
Neue Ausstellung in der Bornstraße 111 – das leerstehende Gebäudeensemble ist bis zum 25. Oktober wieder Schauplatz für Bildende Kunst. Sieben Dortmunder Künstler:innen zeigen Fotografie, Malerei, Grafik – teilweise als Installation. Dazu schweben an den Wochenenden elektronische Klänge durch die Räume.
„Kunst braucht Raum, um zu erscheinen.“
Unter dem Titel „to look at“ gibt es ab sofort im Ausstellungsraum reBorn111 wieder etwas „zum Anschauen“. Nach Weinproben, Koffermarkt und Architekturpräsentation haben erneut bildende Künstler:innen die ungewöhnlichen Räume im Hinterhaus der Bornstraße 111 gestaltet.

Henrikje Spengler, Leiterin des Dortmunder Kulturbüros, freut es: „Kunst braucht Raum, um zu erscheinen“, sagt sie zur Eröffnung. Prinzipiell gäbe es in Dortmund zwar viele Räume für die Kunst – aber „sie sind oft nur temporär und sie haben ihren Preis“.
Heute sei die Situation in Politik und auf Seiten der Betreiber:innen leider eine andere als noch in den 80er und 90er Jahren, in denen Orte wie das Depot, das Balou oder das Künstler:innenhaus entstanden. Eine neue Generation sei gefragt, die die Dinge auch stetig vorantreibe, damit Kunst Spuren hinterlassen kann und – so Spengler – „vielleicht Wurzeln schlägt.“
Platz für große Formate und Experimente
Tatsächlich sind die Wände im reBorn111 voller Spuren, die auf vergangene Nutzungen – auch durch die Kunst – schließen lassen. Tomasz Thun fügt ihnen eine großflächige Skizze aus Tape-Band hinzu, die die Fassade des British Museums zitiert. Darin platziert er großformatige Aquarelle von antiken Skulpturen, die einst den Pantheon zierten und aktuell Gegenstand eines Besitzstreits zwischen Museum und Ursprungsland sind. Eine Arbeit, die als Kommentar zum Thema Raubkunst und Kolonialismus interpretiert werden kann.___STEADY_PAYWALL___

Gegenüber zeigt Dirk Pleyer seine atmosphärische Malerei – große Leinwände und auch kleine Formate im Tableau. Es sind Landschaften aus Farbe, die allein betrachtet bereits ihre Wirkung entfalten, aber visuell auch immer wieder neu zusammengesetzt und in Beziehung gebracht werden können.
Paola Manzur Castillo nutzt für ihre Drucke die ganze Höhe des Raums. Drei große Papierbahnen hängen von der Decke und tragen ihre eigentlich eher zarte Grafik in eine weitere Dimension. Über der Tür platziert sie eine Serie wundersamer Plastiktüten, die sie direkt auf die Druckplatte gepresst hat.
„Kunst findet in den Köpfen jedes Einzelnen statt.“
In den hinteren Räumen zeigt u.a. Bernd Gichtbrock seine Fotografie – er hat die Ausstellung organisiert und legt Wert auf eine „persönliche Sichtweise“. Gichtbrock vertraut seiner Intuition, seine Fotografien gruppiert er zu Geschichten, die keine sind, denn Ort und Zeit der Entstehung haben meist nichts miteinander zu tun: „Kunst findet in den Köpfen jedes Einzelnen statt“, sagt Gichtbrock.

Kunst als Mittel zur Selbsterkenntnis? Das ist auch Melania Milo nicht fremd: In Blattgold stellt sie den Orakel-Spruch „Erkenne dich selbst“ ihren Arbeiten voran. Doch inwiefern ist Erkenntnis möglich?
Über den Fotos ihrer Serie „Childhood“ liegen schwarze Quadrate, nur die Ränder sind noch sichtbar. Was wird verborgen? Es geht ihr um Verlust und die schwarze Flecken der Erinnerung.
Gerd Schmedes und Peter Hoffmann liefern dann den Sound zur Ausstellung – experimentell, elektronisch und performativ. Schmedes ist auch Fotograf, in Hoffmanns Werken treffen Schamanen auf KI und er tanzt auch selbst im Kultkostüm durch die Ausstellung.
„Es geht mir um verschiedene Nutzungen.“
Dass der Ort für die Ausstellung überhaupt genutzt werden kann, ist übrigens – wie vieles in der Dortmunder Nordstadt – dem Wohnungsunternehmen Julius Ewald Schmitt (JES) zu verdanken. Das Gebäudeensemble wird von JES verwaltet, eine umfassende Sanierung ist geplant.

Geschäftsführer Christian Schmitt: „Wir haben uns gefreut, dass so viele die Räumlichkeiten toll finden und nutzen wollen. Aber ja, das ist jetzt erstmal zeitlich begrenzt.“
Aktuell werde der gesamte Komplex geplant und ein Bewirtschaftungskonzept erstellt: „Wir spielen durchaus mit dem Gedanken, die Räumlichkeiten auch nach der Modernisierung, man kann nicht sagen für die Kunst, aber für das Quartier zu Verfügung zu stellen“, so Schmitt.
Vorne vielleicht wieder Gastronomie, hinten im Saal morgens eine Yogagruppe und abends Kleinkunst: „Es geht mir um verschiedene Nutzungen“, denn der Bedarf gerade für individuelle Räume sei groß.
„to look at“ ist noch bis zum 25. Oktober im reBorn111 zu sehen – auch weitere Kunstausstellungen sind bereits geplant. Der Anfang ist also gemacht – bleibt abzuwarten, wer hier Wurzeln schlägt.
to look at, Kunst im Projektraum reBorn in der Bornstraße 111, jeweils Samstag und Sonntag von 15.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei
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