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„Viel Frust“: Freie Träger kritisieren die „lahmen Zuschussverhandlungen“ mit der Stadt Dortmund

Jürgen Krinke ist Leiter der Ev. Beratungsstelle. Foto: Stephan Schuetze/VKK

Jürgen Krinke ist Leiter der Ev. Beratungsstelle. Foto: Stephan Schuetze/VKK

Von Joachim vom Brocke

Fallskizzen einer ganz normalen Woche in den Beratungsstellen in freier Trägerschaft irgendwo in Dortmund: Eine Mutter mit drei Töchtern, die alle unterschiedlich trauern, nach dem plötzlich und völlig unvorhersehbar der Mann und Vater gestorben ist. Oder eine alleinerziehende Mutter meldete sich. Ihre Tochter (14 Jahre) habe seit einiger Zeit angefangen sich zu ritzen. Lehrer habe sie beim Elternsprechtag darauf angesprochen. Sie erscheint in Begleitung ihrer Tochter zum Erstgespräch. Oder die Studentin, die große Angst hat, eine Bulimie zu entwickeln, Fressanfälle nicht nur stoppen kann sondern gezielt dafür Einkaufen geht. Als Hintergrund wird schnell deutlich, dass sie die geschiedenen Eltern weit über ihre Kräfte unterstützt. 

Wöchentlich gibt es 60 neue Fälle in den vier Beratungsstellen

Das Team der Ev. Beratungsstelle. Foto: Stephan Schuetze/VKK

Das Team der Ev. Beratungsstelle – eine von vier der freien Träger. Foto: Stephan Schuetze/VKK

Fachlich ausgebildete Mitarbeiter in der Erziehungsberatungsstelle vom Sozialdienst katholischer Frauen, in der Beratungsstelle Westhoffstraße des Sozialen Zentrums, in der Beratungsstelle am Hesseweg und in der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen nehmen sich den vielfältigen Sorgen und Nöten der Bürger an, versuchen unbürokratisch zu helfen, versuchen einen Weg aus dem Dilemma zu finden.

„Wöchentlich gibt es 60 neue Fälle“, sagt Kerstin Hanke von der Evangelischen Beratungsstelle. Meist gelinge es, schon nach zwei Wochen einen ersten Gesprächstermin zu vereinbaren. Lange Wartezeiten sind eher selten.

Krisenprävention in persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Konflikten

Insgesamt 1860 Fälle wurden im Jahr 2013 von den vier Beratungsstellen „bearbeitet“ und im Jahresverlauf weitgehend abgeschlossen. Doch diese Krisenprävention in persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Konflikten kostet den freien Trägern viel Geld.

Und hier hapert’s ganz gewaltig, legen die Leiter der Einrichtungen ihre Finger in die offene Wunde. Bei knapp einer Million Euro liegt der laufende Fehlbetrag in allen vier Einrichtungen. Doch die Arbeit geht – selbst unter der mehr als angespannten finanziellen Lage – unvermindert weiter.

„Wir leisten mit unserer Arbeit einen Beitrag zum sozialen Frieden in der Stadt“

Die Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen beklagen die „lahmen Zuschussverhandlungen“ mit der Stadt und fordern – nicht zuletzt vor dem Hintergrund neuer abgeschlossener Tarifvereinbarungen – eine deutliche Anhebung des Sockelbetrages. Zahlungen, so wurde bei einem Pressegespräch kritisiert, ziehe die Stadt hinaus und erfolgen zum Teil sehr spät. Doch die Beratung gehe unvermindert weiter. Der Frust ist groß. Wenn sich die freien Träger aus der Beratung zurückziehen sollten, müsse die Stadt eigene Einrichtungen schaffen: „Das kostet sehr viel mehr Geld“, sind sich die Verantwortlichen sicher.

„Wir leisten mit unserer Arbeit einen Beitrag zum sozialen Frieden in der Stadt“, sagt Matthias Mißfeldt, Fachbereichsleiter von der Evangelischen Beratungsstelle. Nicht zuletzt deshalb fordern sie zügigere Hilfe und Unterstützung, um die Aufgaben auch künftig erfüllen zu können.

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