media erkennen, reflektieren und vermeiden können. Die Schüler:innen lernen ihren Medienkonsum bewusst zu steuern, etwa durch Maßnahmen wie Bildschirmzeitlimits oder bewusstes Weglegen des Handys im direkten sozialen Kontakt.

Marlene Krursel, Mental Coach beim Workshop Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger.de

Weitere Themen auf der Agenda sind Datenschutz, Phishing, Hacking, Online-Betrug, künstliche Intelligenz und ein Crashkurs zum Medienrecht über rechtliche Grenzen bei Urheberrecht, Streaming oder Glücksspiel.

Praktische Beispiele verdeutlichen, wie schnell persönliche Daten online missbraucht werden können. So veröffentlichte 2020 eine EU-Verteidigungsministerin ein Foto auf Twitter, auf dem ein Tab mit einem Videokonferenz-Link zu sehen war. Ein Journalist konnte sich dadurch in die Konferenz einloggen.

Am zweiten Tag steht die praktische Medienarbeit im Fokus: Die Schüler:innen üben den kritischen Umgang mit Instagram, lernen Grundlagen der Fotografie und Bildbearbeitung kennen, entwickeln eigene Social-Media- oder YouTube-Ideen und sammeln im Stop-Motion-Projekt erste Erfahrungen in der Filmproduktion. Ganz nach dem Motto „Kreieren statt bloß konsumieren“, sagt Leonie Schmickler, Projektleitung BG3000. Auch die Gründerin von BG3000, Simone Stein-Lücke sieht eine Riesen-Chance darin, das Thema Gaming in Schulen zu bringen. Man müsse sich die Faszination von Jugendlichen zu Nutze machen und damit konstruktiv Lern- und Empathievermittlung betreiben. 

Reicht schulische Prävention – oder braucht es stärkere politische Regularien?

In Australien existieren bereits strengere Verbote bei der Mediennutzung von Jugendlichen. Schindler ist hingegen der Meinung, dass Verbote allein nicht zielführend sind. Gövert ergänzt: “Digitale Bildung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe unserer Stadt. Jugendliche bewegen sich selbstverständlich in digitalen Welten – deshalb müssen wir sie dabei unterstützen, diese kompetent, kritisch und sicher zu nutzen.

Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger.de

Ihrer Ansicht nach müssten Schulen gemeinsam Lösungen entwickeln, Wissen und Aufklärung vermitteln und eng abstimmen. Gleichzeitig müssten Kinder befähigt werden, selbstbewusste Entscheidungen zu treffen. Offen bleibt jedoch die Frage, was passiert, wenn Prävention zu spät kommt.

Eine eindeutige politische Antwort gebe es derzeit nicht. Das Thema Gaming und Gambling habe jedoch in den letzten Jahren enormen politischen Auftrieb erhalten. Die Präventionsmaßnahmen wurden im Familienausschuss des Landtags vorgestellt. 

Aufklärung, Verantwortung und eigenständiges Handeln statt Verbot

Gaming und Gambling sind Teil der Lebenswelt Jugendlicher. Das Konzept des SMART CAMPS setzt nicht auf pauschale Verbote, sondern auf Aufklärung, Verständnis und eigenständiges, kreatives Handeln.

Ziel ist es, dass Jugendliche Chancen und Risiken digitaler Angebote erkennen, bewusst Entscheidungen treffen und ihre Medienkompetenz stärken, um verantwortungsvoll in digitalen Räumen zu agieren, in denen sie sich sowieso aufhalten. 






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