ver.di-Forderung: Landesregierung muss für Entlastung sorgen

Befragung: Kita-Fachkräfte in NRW sind unzufrieden mit Arbeitsbedingungen

„Verantwortung tragen“ steht an einer FABIDO-Kita mit dem Hinweis zur Maskenpflicht. Foto: Alex Völkel
„Verantwortung tragen“ und „Gemeinsam sind wir stark“ steht an einer FABIDO-Kita. Das fordert ver.di vom Land ein. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Kita-Fachkräfte sind mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden. Die Beschäftigten drohen in andere Bereiche abzuwandern. Das hat eine Befragung unter mehr als 19.000 Fachkräften (davon rund 4.000 in NRW) aus allen Regionen und allen Bereichen der frühkindlichen Bildung ergeben. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat diese Befragung zwischen Mai und Juni 2021 in Kooperation mit der Hochschule Fulda durchgeführt und dabei bundesweit Beschäftigte in Kitas und dem offenen Ganztag (OGS) befragt.

Fast 30 Prozent der Befragten denken über einen Stellenwechsel nach

Nach einer ersten Auswertung Ende Juni liegt jetzt die gesamte Auswertung vor: „In Kitas und OGSen fehlen pädagogische Fachkräfte. Dieses alarmierende Ergebnis zeichnet unsere Umfrage. Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Situation auch in Dortmund zu verbessern“, betont Martin Steinmetz, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Gemeinden in Dortmund.

Streik im Sozial- und Erziehungsdienst geht in die zweite Woche. Martin Steinmetz, ver.di
Gewerkschaftssekretär Martin Steinmetz (ver.di) Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Die Befragung zeige, wie unzufrieden die Beschäftigten in NRW mit ihrer Situation seien. Die Unzufriedenheit drücke sich in einer erkennbaren Fluktuation in den Kitas aus: Fast 30 Prozent der Befragten denken über einen Stellenwechsel nach, über fünf Prozent wollen den Beruf ganz aufgeben.

Weiter ergab die Befragung, dass trotz des eklatanten Fachkräftemangels im gesamten Bereich der sozialen Berufe, Aus- und Weiterbildungen keinen hohen Stellenwert erhalten. Rund 40 Prozent der Befragten in NRW erhalten keine Möglichkeit der Höherqualifizierung und damit eines höheren Berufsabschlusses, lediglich sieben Prozent befinden sich aktuell in einer Qualifizierungsmaßnahme.

Obwohl die Mehrzahl der Fachkräfte für die Begleitung von Praktikantinnen und Praktikanten zuständig ist, haben sie für diese Tätigkeit keine Zeit und sind nur selten dafür qualifiziert. Die Hälfte der in NRW Befragten gab an, dass ihnen keine Zeit zur Praxisanleitung zur Verfügung stehe.

Zahl der Kitas und Plätze steigt, aber nicht die Zahl der Fachkräfte

Marlene Seckler, Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Gemeinden NRW. Foto: ver.di NRW

„Bislang wurden keine Maßnahmen ergriffen, den Beruf wieder attraktiv zu machen – trotz der enormen Bedeutung frühkindlicher Bildung. Ein steigendes Angebot an Kita- und Ganztagsplätzen setzt eine steigende Anzahl an Fachkräften voraus. Diese Entwicklung sehen wir nicht“, kritisiert Steinmetz.

Statt diesem Trend entgegenzuwirken, sank seit 2017 die Zahl der Fachschulen für Erziehende in NRW. „Die Landesregierung spielt hier mit dem Wohlwollen der Fachkräfte und nimmt in Kauf, dass einige sogar ganz aussteigen.“ Das alles mache deutlich, dass in der Tarifrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst, die im Januar 2022 startet, deutliche Verbesserungen erreicht werden müssen, ergänzt Marlene Seckler.

„Wir setzen uns neben der Erhöhung der Löhne auch gemeinsam für die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten ein. Nur so können auch die Bedingungen für Kinder und Eltern sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser werden“, so die Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Gemeinden NRW.

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