
Im Zeichen aktueller Herausforderungen und Perspektiven fan in Dortmund die gutbesuchte Regionalkonferenz der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) statt.
Rechte der Arbeitnehmer:innen und allgemeine Lebensbedingungen
Als im Jahr 1865 in Leipzig der „Allgemeine Deutsche Cigarrenarbeiter-Verein“ gegründet wurde, war das die erste zentral organisierte Gewerkschaft in Deutschland und zugleich der Beginn der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Als eine von acht Gewerkschaften im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zählt sie in NRW rund 45.000 Mitglieder.

Diese starke Mitgliederbasis ermöglicht es, für gute Löhne und Arbeitsbedingungen in der Ernährungsindustrie, im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk zu sorgen. Aber auch die allgemeinen Lebensbedingungen in Deutschland behält die NGG stets im Blick.
Während der Debatte um Kürzungen beim Bürgergeld im Herbst 2025 beispielsweise forderte die NGG stattdessen wirksame Maßnahmen gegen Steuerbetrug. Mit der Besteuerung großer Vermögen und einer Reform der Erbschaftssteuer könnte dem unsozialen Handeln einzelner Vermögender Einhalt geboten und Löcher im Staatshaushalt gestopft werden.
Engagement und Erfolge in der NGG-Region Dortmund
Nach Grußworten von Britta Gövert als ehrenamtliche Bürgermeisterin von Dortmund und von SPD-MdB Jens Peick folgten Wahlen und Beschlüsse sowie Berichte aus der aktuellen Arbeit der NGG.
Bezüglich der Entwicklung der Mitgliederzahlen zeigte man sich angesichts ausgeglichener Zahlen zufrieden. Besonders erfreulich sei, dass die junge-NGG im vergangenen Jahr 49 neue Mitglieder aufgenommen hat. Erfolgreich waren in diesem Zusammenhang die Besuche von Berufsschulen. Durch Infostände und Unterrichtsbesuche konnten viele junge Menschen für die gewerkschaftliche Arbeit begeistert werden.

Bewegend war auch der Bericht vom Engagement der Gewerkschaft bei Lieferando. Die NGG-Gruppe „Liefern am Limit“ ist eine wachsende Gemeinschaft von Fahrerinnen, Fahrern und Hub-Beschäftigten beim Lieferdienst.
Im August 2025 organisierten sie Streiks für einen Tarifvertrag und den Erhalt von Arbeitsplätzen: „Bei Lieferando entscheidet das Unternehmen allein, wer wie viel verdient. Das Bonussystem ist intransparent und benachteiligt viele von uns – besonders Teilzeitkräfte. In anderen Ländern gibt es bereits Tarifverträge für Fahrradkuriere – wir verdienen das auch!“
In ihrer Auseinandersetzung mit dem Lieferdienst erfuhr die NGG nach der Gründung erster Betriebsräte im Januar 2026 allerdings eine Niederlage. Das Bundesarbeitsgericht erklärte, dass die Betriebsratswahlen ungültig sind, weil „ein Betriebsrat nur dort gewählt werden kann, wo eine sogenannte Leitungsmacht vorhanden ist“. Das, so die NGG, berücksichtigt aber nicht die Realität digital gesteuerter Arbeit.
Arbeitswelt im Wandel: Überforderung droht Standard zu werden
Die NGG hat sich auch im vergangenen Jahren mehrfach erfolgreich für die Rechte der Arbeitnehmer:innen eingesetzt. Bei der Jahresversammlung wurde von zahlreichen Aktionen und Streiks berichtet. In der Brauindustrie beispielsweise konnte trotz sinkender Umsätze ein gutes Ergebnis erzielt werden. Am Ende der Verhandlungen einigte man sich mit der Arbeitgeberseite auf eine Lohnerhöhung von 5,68 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren.

Als Erfolg mit weitreichender Strahlkraft wurde von der Gründung eines Betriebsrats bei der BVB Event und Catering GmbH gewertet. Damit sei die Mitbestimmung auch im größten Stadion Deutschlands angekommen.
Unter den zahlreichen Teilnehmer:innen war auch Andreas Zorn, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Nestle Deutschland AG, der in einem engagierten Redebeitrag die Aufmerksamkeit auf bisher Erreichtes und zukünftig Notwendiges lenkte.

Selbst seit 39 Jahren erfahrenes Mitglied der Gewerkschaft, entwarf er ein markantes Bild von den Veränderungen der Arbeitswelt und dem diesbezüglich notwendigen Engagement der Betriebsräte.
Besonders betroffen macht ihn, dass von den Arbeitnehmer:innen immer mehr gefordert werde, und dass dann nach einem vollen Berufsleben die Rente dennoch nicht reicht. Die Forderung nach noch längerer Lebensarbeitszeit bezeichnete er als „Gesülze“ und als faktische Rentenkürzung. Unter Verweis auf entsprechende Verlautbarungen des Nestlé-CEO warnte er: „Überforderung droht Standard zu werden!“
Die gut besuchte Jahresversammlung im Brauereisaal gab ein eindrucksvolle Bild von den Leistungen und der Motivation der NGG. Erreichtes und für die Zukunft noch vorgesehenes lassen darauf vertrauen, dass die Rechte der Arbeitnehmer:innen auch weiterhin angemessen und stark vertreten werden.
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