Die neue Sonderschau ist bis 20. November 2022 in der Nordstadt zu sehen

„Tot wie ein Dodo“: Naturmuseum Dortmund zeigt Ausstellung zum Artensterben gestern und heute

Das Diorama mit den ausgestorbenen Riesenalks.
Das Diorama mit den ausgestorbenen Riesenalks. Foto: Roland Gorecki für die Dortmund Agentur

Der Aufstieg der Menschheit in der Natur ist beispiellos. Noch vor gar nicht langer Zeit waren wir aufrecht gehende Affen, und nur einen erdgeschichtlichen Wimpernschlag später musste ein Großteil der Natur dem Fortschritt der Menschheit weichen. Dabei war der Einfluss auf andere Lebewesen und auch auf die Zusammensetzung der Luft, des Wassers, des Bodens und somit auf alle Lebensräume katastrophal. Während wir mittels digitaler Medien mehr und mehr in virtuellen Welten leben, verabschiedet sich in der realen Welt ein Großteil unserer Tier- und Pflanzenwelt – für immer. Wie konnte es soweit kommen, und was können wir gegen diese rasch fortschreitenden Veränderungen tun? Oder sind auch wir Menschen vielleicht bald „Tot wie ein Dodo“?

100 Jahre nach ihrer Entdeckung ausgestorben

Das Diorama mit dem ausgestorbenen Dodo.
Das Diorama mit dem ausgestorbenen Dodo. Foto: Roland Gorecki für die Dortmund Agentur

Das Naturmuseum Dortmund nimmt sich in seiner neuen Sonderausstellung „Tot wie ein Dodo?“ der Ausrottungen an. Denn das Schicksal des Dodos teilen inzwischen Tausende von Arten, und das direkt oder indirekt durch den Menschen verursachte Artensterben geht weiter.

Der Dodo gilt dabei als Paradebeispiel für eine vom Menschen ausgerottete Tierart. Bis ins 17. Jahrhundert lebte er auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean. Über die genaue Lebensweise des etwa einen Meter hohen und flugunfähigen Taubenvogels ist wenig überliefert. Lediglich ein paar Skizzen und Notizen in Logbüchern der Seefahrer sowie einzelne Skelette sind erhalten. Als im 16. und 17. Jahrhundert die Seefahrt nach Indien zunahm, wurde Mauritius zu einem wichtigen Zwischenstopp, an dem sich Seefahrer mit Proviant eindeckten.

Unter anderem dienten auch Dodos als Nahrung, obwohl das Fleisch angeblich sehr zäh war. Die zutraulichen Tiere kannten keine natürlichen Fressfeinde und waren daher leicht zu fangen. Den endgültigen Todesstoß gaben ihnen durch Seefahrer eingeschleppte Haustiere. Ratten, Schweine und Affen gelangten so auf die Insel und fraßen die Eier der Dodos. Um 1700, nur 100 Jahre nach der ersten schriftlichen Erwähnung, waren sie ausgerottet. Überlebt hat der Dodo im Sprachgebrauch: Im Englischen sagt man „Dead as a dodo“, wenn etwas unwiderruflich tot oder nicht mehr relevant ist.

Aktuell sehr bedroht: Eisbär, Tiger und Nashorn

Das Diorama mit dem seit 2018 ausgestorbenen Nördlichen Breitmaulnashorn.
Das Diorama mit dem seit 2018 ausgestorbenen Nördlichen Breitmaulnashorn. Foto: Roland Gorecki für die Dortmund Agentur

Wie die ausgestorbenen Arten genau aussahen, weiß man in vielen Fällen nicht, denn nicht alle wurden dokumentiert. Anhand von Knochen und anderen Hartteilen, die die Zeit am längsten überdauern, auch durch Fossilien und Tierspuren bekommen wir ein Bild. Forscher*innen gelingt es mit aufwendiger Forschung, ein ausgestorbenes Tier zu rekonstruieren. Mit neuen Erkenntnissen ändern sich auch die Vorstellungen, die wir von den Arten haben.

In der Ausstellung sind zahlreiche lebensechte Modelle bereits ausgestorbener Tierarten in ihrem Lebensraum zu sehen, darunter Dodo und Riesenmoa, aber auch aktuell sehr bedrohte Arten wie Eisbär, Tiger und Nashorn. Sogar der Löwe als „König der Tiere“ gilt als gefährdet, vor allen wegen der Zerstörung seines natürlichen Lebensraums. Und auch bei uns in Deutschland gelten mehr als ein Drittel Arten der in der „Roten Liste“ aufgeführten Arten als im Bestand gefährdet oder ausgerottet.

Das Diorama mit dem ausgestorbenen Riesenmoa.
Das Diorama mit dem ausgestorbenen Riesenmoa. Foto: Roland Gorecki für die Dortmund Agentur

Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung, Jagd und Wilderei, aber auch unser Konsum, der Tourismus oder der Exotenhandel beschleunigen das Artensterben. Was man selbst tun kann und was bereits getan wird, um dem Artensterben entgegen zu wirken – auch darum geht es in der Ausstellung.

Für Schulklassen und andere Gruppen bietet das Naturmuseum Dortmund Führungen an. Buchungen und Infos unter (0231) 50-2 48 56. Die ersten 160 gebuchten Führungen sind dank einer Förderung der Sparkasse Dortmund kostenlos. Die Ausstellung ist ein Projekt des Naturkundemuseums im Ottoneum Kassel, der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden und der eli-GmbH.

Mehr Informationen:

  • „Tot wie ein Dodo. Arten. Sterben. Gestern. Heute“
  • 8. April bis 20. November 2022
  • Naturmuseum Dortmund, Münsterstr. 271, 44145 Dortmund
  • Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro, unter 18 Jahren Eintritt frei
  • Tickets: www.naturmuseum-dortmund.de

 

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Reaktionen

  1. Wo Kinder zu Forscher:innen werden: Das Ferienprogramm im Naturmuseum Dortmund (PM)

    In den Sommerferien bietet das Naturmuseum Dortmund (Münsterstraße 271) kleinen Forscher:innen drei jeweils viertägige Programme an:
    Die „Dinoforscher:innen“ (19. bis 22. Juli, 11-14 Uhr, für Kinder von 7 bis 10 Jahren) reisen bei Streifzügen durch das Museum sowie bei Bastelaktionen und Spielen durch 165 Millionen Jahre der Erdgeschichte, lernen die verschiedenen Dinosaurierarten und ihre Lebensräume kennen und entwickeln sich so zu richtigen Dinosaurier-Expert:innen. Es soll ein weißes T-Shirt zum Bemalen mitgebracht werden.

    Die „Klimaforscher:innen“ (26. bis 29. Juli, 9-14 Uhr, für Kinder von 9 bis 12 Jahren) beschäftigen sich an jedem Tag mit einem anderen interessanten Thema, zum Beispiel Wald und Klima, Tiere und Klimawandel, Mensch und Klima sowie erneuerbare Energien. Zum Tagesprogramm gehören lehrreiche Erkundungstouren durch das Museum, interessante Workshops und Bastelaktionen.

    Bei den „Teichforscher:innen“ (2. bis 5. August, 11-14 Uhr, für Kinder von 8 bis 11 Jahren) nehmen die Kinder den museumseigenen Teich und seine Bewohner unter die Lupe. Mit kleinen Experimenten erforschen sie, wie diese ganz eigene Welt funktioniert.

    Die Teilnahme kostet 45 Euro (Dinoforscher:innen, Teichforscher:innen) bzw. 65 Euro (Klimaforscher:innen) für jeweils alle vier Tage zusammen. Ein Lunchpaket für die Mittagspause sollte mitgebracht werden.

    Bitte frühzeitig anmelden: per Mail unter gruppe-naturmuseum@stadtdo.de oder unter Tel. (0231) 50-10884.

  2. Seltenheit aus dem Sauerland: Vortrag im Naturmuseum über den „Malachitdom“ in der Kalksteinhöhle (PM)

    Um den „Malachitdom“ geht es in einem Vortrag, zu dem der Förderverein des Naturmuseums Dortmund am Donnerstag, 30. Juni, 19 Uhr im Naturmuseum Dortmund (Münsterstraße 271) einlädt. Referent Wolfgang Rühl spricht über überraschende Funde in einem Höhlensystem, das im Jahr 1987 nach einer Sprengung im Steinbruch Düstertal am Rande des Sauerlands entdeckt wurde. Der Eintritt ist frei.

    Höhlenforscher:innen aus dem Raum Brilon kletterten einen 12 Meter tiefen Schacht herunter und fanden in einem kleinen Abschnitt grün und blau gefärbte Tropfsteine – eine absolute Seltenheit. Daher bemühten sich die Forscher:innen sofort um eine Unterschutzstellung der Karsthöhle als Naturdenkmal.
    Wolfgang Rühl beging die Höhle zusammen mit Wissenschaftler:innen und führte Vermessungsarbeiten sowie eine Fotodokumentation durch. Er machte dabei einzigartige Aufnahmen, die er zu seinem Vortrag präsentieren wird.

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