Nordstadtblogger

„Der Alt-Right-Komplex“ im Dortmunder U – Über Rechtspopulismus im Netz und im täglichen Leben

Die internationale Gruppenausstellung setzt sich mit Rechtspopulismen auseinander, die heute insbesondere das Internet und die sozialen Medien zur Verbreitung nutzen. Foto: Disnovation.org, „Online Culture Wars“, 2018-2019 © the artist.

Nach der gelungen Ausstellung „Computer Grrrls“ im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, in der Ebene 3, können die BesucherInnen nun die neue Ausstellung „Der Alt-Right-Komplex“ erleben. Sie wird vom Hartware MedienKunstVerein (HMKV) präsentiert. „Alt“ steht für Alternative, wie bei der „AfD“. War man bei der vorhergehenden Ausstellung über die verkannten Leistungen von Frauen und ihrer geradezu geheim gehaltenen Arbeit für das weltweite, neue Kommunikationssystem beeindruckt, ja überrascht (Heddy Lamarr als Erfinderin des WiFi im Zweiten Weltkrieg), so ist man nun entsetzt über die Abgründe, die sich in der Ausstellung auftun.

Algorithmen der Suchmaschinen und Sozialen Medien verstärken die Mind Bubble

„Wir bewegen uns alle irgendwie in einer Mind Bubble“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Inke Arns. „Gefährlich wird es durch die Algorithmen in den Suchmaschinen und bei den sozialen Medien.“

Jonas Staal, „ Steve Bannon: A Propaganda Retrospective, Study“, 2018 © Remco van Bladel and Jonas Staal.

Die internationale Gruppenausstellung setzt sich mit Rechtspopulismen auseinander, die heute insbesondere das Internet und die sozialen Medien zur Verbreitung nutzen. 

___STEADY_PAYWALL___

Dabei zeichnet „Der Alt-Right-Komplex“ die Entwicklung von einer (Sub-)Kultur der Transgression (Grenzüberschreitungen) in Online-Foren wie 4chan bis hin zu Plattformen wie z.B. Breitbart News nach.

Die KünstlerInnen beschäftigen sich mit Memes (z.B. Pepe der Frosch, dem wohl bekanntesten Symbol der Trump-AnhängerInnen), mit Figuren wie z.B. Steve Bannon, mit Flaggen-Verehrung, der Prepper-Szene, White Supremacists und Dark Enlightenment. Die Ausstellung wird von einem kritischen Glossar begleitet, das die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

„Der Alt-Right-Komplex“ präsentiert zwölf Projekte von 16 KünstlerInnen aus zwölf Ländern: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Polen, Ungarn, Schweiz, Serbien und der Slowakei. In dieser Ausstellung sind unterschiedlichste künstlerische Medien zu sehen: Comics, Wandbilder, Videos, (Video-) Installationen, Poster zum Mitnehmen, Spielanleitungen, Netzkunst, Künstlerbücher, ein spekulatives Museum und eine Flaggenmaschine.

„Der Alt-Right-Komplex“ entstand aus einer nerdigen Mind Bubble

„Der Alt-Right-Komplex“ ist nicht nur eine politische Bewegung, die eine Alternative zum konservativen, rechten Establishment schaffen will. Vielmehr steht er für einen regelrechten Kulturkampf.

Nick Thurston, „Hate Library“, 2017 © the artist.

Er begann als ironiegetränkte, neue rechte Internet-Subkultur, eine seltsame Avantgarde aus jugendlichen Videospielern, Hakenkreuz postenden Anime-Liebhabern, antifeministischen „Witzbolden“, nerdigen Belästigern und Meme-fabrizierenden Trollen. 

Genau dieser Online-Aktivismus zeichnet denn auch die Alt-Right aus. „In einer diffusen Übereinstimmung zwischen Chan-Trollen und weißen Supremacists wurde durch neoreaktionäre Blogs (die sich Èthno-Nationalismus, Männerrechten, dem Transhumanismus und Rassenrealismus sowie anderen antiliberalen Positionen widmen) eine Art intellektuelles Gerüst geschaffen“, erklärte Matt Goerzen.

Der Blogger Sascha Lobo, hat eine eigene Recherche finanziert, in der er nachweisen konnte, dass die „Unmengen“ an rechtspopulistischen Posts von nur ganz wenigen Personen geschickt lanciert werden und tausendfach geliked oder reposted werden. So entsteht für den in seiner Mindbubble Gefangenen der Eindruck, dass am Ende „Tausende“ der „gleichen Meinung sind, bzw. die gleiche Nachricht ähnlich interpretieren“ sind. 

Eine Ausstellungseröffnung inklusive der Verleihung des „Justus Bier Preises“ 2018

Eins der Plakatmotive für die Ausstellung. Quelle: HMKV

Im Rahmen der Eröffnung von „Der Alt-Right-Komplex“ findet am heutigen Freitag, 29. März 2019, ab 19 Uhr auch die Verleihung des „Justus Bier Preises“ 2018 statt.

Der „Justus Bier Preis“ für Kuratoren und Kuratorinnen, der herausragende kuratorische Leistungen im deutschsprachigen Raum würdigt, geht in seiner zehnten Ausgabe zum ersten Mal an einen Kunstverein. 

Ausgezeichnet werden Ausstellung und Publikation von „Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes“. Die PreisträgerInnen sind Inke Arns, Direktorin des HMKV (Hartware MedienKunstVerein) in Dortmund, Igor Chubarov, Direktor des Instituts für Sozial- und Geisteswissenschaften der Staatlichen Universität von Tjumen (Rumänien) und Sylvia Sasse, Professorin für Slavistische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich (Schweiz).

Weitere Informationen:

Ausstellende KünstlerInnen:
Paula Bulling / Anne König (Deutschland)
Simon Denny (Neuseeland)
Disnovation.org (Frankreich / Polen)
Vera Drebusch & Florian Egermann (Deutschland)
Dominic Gagnon (Kanada)
Szabolcs KissPál (Ungarn)
Boris Ondreička (Slovakei)
Milo Rau, IIPM – International Institute of Political Murder (Schweiz / Deutschland)
Vanja Smiljanić (Serbien)
Jonas Staal (Niederlande)
Nick Thurston (Großbritannien)
Ubermorgen (Schweiz / Österreich)

Zur Ausstellung erscheint im April 2019 ein Magazin, das die Ausstellung umfassend in Bild und Text dokumentiert und neben einer Einführung der Kuratorin und einem Interview mit Angela Nagle Werkbeschreibungen aller Arbeiten sowie das komplette Glossar enthält (de/en, ca. 128 S., 5,00 €).

Veranstalter: HMKV (Hartware MedienKunstVerein), Dortmund

Szenografie: please don’t touch, Dortmund

Grafikdesign: e o t . essays on typography, Berlin
Kooperationspartner Urbane Künste Ruhr – Ruhr Ding: Territorien
Die Ausstellung wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und die Kunststiftung NRW
Förderer: HMKV Kulturbetriebe Stadt Dortmund / Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen