Emissionsfrei und flott durch´s Ruhrgebiet: In Dortmund hat der Bau des Radschnellweges Ruhr (RS 1) begonnen

Mitglieder der Volksinitiative „Aufbruch Fahrrad“ stießen zum Baubeginn mit Zitronensaft an. Sie begrüßen den Projektbeginn in Dortmund, wünschen sich jedoch mehr Tempo bei der Umsetzung. Fotos (2): Karsten Wickern

Von Angelika Steger

Auf insgesamt 100 Kilometern flott durchs Ruhrgebiet ohne Auto: das ist der Traum nicht nur vieler Radfahrer*innen. Von Hamm nach Dortmund, Bochum, Essen bis nach Duisburg soll der Radschnellweg Ruhr 1 (RS 1) verlaufen. Der tägliche Stau auf der A 40 sowie die Parkplatzsuche sorgen für Stress und machen die Menschen – nicht nur im Ruhrgebiet – krank. Ein Teilstück dieses Traumes, des Radschnellwegs Ruhr 1 , führt bereits von Mülheim nach Essen. Nun wird auch in Dortmund mit dem Bau im Stadtgebiet begonnen. 2020 sollte der gesamte Weg durch die Metropolregion Ruhr bereits fertig sein – doch der Bau hatte sich immer wieder verzögert.

Radschnellwege bieten großen Nutzen für alle Menschen: Mobil im Ruhrgebiet ohne Auto

Blick über die Sonnenstraße, die zur Fahrradstraße wird, Richtung Hohe Straße. Fotos (2): Alix von Schirp

Radschnellwege sind qualitativ hochwertige, direkt geführte und leistungsstarke Verbindungen zwischen Landkreisen, Kommunen oder Stadtteilen ohne viele Umwege oder Kurven, ohne große Unterbrechungen wie Kreuzungen, so lautet die Definition. ___STEADY_PAYWALL___

Auf diesen Wegen können Radfahrer*innen sicher von A nach B kommen, um zur Arbeit zu pendeln, Bekannte zu besuchen, Einkäufe zu tätigen oder Kinder von der Kita abzuholen. Wer sich sicher fühlen kann, fährt öfter Rad statt Auto. Ein Radschnellweg würde diese Sicherheit bieten, weil der motorisierte Verkehr ausgeschlossen ist, es kaum Kreuzungen und kaum Steigungen gibt.

Auch die gesamte Umwelt würde entlastet, weil es weniger Abgase und Lärm geben würde. Für die Stadt Dortmund ist der RS 1 das Rückgrat für das regionale Radverkehrsnetz im Ruhrgebiet, das eine Alternative zur Autobahn oder der Zugstrecke Hamm – Duisburg bieten soll.

Planungen im urbanen Raum aufwendig und voller Herausforderungen

Den genauen Verlauf der 24 Kilometer langen Strecke des RS 1 in Dortmund zu planen, ist aufwendig. Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl: „Im verdichteten und urbanen Umfeld der Metropolregion Ruhr erfordert die Trassenführung die Kreativität der Planenden.“ Bereits bestehende Straßen müssen so verändert werden, dass sie (vorrangig) für den Radverkehr geeignet sind. 

Die Durchfahrt von der Sonnenstraße zur Lindemannstraße ist gesperrt, ebenso die Kreuzung zur Arneckestraße.

Nicht immer existieren ehemalige Bahntrassen wie die Rheinische Bahn zwischen Essen und Mülheim bzw. Wattenscheid, um dort den Radschnellweg 1 bauen zu können. Die Rechte von Grundstückseigentümer*innen entlang der Strecke müssen berücksichtigt werden. Außerdem muss immer ein Gutachten für den Umwelt- und Naturschutz eingeholt werden. 

Stefan Thabe, der Leiter des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes weist darüber hinaus darauf hin, dass der RS 1 eine Landesstraße sei, weshalb man sich immer mit verschiedenen Partner*innen abstimmen müsse. 18 Kilometer des Weges liegen im Zuständigkeitsbereich des Landes NRW, sechs Kilometer bei der Stadt Dortmund. 

Da es an Personal mangelt – seit August 2020 ist lediglich eine einzige Stelle für die Planung des RS 1 besetzt worden – werden die Planungen von externen Ingenieurbüros ausgeführt. Für diese muss es vorher Ausschreibungen geben und die Planungsentwürfe müssten erst beim jeweiligen Amt eingehen. Jeder Plan muss außerdem daraufhin geprüft werden, ob mögliche Fördergelder beantragt werden können. Die Gesamtkosten für den RS1-Bau in Dortmund betragen voraussichtlich 755.300 Euro, das Land NRW fördert das Projekt.

Zweiter Bauabschnitt soll zeitnah erfolgen: Vorrang für Radfahrer*innen in der Fahrradstraße

Trotz aller Herausforderungen zeigt man sich jedoch entschlossen, das Projekt Radschnellweg 1 im Dortmunder Stadtgebiet nun zu bauen. Eine große Tafel an der Kreuzung Lindemannstraße Sonnenplatz verkündet die Baumaßnahme. Die Durchfahrt von der Sonnenstraße zur Lindemannstraße ist gesperrt, ebenso die Kreuzung zur Arneckestraße.

Grüne Fahrbahnmarkierungen werden Sonnenstraße und Große Heimstraße als Fahrradstraßen ausweisen. Grafik: Stadt Dortmund

Das ist der erste Abschnitt. Wenn dieser fertig ist, geht es in der Großen Heimstraße weiter: Parkverbotszonen werden ausgewiesen. Das Parken an Baumscheiben ist jetzt schon illegal, wird aber zu selten von den Behörden geahndet. 

Zusammen mit Autos, die auf der Fahrbahn geparkt sind, kommt es regelmäßig zu gefährlichen Engstellen, auch Einsatzfahrzeuge kommen oft nicht mehr durch. Die Sonnenstraße wird wie die Große Heimstraße in eine Fahrradstraße umgewandelt: dazu werden grüne Fahrbahnmarkierungen auf die Straße aufgebracht, ebenso das grüne Piktogramm für den RS 1. 

Fahrradstraßen gestatten Radfahrenden, nebeneinander zu fahren, Autofahrer*innen sind nur Gäste und haben Rücksicht zu nehmen, sie dürfen weiterhin durch Sonnenstraße und Große Heimstraße fahren. Ob dies jedoch auch jedem und jeder motorisierten Verkehrsteilnehmer*in so bewusst ist, wird sich zeigen. Nur an zwei Stellen, zur Überquerung der Hohen Straße (in die entgegengesetzte Richtung) wie auch der Ruhrallee kurz vor der Haltestelle Stadthaus wird es einen neuen Weg nur für Fahrradfahrer*innen geben. 

Verschleppte Planungen führen zu verspäteter Fertigstellung: Kritik am Zeitplan der Stadt

Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad.

Nicht alle sind über den Baubeginn des Radschnellweges 1 so begeistert wie Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl. Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad kritisiert die verzögerte Fertigstellung.

„Im November 2019 hatte die Verwaltung öffentlich zugesagt, den Weg bis 2024 fertigzustellen. Im Dezember des selben Jahres gab es einen sogar einstimmigen Ratsbeschluss, den RS 1 bis zur Stadtgrenze in Wickede zu bauen. Nach der Wahl (Kommunalwahl 2020 inklusive OB-Wahl, Anmerkung der Red.) soll das nun keine Gültigkeit mehr haben. Die Stadt wird erst 2031 fertig.“ 

Der Grund für die Verschleppung ist klar: es gibt zu wenig Personal für die Planungen. Deshalb Frickes Forderung: „Die Verwaltung soll den genauen Personalbedarf nennen, den sie für die Fertigstellung bis 2024 braucht, die Politik soll zügig dafür Stellen beschließen.“ Bis es soweit sei, sollen Aufträge extern vergeben werden, damit es endlich voran gehe. Man wird in Dortmund also nicht so schnell zügig und mit Freude auf dem RS 1 fahren können, so wie es bereits zwischen Essen und Mülheim ist.

 

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Weitere Informationen:
  • Mehr zum Projekt RS1: www.dortmund.de/rs1
  • RS1 virtuell schon erfahrbar in der Videoanimation der Stadt Dortmund: www.youtube.com
  • Blog zur Entwicklung des gesamten Radschnellwegs 1 von der Fahrradinitiative VeloCityRuhr: hier
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  1. Radschnellweg statt Autobahn: Demo für mehr Tempo beim RS1 - B1 und B54 werden vorübergehend zu Radschnellwegen (PM)

    Radschnellweg statt Autobahn: Demo für mehr Tempo beim RS1 – B1 und B54 werden vorübergehend zu Radschnellwegen

    Im Jahr 2019 hatte die Stadt angekündigt, bis 2024 den Dortmunder Abschnitt des Radschnellwegs RS1 zu bauen. Mittlerweile ist die Rede vom Jahr 2030, und auch das nur als Provisorium. Die Dortmunder Aktiven von Fridays for Future und Aufbruch Fahrrad kritisieren die Verschiebung. “Schon der Baubeginn des RS1 hat sich immer wieder verzögert, und nun geht es genauso weiter”, sagt Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad Dortmund. Darum soll mit einer großen Fahrrad-Demo am 5. Juni mehr Tempo eingefordert werden.

    “Weil es nur schleppend voran geht, machen wir unsere Schnellwege jetzt einfach selbst”, erklärt Billy Brumshagen von Fridays for Future Dortmund. “Wir machen die B1 und die B54 zu Radschnellwegen und fahren mit Polizeischutz auf Tempo-100-Straßen!”

    Im Jahr 2021 dürfe das Auto nicht länger das Verkehrsmittel Nummer eins sein, sodass alle anderen das Nachsehen haben. Los geht es am 5. Juni um 16 Uhr, Startpunkt ist der Friedensplatz. An dieser Stelle hat es eine Änderung der Planung gegeben: Ursprünglich war der Hansaplatz vorgesehen und auch als Startpunkt in den sozialen Medien beworben worden.

    Die Mobilitätswende brauche Rückenwind statt Verzögerungen, finden die Organisatorinnen und Organisatoren. “Natürlich ist der Radschnellweg ein komplexes Projekt”, sagt Fricke und erwähnt Brücken, Grunderwerb und die Abstimmung mit der Bahn. Dazu komme ein leerer Arbeitsmarkt, der die Besetzung neuer Stellen verzögere. “Klar ist aber auch: Die Stadt weiß seit sieben Jahren, was auf sie zukommt!”, so Fricke weiter.

    Die Machbarkeitsstudie für den Schnellweg sei aus dem Jahr 2014, und auch wenn es Änderungen an den Standards gegeben habe, wussten doch alle Beteiligten, dass ein so umfangreiches Projekt auch ausreichende Vorarbeiten und zahlreiche neue Mitarbeitende erfordert.

    Das Organisationsteam fordert, dass die Stadt die Ärmel hochkrempelt, um mit Priorisierung und externer Unterstützung einen möglichst großen Teil der verlorenen Zeit wieder aufzuholen. Besonders wichtig seien zahlreiche zusätzliche Fachkräfte für den Radschnellweg, aber auch für den Rest der Stadt, wo der Radwegebau nur schleppend vorangehe.

    “Dabei ist auch die Politik gefragt”, meint Brumshagen. Wer Wahlprogramme mit schönen Worten über Radverkehr fülle und sich im Wahlkampf gern auf dem Fahrrad fotografieren lasse, müsse auch liefern, worauf es ankommt: mehr Personal. “Die Verwaltung wiederum muss endlich einen Zeitplan für den Radschnellweg vorlegen, damit sofort zu erkennen ist, ob die Dinge zeitlich wieder aus dem Ruder laufen”, ergänzt Fricke.

    Denn eines ist sicher: Das Radeln auf der Autobahn kann keine Dauerlösung für einen fehlenden Radschnellweg sein.

    Die Demonstration ist Teil eines bundesweiten Aktionstags gegen die einseitige Ausrichtung der Verkehrspolitik auf das Auto. Auch in Oberhausen wird geradelt, hier soll ein Waldstück dem Ausbau eines Autobahnkreuzes weichen. In Berlin wird gegen den Weiterbau der Stadtautobahn A100 demonstriert.

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