
Die Kesselstraße 61 galt lange als unbewohnbare Problemimmobilie. Nach Jahren des Leerstands, einem aufwändigen Zwischenerwerb durch die Stadt und einer umfassenden Sanierung zieht nun wieder Leben in das Gebäude ein. Das Projekt gilt als Modellfall für den Umgang mit Problemhäusern in der Nordstadt und könnte Schule machen.
Ein Haus mit bewegter Vergangenheit – Die Kesselstraße galt lange als Problemimmobilie
Ein lautes Reinigungsfahrzeug schiebt sich über die Kesselstraße und übertönt für einen Moment die Stimmen der Beteiligten. Die kleine Gruppe aus Vertreter:innen der Stadt, Investor und Presse muss kurz innehalten, bevor es weitergeht.

Die Kesselstraße 61 hat eine bewegte Vergangenheit. Als die Stadt Dortmund die Immobilie übernahm, befand sie sich in einem desolaten Zustand. Fotos aus dieser Zeit, die Pressereferent Christian Schön vor Ort zeigt, lassen erahnen, wie gravierend die Schäden waren: Feuchtigkeit hatte sich über Jahre ihren Weg gebahnt, stellenweise regnete es durch das Dach. (Fotostrecke am Ende)
In der Holzkonstruktion breitete sich Hausschwamm aus, Wände waren verschimmelt, Teile der Bausubstanz bereits zerstört. Strom- und Wasserversorgung funktionierten zuletzt nicht mehr. Hinzu kam eine massive Vermüllung des Gebäudes.
Kröger: „Es handelt sich hier nicht um einen Wackelzahn in einer Reihe“
Für Sebastian Kröger, Leiter des Amtes für Stadterneuerung, war klar, dass hier gehandelt werden musste. „Wir steigen ein!“, beschreibt er rückblickend die Entscheidung der Stadt. Auch die Lage spielte eine Rolle: Als Eckgebäude prägt das Haus das Straßenbild. „Es handelt sich hier nicht um einen Wackelzahn in einer Reihe“, so Kröger. Ziel sei es gewesen, nicht nur die Immobilie selbst, sondern das Umfeld insgesamt aufzuwerten.

Der Weg dorthin war allerdings kompliziert. Die einzelnen Wohnungen befanden sich in unterschiedlichen Händen, die Eigentümerstruktur war entsprechend unübersichtlich. Erst nach und nach gelang es der Stadt, alle Einheiten zu erwerben – teils freihändig, teils über Zwangsversteigerungen.
Parallel dazu wurde das Gebäude geräumt und auch Sondermüll entsorgt. Mehrere Fachbereiche arbeiteten dabei eng zusammen, insbesondere das Amt für Liegenschaften und das Amt für Stadterneuerung
Ein tragfähiger Plan für die Zukunft der Kesselstraße 61

Von Anfang an war klar, dass die Stadt die Immobilie nicht dauerhaft behalten würde. Stattdessen setzte sie auf eine sogenannte Konzeptvergabe: Den Zuschlag sollte nicht der Höchstbietende erhalten, sondern ein Investor mit einem tragfähigen Plan für die Zukunft des Hauses.
Diesen fand die Stadt in Jochen Tempel, der die Immobilie 2023 übernahm. Nach der Baugenehmigung begann im September 2024 die eigentliche Sanierung. „Das dauert ja alles seine Zeit“, erklärte Tempel. Rund eineinhalb Jahre nahm die grundlegende Instandsetzung schließlich in Anspruch.
Vielfältige Nutzung – Ein „Kessel Buntes“ für die Nordstadt
„Das Gebäude statisch in den Griff zu kriegen“, beschreibt Tempel die zentrale Aufgabe. Das Dach war undicht, die oberste Geschossdecke musste komplett erneuert werden, der Hausschwamm hatte Teile des Gebälks befallen. Gleichzeitig legte der Investor Wert darauf, den historischen Charakter des Hauses zu erhalten. Die Fassade wurde möglichst originalgetreu wiederhergestellt – ein Verweis auf die über 100-jährige Geschichte des Gebäudes.

Unter dem Titel „Kessel Buntes“ entstand schließlich ein Nutzungskonzept, das auf eine vielfältige Bewohnerschaft abzielt. Im Erdgeschoss, wo sich früher eine Eckkneipe befand, sind barrierefreie Wohnungen entstanden. In Kooperation mit der Bethel-Stiftung sollen hier Menschen mit Unterstützungsbedarf einziehen. In den oberen Etagen gibt es sowohl größere Wohnungen für Familien als auch kleinere Einheiten für Einzelpersonen.
Eine zentrale Rolle spielte dabei die Finanzierung. Fördermittel des Landes und Kredite, etwa über die NRW-Bank, machten das Projekt überhaupt erst möglich. „Eine freie Finanzierung wäre undenkbar gewesen“, betont Tempel mit Blick auf die hohen Kosten der Grundsanierung.
Quartiere lebenswert gestalten: Das Projekt hat Modellcharakter für die Stadt
Wie das Ergebnis heute aussieht, zeigt sich bei der anschließenden Begehung. Helle, weiß gestrichene Wände prägen die Wohnungen, während im Treppenhaus stellenweise der alte Steinboden erhalten geblieben ist. Moderne Technik wurde ebenfalls integriert: Auf dem Dach befinden sich Photovoltaik-Elemente, im Innenhof stehen Wärmepumpen für die Energieversorgung. Eine der Wohnungen ist bereits vermietet, Anfang April sollen weitere Mieter:innen einziehen.

Für die Stadt hat das Projekt Modellcharakter. Die Kesselstraße 61 gilt als erstes Beispiel für den Ansatz, Problemimmobilien zunächst in kommunale Hand zu überführen und anschließend mit klaren Vorgaben an private Investoren weiterzugeben.
„Wenn die öffentliche Hand nicht in irgendeiner Form eingreift, dann tut es niemand“, verdeutlichte Kröger. Mit Blick auf die Kesselstraße 61 zeigt er sich zufrieden: „Das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Ob das Modell auch an anderer Stelle ähnlich erfolgreich umgesetzt werden kann, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.
Fotostrecke: So sah es vor der Sanierung aus…
… und so nach den Sanierungsarbeiten:
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