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„Das Theater frisst mich auf!“ – Berthold Meyer, Leiter des „Theater im Depot“, über seine Arbeit in der Nordstadt

Das Theater im Depot, Foto: Alex Völkel

Das Theater im Depot. Fotos: Alex Völkel

Eine Brutstätte neuen Treibens, ein Tanzzentrum und ein profiliertes Haus für das freie Theater sollte das Theater im Depot werden. Das waren die Ziele von Bertold Meyer und des Trägervereins, als Meyer im Jahr 2006 still und leise das Haus als Leiter übernahm. Der Dramaturg war als Übergangskandidat gedacht. So sah er sich selbst. Doch auch sieben Jahre später leitet Meyer das Haus in der Immermannstraße. Die NORDSTADTBLOGGER haben nachgefragt, wie er das Haus, seine Arbeit und die Zukunft des Hauses sieht.

Mehr als nur eine „Notlösung“: Berthold Meyer leitet seit 2006 das Haus

Berthold Meyer ist seit dem Jahr 2006 Leiter des Theaters im Depot. Foto: Alex Völkel

Berthold Meyer ist Leiter des Theaters.

Als Meyer heute in das damalige Interview in der „Westfälischen Rundschau“ blickt, kann er sich das Lachen nicht verkneifen. Vieles ist anders gekommen. Vor allem, dass er selbst noch immer das Haus leitet. Doch die Arbeit ist erfolgreich.

Berthold Meyer sprang damals in die Bresche, die der Abschied von der bisherigen Doppelspitze bedeutete. „Niemand war zeitlich dazu in der Lage“, sagt Meyer, damals Vorstandsmitglied. Deshalb habe er die Aufgabe vorübergehend übernommen.

„Die Verhältnisse waren nicht verheerend, aber prekär.“ Denn dem selbst gesteckten Ziel des Trägervereins, das Nordstadt-Haus zu einer Brutstätte für neue Projekte der regionalen, nationalen und sogar internationalen Theaterszene zu machen, konnte niemand gerecht werden.

Einen externen Intendanten einzustellen, das konnte sich der Verein nicht leisten. „Das geht nur mit Selbstausbeutung. Gutes Geld ist hier nicht zu verdienen“, sagt Meyer. „Daran hat sich nicht viel verändert.“ Heute hat sich das Haus allerdings etabliert, die Situation konsolidiert.

Der Intendant ist selbst nur freier Mitarbeiter

Große Sprünge können die fünf festen Mitarbeiter dennoch nicht machen. Apropos fünf – Meyer zählt nicht dazu. Denn der Geschäftsführende Intendant ist eigentlich ein freier Mitarbeiter. Bezahlen könne er sich nämlich nicht – zumindest nicht als Intendant im klassischen Sinne. Viel mehr sollte er durch die freie Tätigkeit die Möglichkeit erhalten, auch mit anderen Projekten Geld verdienen zu können.

Moby Dick ist eine aktuelle Eigenproduktion des Theaters im Depot. Foto: Alex Völkel

Moby Dick ist eine aktuelle Eigenproduktion.

Etwas blauäugig, wie Meyer heute einräumen muss. Denn viel Zeit für andere Projekte hat der Dortmunder nicht. „Das Theater frisst mich auf“, sagt er, nicht ohne ein Lachen.

Umso glücklicher ist er, wenn er selbst auch mal als Dramaturg arbeiten kann: „Moby Dick“ ist so eine Eigenproduktion (Weitere Termine: 3. und 4. Mai sowie 7. und 8. Juni, jeweils 20 Uhr), an dem er nach längerer Pause auch inhaltlich mitarbeiten kann.

Auf der Bühne stehen Thomas Kemper, Cordula Hein, Sandra Wickenburg und Jörg Hentschel – sie sind so etwas wie das inoffizielle Ensemble des Hauses. Sie spielen auch seit Jahren sehr erfolgreich das „Christmas Carol“ im Depot. Auch bei „Der Herr Karl“ (26. und 27. April, jeweils 20 Uhr), gespielt von Matthias Scheuring, hat Meyer als Dramaturg mitgearbeitet. „Ich wollte nie auf der Bühne stehen.“

Doch seinen Job hinter der Bühne kann Meyer auch kaum mehr machen: „80 bis 90 Prozent arbeitet man jetzt zwei Räume weiter“, sagt er mit Blick auf Büro und Foyer.

Mit geringen Mitteln Profil entwickelt

Ihm ist das Spagat gelungen, mit bescheidenen Mitteln das Haus zu entwickeln. „Wir konnten expandieren.“ Das Haus ist regional aufgestellt, die Förderung durch Stadt und Land sichert die Existenz. „Wir wollten damals nicht mehr als überleben.“ Dies scheint gelungen: „Wir haben nicht viel Geld. Aber solange nichts Dramatisches passiert, müssen wir nicht um unsere Existenz fürchten“, erklärt der Intendant. „Das heißt nicht, dass wir nicht viel Geld brauchen.“

Denn das Haus ist auf Unterstützung angewiesen, um das sehens- und hörenswerte Programm anbieten zu können. Das geht nur mit Kooperationen, Festivalbeteiligungen und durch Jugendarbeit. Dies macht das Profil des Theaters aus. Allein im ersten Halbjahr 2013 gibt es vier Produktionen, bei denen Jugendliche auf der Bühne stehen.

Birgit Götz ist dabei, Rada Radojcic, Barbara Müller und auch die Theaterwerkstatt des Westfalenkollegs bringen ihre neuesten Inszenierungen in der Immermannstraße auf die Bühne. Möglich macht das auch der neue Probenraum, den das Theater zusätzlich angemietet hat. „Das war nicht billig, aber notwendig“, betont Meyer.

Jahresbilanz im Theater im Depot: 15.000 Gäste in 150 Veranstaltungen

Berthold Meyer ist Leiter des Theaters im Depot. Foto: Alex Völkel

Berthold Meyer nimmt auf der Probenbühne Platz – seit April 2012 eröffnet sie neue Möglichkeiten.

Rund 150 Veranstaltungen finden pro Jahr statt – mehr ist kaum möglich. Schließlich braucht es auch Zeit für Proben und Aufbauten. Rund 15.000 Besucherinnen und Besucher kamen im vergangenen Jahr. Dabei ist die Auslastung sehr unterschiedlich. Es gibt Veranstaltungen, die „knalle ausverkauft“ sind, andere die mit 50 Besuchern gut funktionieren.

Aber auch auf kleine Formate will Meyer nicht verzichten. Der Jugendarbeit kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Denn es reiche heute nicht mehr, einfach eine Schulklasse durch eine Inszenierung zu schleusen. „Wir müssen mehr bieten.“

Nichts sei dabei besser geeignet, Jugendliche selbst auf die Bühne zu holen. „So kann man Euphorie entzünden“, beschreibt Meyer. Adrenalin sei dabei die Triebfeder. Sie bringe die Jugendlichen, die diese Erfahrungen gemacht haben, auch später wieder als Besucher ins Theater. Der andere Nebeneffekt: Für die Jugendarbeit gibt es auch Zuschüsse.

Kulturelle Einrichtungen müssen schließlich rechnen. Das Depot auch. Schließlich konkurriert das Haus mit „35 anderen Aktivitäten“ in der Stadt. Hilfreich ist dabei der gute Name, den sich das Haus auch überregional gemacht hat. Oft sind mehr Besucher von außerhalb zu Gast als aus der direkten Nachbarschaft. Sie kommen, weil sie das Programm überzeugt.

Tanzträume sind geplatzt

Dies gilt vor allem auch für die Tanzangebote. Der Traum, das Haus zu einem Zentrum des Tanzes zu entwickeln, ist ausgeträumt. „Alles östlich von Folkwang ist Diaspora“, sagt der Intendant. Zumindest diese sieben Jahre alte Aussage hat noch immer Gültigkeit. Denn selbst große Namen der Tanzwelt funktionieren ohne ein Festival in Dortmund nicht: „Die Gäste sind eher aus Köln als aus Dortmund angereist, weil sie die Künstler da verpasst haben“, hat Meyer erlebt.

Sie waren selbst noch nicht im Theater im Depot? Dann wird es Zeit. Mehr Infos: www.depotdortmund.de

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