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Gar nicht verstaubt und streng: die Stadtbibliothek Dortmund bietet bei der Nacht der Bibliotheken viele Mitmach-Angebote

Bibliothekarin Claudia Vennes und Direktor Dr.Johannes Borbach-Jaene präsentieren das Programm zur Nacht der Bibliotheken.

Bibliothekarin Claudia Vennes und der Direktor der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Dr. Johannes Borbach-Jaene, präsentieren das Programm und laden alle BürgerInnen zur Nacht der Bibliotheken. Foto: Katrin Pinetzki

Lange Regale mit Büchern, BibliothekarInnen, die steif und stumm an ihren Schreibtischen sitzen….. Es ist so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. So stellen sich immer noch einige Menschen das Innere einer Bibliothek vor. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Das Motto „Mach es!“ bei der Nacht der Bibliotheken am 15. März in der Zeit von 17 bis 22 Uhr lädt zu vielfältigen Mitmach-Aktionen ein, um die Bibliothek in der eigenen Stadt einmal genauer kennenzulernen.

Vielfältige Angebote für alle Altersgruppen bei der Nacht der Bibliotheken

Bei der Familienralley die Bibliothek erkunden.

Bei der Familienralley die Bibliothek erkunden.

Erstmals sind neben den Bibliotheken in NRW auch die „Lesetempel“ in Schleswig-Holstein dabei. „Die Bibliotheken haben in den letzten Jahren einen Wandel durchlaufen vom reinen Ausleih-Ort zum Aktiv-Ort, wo gelernt und gearbeitet wird“, so Claudia Vennes von der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.

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Durch die elektronischen Angebote könnten sich die BesucherInnen anregen lassen, gemeinsam etwas zu planen. Alle Angebote sind dabei an der jeweiligen Zielgruppe orientiert.

Die Bibliothek mal richtig kennenlernen mit all ihren Möglichkeiten ist bei der Rallye für Familien „Auf die Plätze, fertig, los“ möglich. Bücher nicht nur lesen sondern balancieren… auch das ist in einer Bibliothek möglich.

Ein Bratschen-Quartett der Dortmunder Philharmoniker wird der Bibliothek einen Besuch abstatten, um auf den Streaming-Dienst für klassische Musik, den die Stadtbibliothek Dortmund anbietet, aufmerksam zu machen.

Handschriften-Besichtigung und die Kunst der Kalligraphie

Nacht der Bibliotheken.

Neben der Handschriften-Besichtigung kann man auch die Kunst der Kalligraphie erlernen. Wer alte Handschriften besichtigen will, muss sich vorher anmelden. „Das ist nicht nur was für Spezialisten“ betont Claudia Vennes. Es sei erstaunlich, wie die Haptik alter Bücher sei und wie zum Beispiel Briefe früher verziert wurden.

„Das ist heute mit der Entwicklung der Technik verloren gegangen“, so Vennes weiter.  Da es sich beim Ankauf der Handschriften immer um Konvolute handelte, sind die einzelnen Schriftstücke unterschiedlich: das Deutschlandlied von Hoffmann von Fallersleben oder auch ein Brief von Johann Wolfgang von Goethe sind mit dabei.

Eine Tageszeitung ist ein kurzlebiges Objekt: kaum ist sie gelesen, landet sie oft im Müll. Bei der Nacht der Bibliotheken entstehen aus der scheinbar wertlos gewordenen Zeitung neue, nützliche Alltagsobjekte wie zum Beispiel Tragetüten.

Zeitungen aus Papier: alles andere als nur alltäglich, altmodisch oder langweilig

Das Institut für Zeitungsforschung ist in diesem Jahr auch bei der Nacht der Bibliotheken dabei. Zeitungen werden durch spezielles Abfotografieren oder, wenn es das Urheberrecht erlaubt, digital archiviert. Am 15. März bei der Nacht der Bibliotheken gibt es in diesem Institut spannende Einblicke in die Berichterstattung des Gerichtsreporters Moritz Goldstein aus der Zeit der Weimarer Republik.

„Zeitung war lange Zeit nichts, was archivierwürdig gewesen wäre“, sagt Direktor Johannes Borbach-Jaene. Deshalb freue man sich, dass schon in den 1930er Jahren in Dortmund der Wert einer Zeitung als Sammlungsgut erkannt wurde.

„Zuerst lag die Zeitung nur aus, damit sie von den BibliotheksnutzerInnen gelesen wird, danach wurde sie weggeworfen.“ Durch die Archivierung habe man nun eine „Schatzkiste“ an verschiedenen Tageszeitungen zusammen, die auch für Studien- und Forschungszwecke genutzt werden können.

NutzerInnengruppen einer Bibliothek und Leseverhalten verändern sich

Die Stadt- und Landesbibliothek beteiligt sich an der „Nacht der Bibliotheken“. Foto: StaLaBi

Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Foto: StaLaBi

Mit der Nacht der Bibliotheken will die Stadtbibliothek Dortmund auch die Leute neugierig machen, die schon lange nicht mehr die Bibliothek besucht haben. Die/der typische VielleserIn existiere schon noch, dabei sei Unterhaltungsliteratur, zum Beispiel für Krimis oder Thriller gefragt, aber man nutze nun das E-Book.

E-Books gibt es auch in der Bibliothek. Auch anspruchsvollere Literatur werde gelesen, aber dieses Publikum sei eher das einer Buchhandlung, weil diese Leute die Bücher besitzen wollten.

Die Erwachsenen ab etwa dem 30. Lebensjahr seien die schwierigste Nutzergruppe, weil diesen wegen der Eltern- und Familienzeit am meisten freie Zeit zum Lesen fehle. Noch dazu gibt es immer mehr Angebote, seine Freizeit zu verbringen. Direktor Borbach-Jaene: „Das geht dann vom Zeitkonto eines jeden ab.“ Wenn die Zeit der Kindererziehung vorbei sei, stiegen die Ausleihzahlen auch im Erwachsenenbereich wieder an.

Ausleihzahlen im Jugendbereich stabil bis steigend – Rückgang bei Sachbüchern

Eine Änderung im NutzerInnengruppen-Verhalten sei stark bei den Sachbüchern und Ratgebern für Erwachsene zu verzeichnen. Wenn man sich früher über die Neuanlage eines Steingartens informieren wollte, wäre man in die Bibliothek gegangen, so der Direktor der Stadtbibliothek.

Heute sehe man sich youtube-Videos darüber an. Die elektronische Form hat die klassische Information abgelöst. Nur bei ernsteren Themen wie Rechtsfragen oder Medizin greifen Menschen heute noch auf Bücher der Bibliothek zurück.

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Weitere Informationen:

  • www.nachtderbibliotheken.de
  • Die Stadtteilbibliotheken haben jeweils eigene Veranstaltungen neben den hier genannten der Zentralbibliothek am Max-von-der-Grün-Platz.

 

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