
Ein Dringlichkeitsantrag der Fraktion Grüne & Volt bildete den Auftakt zur zweiten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit im Jahr 2026. Bestehende Projekte wie die Sanierung des Freibads Hardenberg, aber auch Zukunftsvisionen wie die Gründung eines Comic-Museums kamen auf die Tagesordnung. Über allem aber stand die Frage: Was kann die Stadt sich im kommenden Jahr überhaupt leisten? Hat der geplante Finanzhaushalt Bestand?
Haushaltssperre als Präventivmaßnahme?
Kämmerer Jörg Stüdemann klärte auf: Mit Abschluss des Haushaltsjahres 2025 gibt es einen ersten Überblick zum Stand des Doppelhaushalts. Bisher seien nur geringe Abweichungen zur geplanten Verschuldung erkennbar, aber bereits jetzt wisse man um strukturelle Veränderung wie beispielsweise eine erhöhte Gewerbesteuer in 2026: „Die Haushaltssperre zu verhängen ist sinnvoll, um in Ruhe abarbeiten und vernünftig planen zu können“, so Stüdemann.___STEADY_PAYWALL___

Kippt der Haushalt 2026 hat das Folgen für 2027 und es bestehe die Gefahr der sogenannten Haushaltssicherung „und das darf uns nicht passieren, das stranguliert uns dann noch länger.“
Stüdemann wollte die aktuelle Situation aber nicht weiter dramatisieren, bis März sei sie dem Prinzip der „vorläufigen Haushaltsführung“ vergleichbar.
Dinge, zu denen man vertraglich verpflichtet sei, die angelaufen sind oder für die bereits 2025 der Beschluss gefasst wurde, können umgesetzt werden. Auch allen anderen Projekten empfahl er weiter zu machen: „Sie können in Sachen Förderung bereits Priorisierungen vornehmen und dann geht es hoffentlich ab April in die Umsetzung.“
Sein Appell an die Mitglieder des Ausschusses: Machen sie die Sperre nicht zum Konflikt, sondern fügen sie sich der Zahlen-Disziplin, denn „ein stabiler Haushalt ist doch unser gemeinsames Anliegen.“
Kein „Denkmal für die Gastarbeiter“ vor Ende 2027
Ein Beschluss aus dem letzen Jahr ist das „Denkmal für die Gastarbeiter“. Wann kommt es denn endlich, fragt die SPD-Fraktion und bat die Verwaltung um eine Darstellung des aktuellen Projektstands.

Die Antwort beschrieb den komplexen Prozess von der Ausarbeitung der Entwürfe durch die Künstler:innen, über Rechts- und Vergabefragen, bis hin zu Kostenplanung und – nicht zu vergessen – den zahlreichen baulichen Anforderungen rund um die geplanten Standorte. Fazit: Man ist dran, aber es dauert.
Oder anders gesagt: „Die Verwaltung strebt die vollständige Fertigstellung und Übergabe der Denkmäler an die Öffentlichkeit bis September 2027 an. Dieses Ziel setzt den fristgerechten Abschluss der Konzeptions- und Abstimmungsphase sowie einen planmäßigen Ablauf der baulichen Umsetzung voraus.“ Es gab keine Nachfragen.
Förderung statt Handelsware: Kunstankauf im Superraum
Anders beim Thema Kunstankauf: Die CDU wollte nicht nur wissen, von welchen Dortmunder Künstler:innen 2026 Werke angekauft wurden, sondern auch wie diese aussehen. Offenbar sollte das für die Mitglieder des Ausschusses genauso eine Überraschung werden, wie für alle Dortmunder:innen. Ab Freitag, den 23. Januar, kann man sich die Werke im Superraum in der Brückstraße ansehen – Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros, versprach aber zukünftig eine Vorarbinfo der Ausschussmitglieder zu gewährleisten.

Doch die CDU blieb dran. Seit über 70 Jahren fördert die Stadt Dortmund die lokale Kunstszene durch den städtischen Kunstankauf, mehr als 2.500 Werke sind Teil der Sammlung und können durch Bürger:innen ausgeliehen werden – ist damit auch eine Wertschöpfung verbunden?
Eine Frage die Jörg Stüdemann mit seinem Doppel-Herz als Kämmerer und Kulturdezernent parierte: „Dieser Kunstankauf ist eine Förderung, kein Invest.“
Die Künstler:innen kämen der Stadt mit dem Preis entgegen, Verkäufe aus dieser Sammlung, die Berechnung von Wertzuwachs und die damit verbundenen Steuerfragen seien schwierig, vor allem aber: „Wir spekulieren nicht. Es ist eine bürgerschaftliche Sammlung, keine Handelsware“, so Stüdemann.
Dortmund als Standort für ein Comicmuseum?
Seit 2019 hat Dortmund den „schauraum: comic + cartoon“, seit 2025 vergibt die Stadt den mit 10.000 Euro dotierten Comic-Preis Dodo und will nun offenbar den nächsten großen Schritt zur Comic-Stadt vollziehen. Ein umfangreiches Konzept – vorgelegt von Sophia Paplowski, der Leiterin des Schauraums – stellte die Potentiale und Chancen eines solchen Hauses dar.

Es gelte die erfolgreiche Arbeit des Schauraums fortzuführen und zu einem Deutschen Comic-Museum auszubauen. Inklusive einem angeschlossenen Forschungszentrum gäbe es dann erstmals eine nationale Institution zur Sammlung, Ausstellung und wissenschaftlichen Erforschung des Mediums Comic – als Teil des kulturellen Erbes und als zukunftsorientierter Bildungs- und Forschungsraum. Soweit das Konzept.
Das Papier überzeugte alle Fraktionen – mit Ausnahme der AfD. Wie es aussieht, wenn die kühnen Pläne später auch mit konkreten Zahlen hinterlegt sind, wird sich zeigen. Zunächst aber darf hier weiter geplant werden.
Planung zur Sanierung des Hardenberg-Freibads kann starten
Große Pläne für neue Aktivitäten auf der einen Seite – noch größere Herausforderungen für den Erhalt bestehender Einrichtungen auf der anderen Seiten. Soll das Freibad Hardenberg saniert werden? Die Fraktionen Grüne & Volt, Die Linke & die Tierschutzpartei, SPD und FDP/Bürgerliste stimmten dafür und gaben die für die Planungsleistungen kalkulierten Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro frei.

Die CDU hätte sich ein anderes Vorgehen gewünscht. Ute Meis plädierte dafür, auch andere Nutzungsmöglicheiten zu prüfen, wie die Entsiegelung, eine naturnahe Entwicklung oder andere sportliche und gemeinschaftliche Angebote, die in das Umfeld passen. Das Anliegen fand keine Mehrheit.
Auch die AfD stimmte gegen die Freigabe der Planungsmittel mit dem Ziel Sanierung.
Da es sich um einen fortlaufender Beratungsprozess handelt, der bereits im letzten Jahr begonnen wurde, kann der Prozess nun weiter geplant werden. Welche Beckenvariante es am Ende wird, ist noch offen. Die Chancen, dass das Freibad seinen 100. Geburtstag im Jahr 2027 doch noch erlebt, sind mit dieser Entscheidung gestiegen.
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Reaktionen
Freibad Hardenberg wird saniert (PM Fraktion Grüne/Volt)
Das Freibad Hardenberg bekommt eine Zukunft: Der Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit hat den Weg für die Sanierung des traditionsreichen Freibads am Kanal in Derne freigemacht. Grundlage ist eine umfassende Machbarkeitsstudie, die deutlich macht, dass nur eine grundlegende Sanierung den dauerhaften und sicheren Betrieb gewährleisten kann.
Nach der Schließung des Bads im Jahr 2023 aufgrund erheblicher baulicher und technischer Mängel ist damit eine wichtige Entscheidung für den Stadtteil Huckarde gefallen. Statt einzelner Reparaturen soll das Freibad umfassend modernisiert und zukunftsfähig aufgestellt werden – unter anderem mit erneuerter Wassertechnik, sanierten Becken und verbesserten Außenanlagen.
„Das Freibad Hardenberg ist ein zentraler Ort für Sport, Erholung und Zusammenhalt im Stadtteil“, erklärt Katrin Lögering, Fraktionssprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN & Volt. „Dass nun klar ist: Das Bad bleibt und wird saniert, ist eine sehr gute Nachricht für die Menschen vor Ort. Hierfür haben wir als GRÜNE & Volt von Anfang an wie bereits beim Freibad Stockheide in der Nordstadt gekämpft. Moderne Freibäder gibt es mit uns.“
Beschlossen wurde zunächst die Beauftragung der Planungsleistungen. Auf dieser Basis wird eine detaillierte Kostenberechnung erstellt, über die der Rat in einem nächsten Schritt entscheiden wird. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei rund 14,4 Millionen Euro. Zudem soll das Projekt für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ angemeldet werden, das eine erhebliche Förderung ermöglichen kann.
Ein besonderer Fokus liegt auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ziel ist ein energieeffizientes Freibad mit erneuerbaren Energien, reduziertem Wasser- und Energieverbrauch und modernen Umweltstandards. „Wir investieren hier in Lebensqualität, Freizeit, Klimaschutz und den langfristigen Erhalt öffentlicher Infrastruktur“, so Lögering. „Das Freibad Hardenberg soll auch in Zukunft ein Ort für alle bleiben.“