Älter als der Hafen: Plattbodenschiff Vertrouwen feiert in der Nordstadt 130. Geburtstag

Das Segelschiff von ZWAR liegt im Dortmunder Hafen

Ansicht des Segelschiffs auf dem Meer
Das Plattbodenschiff Vertrouwen ist 130 Jahre alt – und trotzdem jedes Jahr auf den Kanälen sowie Nord- und Ostsee unterwegs.

Das Plattbodenschiff Vertrouwen ist 130 Jahre alt und damit drei Jahre älter als der Dortmunder Hafen. Gebaut wurde es 1896 in den Niederlanden. Der ZWAR Segelverein Vertrouwen e. V. feierte den Geburtstag mit Mitgliedern, Freunden und Ehrengästen im Schmiedinghafen, wo das Schiff seit vielen Jahren beheimatet ist und die Wintermonate an seinem Liegeplatz verbringt.

Gratulation von der Stadt: Warum die Vertrouwen Dortmund repräsentieren soll

Auf dem Vereinsgelände hinter dem Gebäude Speicherstraße 100 begrüßte der Vereinsvorsitzende Siegfried Schütt die Gäste, darunter Bürgermeisterin Ute Mais und Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum.

Personen stehen im Zelt
Begrüßung (v.l.): Elke Bohr (Organisatorin), Siegfried Schütt (1. Vorsitzender), Ute Mais (Bürgermeisterin) und Hannah Rosenbaum (Bezirksbürgermeisterin),

„Ich finde es toll, dass das alte und sehenswürdige Schiff Vertrouwen auf seinen Fahrten Dortmund repräsentiert“, sagte Mais. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass sich in Dortmund nach ihrer Aussage der größte Kanalhafen Europas befinde, der drei Jahre jünger sei als die Vertrouwen.

Rosenbaum hob die Bedeutung des Vereins für den Hafen hervor: „Er bietet vielen Menschen im Ruhestand einen Ort für sinnvolle und reizvolle Beschäftigungen.“

Ein Wiedersehen nach 20 Jahren: Ehemaliger Uni-Kanzler erinnert sich an das verrostete Schiff

Das Vereinsgelände liegt neben dem Areal der Künstlergruppe „Speicher100″ und dem temporären Kulturevent „Maschinerie“. Beide Vertreterinnen der Stadt wünschten sich, dass der Verein seine Schiffe auch künftig im Dortmunder Hafen pflegen und für große Fahrten vorbereiten kann.

Schütt begrüßte auch Dr. Thomas Behrens, den ehemaligen Kanzler der Universität Greifswald. Er war in den 1980er-Jahren als Justitiar der Universität Dortmund am Ankauf der Vertrouwen beteiligt. Vor rund 20 Jahren sah er das Schiff im Museumshafen von Greifswald wieder, nun in Dortmund. „Ich bin begeistert davon, was aus dem seinerzeit doch sehr verrosteten Schiff geworden ist und wie gut der ZWAR-Verein das Schiff bis heute erhalten hat“, sagte Behrens.

Zwei historische Schiffe: Klipperaak Vertrouwen und Tjalk Rival

Der ZWAR Segelverein Vertrouwen e. V. ist eine Dortmunder Gruppe des ZWAR-Netzwerks NRW. ZWAR steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Der gemeinnützige Verein nennt als Ziele die Förderung der Alten- und Jugendhilfe und des traditionellen Segelsports. Er will Ruheständlerinnen und Ruheständlern eine sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglichen.

ZWAR-Segelgruppe Der Umbau und der Betrieb des Segelschiffs „Vertrouwen“ (Vertrauen) ist eines der größten ZWAR-Projekte. Mittlerweile ist daraus ein Verein entstanden. Archivfoto: Alex Völkel
Archivfoto: Alex Völkel In Containern hat er Werkstätten für Metall- und Holzbearbeitung sowie für Elektro- und Malerarbeiten eingerichtet.

Der Verein besitzt zwei historische Plattbodenschiffe. Die Klipperaak Vertrouwen von 1896 wurde nach Angaben des Vereins vor etwa 40 Jahren von ZWAR-Gruppen zum Segelschiff für bis zu zehn Personen ausgebaut. Seitdem segeln, erhalten und restaurieren die Mitglieder sie selbst.

Die Tjalk Rival von 1912 erwarb der Verein vor sechs Jahren, um sie vor der Verschrottung zu retten. Sie liegt an Land und wird in den Sommermonaten instandgesetzt und restauriert, bis sie wieder seetüchtig ist. Der Verein plant, sie künftig ebenfalls für Törns zu nutzen.

Im Schmiedinghafen hat der Verein seinen Liegeplatz. In Containern hat er Werkstätten für Metall- und Holzbearbeitung sowie für Elektro- und Malerarbeiten eingerichtet. Dort liegt im Winter die Vertrouwen, die Mitglieder beseitigen dann Schäden und übernehmen Pflege und Instandhaltung.

Rund 100 Mitglieder, die alles selbst machen

An der Tjalk Rival wird noch fleißig gearbeitet.

Der Verein hat nach eigenen Angaben etwa 100 Mitglieder aus allen Berufsgruppen. Sie verbinde das Interesse am Segeln und an der Technik und Ausrüstung der historischen Schiffe.

Metallarbeiten, Schweißen, Schreinern, Motorinstandhaltung, Elektroinstallation, Segelausrüstung, Malerarbeiten, aber auch Organisation und Beschaffung von Ersatzteilen erledigten die Mitglieder selbst.

Viele seien dabei inzwischen Expertinnen und Experten für Tätigkeiten, die sie im Berufsleben nicht kennengelernt hätten, auch wenn Fachleute weiterhin gesucht würden.

Blick in das volle Zelt
Nordstadtblogger-Redaktion | Nordstadtblogger Geburtstagsfeier im Schmiedighafen

Jeder mit Interesse an diesen Arbeiten und Freude am gemeinsamen Werken im Team sei willkommen.

Man trifft sich montags und donnerstags ab 10 Uhr im Hafen zum Werken, mit anschließendem Mittagessen und Klönschnack. Beim Hafenrundgang im August ist der Verein nach eigenen Angaben mit maritimer Musik, Grill und Festzelt dabei.

Von den Kanälen rund um Dortmund an die Ostsee

Neben der Arbeit an den Schiffen gehören Segeltörns und Kanalfahrten zum Vereinsleben. Im Frühjahr und Herbst organisiert der Verein Fahrten auf den Kanälen rund um Dortmund. Im Mai fährt die Vertrouwen über Kanäle und Flüsse nach Greifswald an die Ostsee.

ZWAR-Segelgruppe Der Umbau und der Betrieb des Segelschiffs „Vertrouwen“ (Vertrauen) ist eines der größten ZWAR-Projekte. Mittlerweile ist daraus ein Verein entstanden. Archivfoto: Alex Völkel
Archivfoto: Alex Völkel Der Umbau und der Betrieb des Segelschiffs „Vertrouwen“ war eines der größten ZWAR-Projekte. Mittlerweile ist daraus ein Verein entstanden.

Auf der Route liegen immer der Dortmund-Ems-Kanal und der Mittellandkanal, oft auch die Gewässer um Berlin. Ob dann über Oder oder Elbe und den Nord-Ostsee-Kanal gefahren wird, richtet sich nach der Befahrbarkeit der Schleusen und Routen.

In Greifswald ist der Verein Mitglied im Museumshafen Greifswald e. V. Von dort aus unternehmen die Mitglieder Segeltörns in den Boddengewässern rund um Rügen und Usedom und nehmen jährlich an der Gaffelsegler-Regatta „Gaffelrigg“ teil.

Geld kommt aus Spenden, Beiträgen und Umlagen

Den Unterhalt der Vertrouwen und der Rival finanziert der Verein nach eigenen Angaben durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Umlagen für Investitionen und Verbrauchsmaterial. Er führe keinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, die Einnahmen würden zweckgebunden für die Erhaltung der Schiffe verwendet.

Mithelfen und mitsegeln: Skipper mit Sportbootführerschein gesucht

Der Verein sucht besonders neue Mitglieder ab 50 Jahren. Gefragt sind Skipperinnen und Skipper für Wochentörns in Küstengewässern oder für Kanalfahrten mit Sportbootführerschein und Funkzeugnissen.

Wer diese Voraussetzungen noch nicht erfüllt, kann nach Angaben des Vereins mit praktischem und theoretischem Know-how unterstützt werden. Ehemalige Fahrensleute im Ruhestand seien ebenfalls willkommen.

Wer mithelfen möchte, kann montags und donnerstags auf dem Vereinsgelände in der Speicherstraße 100 vorbeikommen. Der Verein hofft, dass die Vertrouwen trotz ihres hohen Alters noch lange seetüchtig bleibt.

Weitere Informationen unter www.vertrouwen.de

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