
Die Stadt Dortmund will das Einbürgerungsverfahren deutlich vereinfachen: Anträge können ab sofort vollständig online gestellt werden. Die Verwaltung verspricht ein „einfaches, schnelles und digitales“ Verfahren. Gleichzeitig kämpft das Amt für Migration weiterhin mit einem erheblichen Rückstau bei den Verfahren.
Rückstau von rund 10.000 offenen Einbürgerungsfällen
Rund 5.000 Menschen stellen in Dortmund jedes Jahr einen Einbürgerungsantrag. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch ein großer Bearbeitungsstau aufgebaut. Rechts- und Ordnungsdezernent Norbert Dahmen bezifferte diesen auf rund 10.000 Fälle. „Wir hatten insgesamt einen Rückstand von 10.000 Fällen“, sagte Dahmen.

Ein Problem seien dabei auch unvollständige Anträge gewesen: „Viele stellen Anträge, obwohl noch Dokumente fehlen.“ Doch das ist nicht verwunderlich: Schließlich bestehen aktuell Wartezeiten bis zu einem Jahr, um überhaupt einen Termin zu bekommen.
Mit dem neuen digitalen Verfahren soll genau das künftig vermieden werden. Bevor Interessierte den Antrag vollständig ausfüllen, können sie zunächst einen sogenannten „Quick-Check“ durchführen. Dieser zeigt sofort an, ob die formalen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllt sind oder ob wichtige Unterlagen fehlen. Dahmen erklärte dazu: „Das System prüft die Kriterien so sauber wie früher ein Sachbearbeiter.“
Quick-Check soll unvollständige Anträge verhindern
Der eigentliche Antrag erfolgt anschließend komplett online. Voraussetzung ist die Anmeldung über das Nutzerkonto Bund (BundID). Personal- und Organisationsdezernent Christian Uhr betonte den Anspruch der Stadt, das Verfahren deutlich einfacher zu machen: „Wir wollen etwas einfacher machen. Einfach, schnell und digital – der Einbürgerungsantrag ist in Dortmund ab sofort komplett online möglich.“

Auch die Unterlagen können digital hochgeladen werden. Die Daten werden anschließend automatisch in das Fachverfahren der Verwaltung übernommen. „Die Daten werden automatisch ins Fachverfahren übernommen, was Übertragungsfehler verhindert“, erläuterte Uhr.
Ein weiterer Vorteil: Der persönliche Behördengang zur Abgabe der Unterlagen entfällt. „Durch den digitalen Weg und den Quick-Check sparen wir uns einen persönlichen Behördengang zur Vorlage der Unterlagen“, sagte Dahmen. Gleichzeitig setzt die Stadt beim Abbau des Rückstaus auf zusätzliche personelle Unterstützung. „Zur Unterstützung beim Rückstauabbau setzen wir zudem unseren Flexipool ein.“
Digitale Antragstellung ersetzt Termin im Amt
Die Gebühren bleiben unverändert, da sie gesetzlich festgelegt sind. Für Erwachsene beträgt die Einbürgerungsgebühr 255 Euro, für Kinder 51 Euro. Die Zahlung erfolgt derzeit über PayPal. Weitere Möglichkeiten sollen folgen.

„PayPal wird von sehr vielen Menschen genutzt, daher lag es nahe, damit zu beginnen“, sagte Uhr. Bis zum Sommer sollen zusätzliche Optionen wie Kreditkartenzahlung oder Überweisung eingeführt werden.
Auch wenn der Antrag nun digital gestellt werden kann, bleibt die Bearbeitung weiterhin zeitaufwendig. Nach erfolgreicher Antragstellung dauert es laut Verwaltung derzeit etwa sechs bis acht Monate bis zur Einbürgerung. „Wir müssen mit verschiedenen Sicherheitsbehörden korrespondieren“, erklärte Dahmen.
Trotz Online-Antrag dauert Einbürgerung Monate

Immerhin fällt künftig eine lange Wartephase weg. In der Vergangenheit mussten Antragstellende häufig zunächst monatelang auf einen Termin zur Antragstellung warten.
„Früher dauerte es allein schon viele Monate, bis man überhaupt einen Termin zur Antragstellung bekam. Dieser Vorpuffer fällt nun weg“, sagte Dahmen.
Am Ende des Verfahrens bleibt dennoch ein analoger Schritt bestehen. Die Einbürgerungsurkunde wird weiterhin persönlich übergeben.
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