Tag der offenen Tür: Der Dortmunder Waldkindergarten in Huckarde lädt ein

Am 28. März von 10 bis 13 Uhr den Waldkindergarten kennenlernen

Drei Kinder auf einer Waldbank, mit dem Rück zu sehen. Im Hintergrund eine Erzieherin, die bei einem anderen Kind hockt.
Bei den Waldbänken kommt die Waldgruppe zum Essen oder Morgenkreis zusammen. Carl Brüggemann für Nordstadtblogger.de

Seit dem Frühling 2024 erkundet die Waldgruppe der Kita Abenteuerland den Huckarder Wald. Jetzt, am kommenden Samstag (28. März 2026) von 10 bis 13 Uhr, öffnet sie ihre Türen für Familie, Eltern und alle Interessierten. An ihrem Tag der Offenen Tür kann man die Erzieher:innen und den Alltag der Waldgruppen-Kinder kennenlernen.

Die Waldgruppe hat noch Plätze frei

Die Waldgruppe ist eine Gruppe der Kita Abenteuerland, die in keinem Kindergarten untergebracht ist. Waldkita heißt Alltag im Wald – wann immer es das Wetter zulässt. Vier Betreuungspersonen (zwei Erzieher:innen und zwei unterstützende Kräfte) begleiten die bis zu 20 Kinder zwischen Drei bis Sechs Jahren. Zur Zeit sind noch einige Plätze frei. Eltern, die sich vorstellen können, ihr Kind im Waldkindergarten anzumelden, sind also herzlich eingeladen, am Tag der Offenen Tür (TdoT) die Waldluft der Kitagruppe zu schnuppern.

Der Hase ist aus einem Stock, mit Augen beklebt. Seine Nase ist aus Moos und als Verzierung trägt er ein rotgelbes Gummi.
Die Kinder basteln aus  Naturmterialen, alles was ihnen einfällt und trainieren so ihre Feinmotorik. Wie hier ein kleiner Hase. Carl Brüggemann für Nordstadtblogger

Der Treffpunkt für den TdoT liegt am Wanderparkplatz, schräg gegenüber vom LebensArt Café. Von da aus leiten Schilder die Besucher:innen weiter zum „Zauberwald“ – so heißt eine der Lichtungen, auf der die Gruppe ihr Lager aufschlägt.

Zwischen Wimpeln und selbstgebauten Bänken wird das Spielen im Wald vorgestellt: Naturmaterialien können beim gemeinsamen Basteln verwandelt werden, Eltern lernen, was in den täglichen Rucksacks eines Waldgruppen-Kindes gehört und es geht auch um Tierspuren. Die Erzieher:innen stehen für Fragen zur Seite.

Ein typischer Tag in der Waldgruppe

Die Waldgruppe hat bis zu 35 Wochenstunden, sodass die Kinder zwischen 8 und 8.30 Uhr gebracht und zwischen 14 und 15 Uhr wieder abgeholt werden. Bei „schlechtem“ Wetter wie starkem Wind, Minusgraden oder Stürmen gibt es einen Schutzraum, auf den die Gruppe ausweicht. Aber auch dann ist der Raum eher zum Aufwärmen da – wenn es irgendwie geht, geht es nach draußen: auf den nächstgelegenen Spielplatz oder zum Rodeln im Schnee.

Drei Erwachsene sitzen zur Kamera gewandt auf einem umgekippten Baum. Sie lachen und tragen alle Wanderschuhe. Die Person in der Mitte hält kleine Stöcker in ihrer linken Hand.
Ruth Hedges (re.), Renate Sabottka (Mitte) und Martin Heckenkamp (li.) begleiten die Kinder erzieherisch in ihrem Wald-Alltag. Carl Brüggemann für Nordstadtblogger.de

Aber an den allermeisten Tagen erkunden die Kinder den Wald: Morgens versammelt sich die Gruppe am Forsthaus, einem der Kooperationspartner der Waldgruppe. Hier steht die Ausrüstung für den Tag bereit, gut zusammengepackt in einem Bollerwagen.

Sind alle da, zieht die Gruppe los zu einem der Plätze im Wald, an dem sie den Tag verbringen. Diese sind außerhalb des Naturschutzgebietes und deshalb frei zugänglich. Ruth Hedges, die Gruppenleiterin, erzählt, „dass die Kinder den unterschiedlichen Orten immer Namen geben“. ___STEADY_PAYWALL___

Auf dem Weg darf vorgerannt werden – aber nur bis zur nächsten Haltestelle. Das sind fixe Punkte am Waldweg, die die Kinder auswendig kennen und an denen aufeinander gewartet wird. Kurz vor Lichtungen wie dem „Zauberwald“ kommen alle nochmals zum stehen. Einer der Erzieher:innen geht vor und sucht das Gelände nach gefährlichen Gegenständen ab. Sobald es ein Go gibt, wird losgestürmt.

Waldbänke im Kreis bilden Ort des Zusammenkommens

Während die Kinder beginnen zu spielen, wird das Lager aufgebaut. Abgegrenzt ist der Bereich durch zwei Wimpelketten. Innerhalb davon dürfen sich die Kinder frei bewegen. Wollen sie weiter weg, müssen sie Bescheidgeben bzw. eine:n Erzieher:in mitnehmen. Das ist eine der Waldregeln, die immer laminiert mit an Bord sind.

Rucksäcke auf dem Waldboden, davor in einem Korb ein Kuscheltier-Igel, der in die Gegend schaut.
Der Igel „Waldi“ ist das Maskottchen der Waldgruppe. Er ist immer mit dabei und trägt einen selbstgestrickten Schal – aus Stricknadeln, die Kinder mitgeschnitzt haben. Carl Brüggemann für Nordstadtblogger.de

Das Zentrum bilden die im Kreis angeordneten Waldbänke – gebaut aus großen Ästen und mit kuscheligen Decken belegt. Hier wird gemeinsam gegessen oder im Morgenkreis zusammengekommen.

Daneben liegt eine Plane für Rucksäcke und ein kleiner Hocker dient als Trinkstation – Standort für alle Trinkflaschen. Weiter hinten ist die Camping-Toilette aufgebaut – ein grünes Zelt bietet Privatsphäre und der Wasserkanister und die biologisch abbaubare Seife die nötige Hygiene.

„Alles was man braucht findet man im Wald“

Bis 14 Uhr wird entdeckt, gebaut, phantasiert – gespielt. Ganz nach dem Motto „Alles was man braucht findet man im Wald“, wie Renate Sobottka erzählt. Sie sei die Bastelperson und verwandele mit den Kindern Materialien aus dem Wald in Autos, Flugzeuge, Wichtel – je nachdem, was sich die Kinder so ausdenken.

Eine Waldszenerie mit Kindern die auf einem Baumstamm sind, einem Kind das rennt, ein andere lehnt an einem umgekippten Stamm und schaut in die Ferne. Alle Kinder sind von hinten zu sehen.
Dass im Wald Hindernisse überwunden werden müssen, unterstützt die Kinder dabei, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen. Carl Brüggemann für Nordstadtblogger.de

Im Wald werden umgefallene Bäume zu Wippen, Kuhlen in der Erde zu Höhlen, Gräben zu Rutschen, Stöcker zu Männchen oder Lehm zu Murmeln. Über jeden Ast wird geklettert, jedes Hindernis überwunden.

Die Erzieher:innen achten dabei darauf, so wenig wie möglich einzugreifen, denn: „Kinder klettern nur so hoch, wie sie wieder runterkommen.“ Martin Heckenkamp, Erzieher der Waldgruppe, berichtet, wie wichtig es ist, den Kindern etwas zuzumuten.

Im Wald lernen sie dadurch nicht nur ihre eigenen Grenzen kennen, sondern erfahren Selbstwirksamkeit, Kooperation und Rücksicht aufeinander: Wer es schafft, endlich auf den einen großen Baumstumpf zu klettern, kann stolz auf sich sein und solange es nicht alleine geht, wird einander geholfen. Dadurch, dass der Wald so viel Raum biete, zu klettern oder Hindernisse auf kreative Art und Weise zu überwinden, würden die Kinder besondere grobmotorische Sicherheit erlangen.

Der Wald als Spielplatz ist nicht das einzige Angebot

Neben der Freiheit, die Natur um sie herum zu entdecken, schaffen Kooperationen weitere Lern- und Spielmöglickeiten. Jeden Montag geht es zum Abenteuerspielplatz in der Nähe des Waldes. Dort wird gemeinsam über dem Lagerfeuer gekocht und dabei der Umgang mit Feuer erlernt oder Spielgeräte wie Cocards oder Schaukeln werden ausgiebig benutzt.

Zwei Kinder von hinten auf einem Geflecht aus Ästen sitzend.
Alle Orte werden erkundet und zum Spielgerät erklärt – hier ist der Baum eine natürliche Wippe. Carl Brüggemann für Nordtstadtblogger

Neue Errungenschaft der Gruppe ist die Seilausrüstung, die ab jetzt jede Woche einen mobilen, niedrigschwelligen Seilgarten zum Spielangebot macht. Darüber hinaus hat die Waldgruppe immer etwas Bastelmaterial mit, wie Pfeifenputzer, Faden, Kleber oder Gummis, um die Feinmotorik zu trainieren. Auch nicht fehlen darf natürlich das Buddelwerkzeug – denn der erdige Sandboden kann schnell zum Sandkasten werden.

Die Maxikinder, also die Ältesten der Gruppe, werden im Maxi-Programm auf die Schule vorbereitet. Sie nehmen am Maxi-Programm der Kita Abenteuerland teil und lernen so, sich in größeren Gruppen zu orientieren. Gemeinsam mit Kindern aus der Hauskita nehmen sie einmal pro Woche an Ausflügen teil und trainieren beispielsweise ihre Bewegungskompetenz im Straßenverkehr oder den Umgang mit Konflikten.

Die Waldgruppe soll für alle Familien sein

Dass die Waldgruppe bisher nur wenige Anmeldungen hat, liege für Heckenkamp allein an den wenigen Wochenstunden der Waldgruppe. Leider sei es normal, dass die Waldpädagogik nicht die gleichen Zeiten wie eine Hauskita bieten könne. Außerdem könnten viele Eltern sich nicht vorstellen, was das heißt – Kindergarten im Wald.

Ansonsten bemühe sich die Waldgruppe, offen für alle Familien zu sein: Der Kitabeitrag für die Waldgruppe ist der gleiche wie für eine Hauskita. Um den Alltag kennenzulernen, könnnen interessierte Eltern mit ihrem Kind zwei bis drei Mal in der Waldgruppe hospitieren.

Es brauche auch keine außergewöhnliche Outdoor-Ausrüstung, so Heckenkamp. Es reiche eine Buddelhose und dem Wetter entsprechend warme Kleidung. Außerdem beobachte er eine sehr aktive und bemühte Elternschaft. Sollte die Ausrüstung für eine Familie zu hohe Kosten darstellen, würde diese sicherlich unterstützen. Die Waldgruppe soll offen für alle sein und die Erzieher:innen sind froh, dieses Angebot in Dortmund gestalten zu können.

Weitere Informationen:


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