Protest „made in Dortmund“ erinnert an tote Arbeitsmigranten in Katar

Vor der FIFA-Zentrale in Zürich appellieren ein Künstler und die AWO ans Weltgewissen

Cellisten Willem Schulz spielt ein Requiem für die Toten - Protestaktion gegen die tausenden Toten auf den Baustellen von Stadion, Hotels und In Infrastruktur für die WM in Katar.
Cellist Willem Schulz spielt ein Requiem für die Toten – Protestaktion gegen die tausenden Toten auf den Baustellen von Stadion, Hotels und In Infrastruktur für die WM in Katar. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Es ist kein April-Scherz: Am heutigen Freitag (1. April 2022) findet in Doha/Katar die Gruppenauslosung zur FIFA-WM statt. Mit einer Protestaktion haben der Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb sowie die Verbände AWO International und der AWO-Bezirk Westliches Westfalen vor der FIFA-Zentrale in Zürich ein deutliches Zeichen gegen die menschenverachtenden und grausamen Bedingungen der Arbeitsmigranten:innen in Katar gesetzt.

„Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande“

Künstler Volker-Johannes Trieb hat mit Unterstützung der AWO-Bezirks in Dortmund die Aktion umgesetzt.
Künstler Volker-Johannes Trieb hat mit Unterstützung des AWO-Bezirks in Dortmund die Aktion umgesetzt. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

„Auf Kosten der Fußballweltmeisterschaft sind in Katar beim Bau der Stadien viele tausend Menschen gestorben. Sie wurden wie Sklaven behandelt und sind an Hitze, an Erschöpfung oder wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen gestorben.

Das wurde sowohl von der FIFA als auch von der Regierung in Katar in Kauf genommen. Das darf an einem Tag wie heute nicht verschwiegen werden“, so Volker-Johannes Trieb, der die Aktion ins Leben gerufen hat.

Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Sinnbildlich für die vielen Opfer, deren Zahl Amnesty International mittlerweile mit 15.000 beziffert, wurden 6.500 mit Sand gefüllte Fußbälle vor der FIFA-Zentrale abgeladen: Bedruckt mit dem Zitat „Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande“, begleitet von einem Requiem des Cellisten Willem Schulz.

Die aufsehenerregende Aktion wurde vom AWO-Bezirksverband in Dortmund organisiert und orchestriert. Mit den Fußbällen sind im Laufe des WM-Jahres noch weitere Aktionen geplant. Nach dem Endspiel am 18.12.2022 werden die 6.500 Exemplare abgegeben. Gleichzeitig werden Spenden gesammelt, die den Menschen in den Ländern der Getöteten zu Gute kommen.

„Das Leben von Menschen, ihre Arbeitsbedingungen und ihre Freiheit zählen mehr als Profit“

Michael Scheffler (AWO WW), Ingrid Lebherz und Felix Neuhaus (AWO International) packten mit an, um die Bälle vor der FIFA-Zentrale zu verteilen.
Michael Scheffler (AWO WW), Ingrid Lebherz und Felix Neuhaus (AWO International) packten mit an, um die Bälle vor der FIFA-Zentrale zu verteilen. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

„Wir setzen uns seit vielen Jahren für die Rechte von Arbeitsmigranten und deren Familien ein, die oft in den ärmsten Ländern der Welt zurückbleiben und von dem Geld leben, das ihre Angehörigen schicken. Diese arbeiten meist unter katastrophalen Bedingungen. Die Schicksale der vielen Migranten in Katar sind für uns inakzeptabel und entsetzliche Beweise dafür, dass moderne Sklaverei existiert“, so Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International.

„Es ist für uns als Arbeiterwohlfahrt nicht akzeptabel, dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Auch die Unterdrückung der Frauen in Katar prangern wir an. Das Leben von Menschen, ihre Arbeitsbedingungen und ihre Freiheit sind unverhandelbar und zählen mehr als jeder Profit. Deshalb werden wir uns immer dafür engagieren, dass hohe soziale Standards und demokratische Strukturen in den Ländern gelten, an die lukrative Großereignisse vergeben werden“, ergänzt Michael Scheffler, Vorsitzender des AWO Bezirks Westliches Westfalen.

Umfangreiches Material zur Kampagne „Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande“ sowie Informationen zu den Aktionspartnern gibt es auf der Internetseite www.weltgewissen-katar.de

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Kommentare

  1. Studie zu Erwartungen an Fußball-WM in Katar: Wenig Fan-Begeisterung für das sportliche Großereignis (PM FH Dortmund)

    Die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar sorgt weiterhin für Kritik. Im Fokus stehen dabei sowohl die Menschenrechtssituation im Gastgeberland als auch die Arbeitsbedingungen für Gastarbeitende. Eine aktuelle Studie, an der auch Prof. Dr. Axel Faix vom Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Dortmund konzeptionell beteiligt war, zeigt nun ernüchternde Meinungen und Erwartungen bei den Fans.

    Zum Auftakt einer ganzjährigen Studienreihe zur Fußball-Weltmeisterschaft hat die Kölner Online-Plattform „FanQ“ bundesweit mehr als 4.000 Fußballfans befragt. Von WM-Euphorie kann bei einem Großteil der Teilnehmenden keine Rede sein: Die wenigsten werden die WM live verfolgen. Bei den 16- bis 19-Jähgrigen sind es immerhin 37,2 Prozent, die doch medial dabei sein wollen, bei den 50- bis 59-Jährigen sind es hingegen nur 25,1 Prozent.

    Bemerkenswert: Ausgerechnet eigentlich besonders fußballaffine Menschen wenden sich von der WM- in Katar ab. Von allen befragten Stadion-Besuchenden geben 89,4 Prozent an, dass sie im Vergleich zu früheren Weltmeisterschaften deutlich weniger Vorfreude auf die jetzige WM verspüren. Von ihnen lehnen sogar 70,9 Prozent ab, die WM live zu verfolgen. Die geringste Vorfreude auf die WM im Vergleich zu vergangenen Weltmeisterschaften zeigen die Stehplatz-Zuschauenden (87,4 Prozent).

    Download: Weitere Umfrage-Ergebnisse und Details bietet die kostenlos zugängliche Studienauswertung als PDF-Datei: http://www.fanq-app.com/ergebnisse/studien

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