Am Freitag (23. Januar 2026) hat erneut eine große kurdische Demonstration in der Innenstadt von Dortmund stattgefunden. Bis zu 4.500 Personen versammelten sich am Xian-Platz am Hauptbahnhof. Gemeinsam protestierten sie gegen den Vormarsch der Truppen der syrischen Zentralregierung in Nordsyrien. Dabei wurde vor den Gefahren des Islamismus gewarnt und ein freies Kurdistan gefordert. Die Kundgebung verlief nach Angaben der Polizei friedlich und störungsfrei.
Nach Eskalation am Dienstag: Demonstration fand unter strengen Auflagen statt
Es dauerte nicht lange, bis sich der Platz von Xian am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs am vergangenen Freitag füllte. Kurdische Aktivist:innen haben erneut zu einer Demonstration aufgerufen. Gemeinsam wollten sie ihre Solidarität mit den Menschen in Nordsyrien ausdrücken.

Dort rücken seit Mitte Januar Truppen der international anerkannten syrischen Übergangsregierung vor. In Presseberichten ist von Kriegsverbrechen die Rede. Hunderttausende Menschen sind seither auf der Flucht.
Es ist nicht die erste Demonstration dieser Art, die Dortmund in dieser Woche erlebt. Bereits am Dienstag (20. Januar 2026) versammelten sich rund 4.000 Menschen zu einem Solidaritäts- und Protestmarsch in der Innenstadt. Angemeldet waren jedoch nur 400. Die Situation eskalierte schließlich vor einem syrischen Restaurant. Dabei kam es zu körperlichen Übergriffen und schwerer Sachbeschädigung. Die Einsatzkräfte waren zunächst nicht in der Lage, die Situation zu beruhigen.

Entsprechend wurden die Auflagen für die Demonstration am darauf folgenden Freitag erhöht: Statt eines Umzugs durch die Stadt durfte die Demonstration nur auf dem Platz zwischen dem Hauptbahnhof und des Gebäudes der Auslandsgesellschaft stattfinden. Abgesichert wurde der Bereich dabei mit erhöhterer Polizeipräsenz, um weitere Eskalationen zu verhindern.
Organisator:innen fordern Deutschland und die EU zum Handeln auf
Als sich bereits einige hundert Menschen eingefunden hatten, begannen die Organisator:innen gegen 16.30 Uhr mit dem Programm. Die Teilnehmenden stellten Banner auf und riefen zur Unterstützung der ethnischen Minderheiten in Syrien auf. Auch forderten sie Solidarität mit dem iranischen Volk im Kampf gegen das islamistische Regime. Nachdem die Auflagen der Demo verlesen wurden, richtete sich eine Sprecherin direkt an die Bundesregierung und die Europäische Kommission.

So forderten sie, dass die Bundesregierung und die Europäische Kommission ihre aktuelle Unterstützung für die syrische Regierung zurückzieht und an klare Bedingungen knüpft. Es müssten zudem Menschenrechte und demokratische Strukturen eingeführt sowie die Kampfhandlungen umgehend eingestellt werden.
Dem aktuellen Präsidenten Syriens, Ahmed al-Scharaa, warfen die Organisator:innen vor, sich nicht glaubwürdig von seiner Vergangenheit zu distanzieren: Al-Scharaa war früher Mitglied der international aktiven Terrororganisation Al-Kaida. Zudem unterstütze er weiterhin eine islamistische Agenda, so der Vorwurf.
Darüber hinaus erinnerten sie an den Kampf der kurdischen Kämpfer:innen gegen die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Durch den Vormarsch der Regierungstruppen seien viele gefangene IS-Anhänger:innen geflohen oder befreit worden. Dadurch entstehe ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Europa. Die EU müsse daher alles dafür tun, um den Konflikt beizulegen.
Höhepunkt am Abend: Bis zu 4.500 Menschen demonstrierten laut Polizei friedlich
Gegen 18 Uhr erreichte die Demonstration ihren Höhepunkt. Der Platz füllte sich mit einem Meer aus Fahnen und Bannern. Nach Angaben der Polizei haben sich bis zu 4.500 Menschen versammelt. Flaggen des Vereinigten Kurdistans werden ebenso geschwungen wie die Fahne Rojavas und die Embleme der syrisch-kurdischen Verteidigungsmiliz YPG und ihrer Fraueneinheit YPJ.

YPG und YPJ wird eine Nähe zur – in Deutschland verbotenen – als linksextremistisch eingestuften Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) nachgesagt.
Diala ist mit ihrer Familie zur Demonstration angereist. Gegenüber den Nordstadtbloggern berichtete sie, dass sie ein Zeichen gegen die Unterdrückung von Frauen setzen wollte. Der Vormarsch von islamistischen Kräften würde das Leben der Kurd:innen und die Freiheit von Frauen in Syrien gefährden.
So seien gefangen genommene kurdische Frauen gefoltert und ermordet worden. Ihnen seien die Zöpfe abgeschnitten worden – als Akt der Machtdemonstration. Deutschland und Europa müssten sich klar gegen diese Gewalt an Frauen aussprechen, betonte Diala.
Zum Ende der Veranstaltung fanden Redebeiträge fast ausschließlich in kurdischer Sprache statt. Aus einer Musikanlage spielten die Organisator:innen Volks- und Widerstandslieder ab. Die Menge sang dabei laut mit und skandierte Slogans wie „Jin Jiyan Azadi“ (Frauen, Leben, Freiheit) und „Biji Kurdistan“ (Lang lebe Kurdistan). Die Stimmung blieb, trotz der besorgniserregenden Entwicklungen in Syrien, insgesamt optimistisch und kämpferisch.
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