
Die eisigen Temperaturen am vergangenen Kältewochenende haben die Stadt Dortmund zum Handeln gezwungen. In der Nacht zu Sonntag sanken die Werte auf bis zu minus acht Grad – eine akute Lebensgefahr für Menschen ohne Unterkunft. Kurzfristig richtete die Stadt deshalb im früheren Kreiswehrersatzamt an der Leuthardstraße eine Notschlafstelle ein, die trotz der knappen Vorbereitungszeit gut angenommen wurde.
Leiter des Sonderstabs: „Die Resonanz hat mich überrascht“
Oberbürgermeister Alexander Kalouti betonte, die Verwaltung habe unmittelbar reagiert. „Wir hatten ein Kältewochenende und tragische Vorkommnisse. Es ist ganz wichtig zu betonen, dass wir als Stadt sofort gehandelt haben“, sagte er. Neben der Öffnung der Notschlafstelle seien auch Streetworker:innen verstärkt unterwegs gewesen, um obdachlose Menschen direkt anzusprechen und auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Die Zahlen belegen den Bedarf. Am ersten Wochenende übernachteten 27 Menschen in der Leuthardstraße, darunter drei Frauen. In den folgenden Nächten stieg die Zahl zunächst auf 37 und 38 Personen, bevor sie mit milderen Temperaturen wieder auf etwa 30 zurückging.
Die Öffnungszeiten von 19 bis 8 Uhr seien bewusst gewählt, erklärte der Leiter des städtischen Sonderstabs für Sicherheit und Ordnung, Robert Litschke, da sie gut zu den bestehenden Tagesangeboten passten. „Die Resonanz hat mich überrascht“, so Litschke.
Die Stadt hat weiter Schwierigkeiten, alle Menschen in Unterkünfte zu bekommen
Die Notschlafstelle unterscheidet sich deutlich von bestehenden Einrichtungen. Im Erdgeschoss steht ein großer Saal zur Verfügung, ausgestattet mit Isomatten, Schlafsäcken und inzwischen auch Feldbetten. Im Gegensatz dazu ist die Unterkunft an der Mergelteichstraße eine klassische Einrichtung mit Tagesaufenthalt und Zwei-Bett-Zimmern. Gerade diese Unterkunft werde von vielen Menschen aus der Szene bewusst abgelehnt, berichtete Litschke.

Sozialdezernentin Frauke Füsers verwies auf das insgesamt breite Hilfesystem der Stadt. Ein ursprünglich geplantes, besonders niedrigschwelliges Angebot an der Treibstraße habe sich nicht umsetzen lassen. Stattdessen sei die Mergelteichstraße weiterentwickelt worden, etwa durch Fahrkarten, Tagesaufenthalte und Zwei-Bett-Zimmer.
Entscheidend bleibe jedoch die persönliche Ansprache durch Streetworker:innen: „Wir brauchen den Zugang zu Leistungen“, sagte Füsers. Nachhaltig sei es bislang nicht gelungen, alle Menschen in die bestehenden Unterkünfte zu bringen. Die Testphase der Leuthardstraße sei jedoch nicht umsonst gewesen, aus ihr würden Schlüsse für die Weiterentwicklung der Angebote gezogen.
Todesfälle von Obdachlosen sowie Berichte über schwere Unterkühlungen
Der Rat der Stadt hatte im Dezember den Auftrag erteilt, kurzfristig Übernachtungsmöglichkeiten ohne bürokratische Hürden zu schaffen. Hintergrund waren Todesfälle von Obdachlosen sowie Berichte aus Krankenhäusern über zunehmend schwere Unterkühlungen. Auch Initiativen der Wohnungslosenhilfe hatten auf zusätzliche Winterangebote gedrängt.

Die Stadt will die Notschlafstelle an der Leuthardstraße deshalb vorerst weiter offen halten. „So lange wie notwendig, wenn es lebensbedrohlich ist“, kündigte Litschke an. Für den Sonderstab bedeute das, die bestehenden Systeme besser aufeinander abzustimmen und zu klären, wie innenstadtnahe Hilfe aussehen kann.
Die bisherigen Angebote seien zwar platzmäßig ausreichend, doch die Frage bleibe, wie Hilfe zum Überleben und langfristige Unterstützung sinnvoll ineinandergreifen können.
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