„Verbrannte Orte“ holt die Erinnerung zurück: Ausstellung in der VHS Dortmund eröffnet

Bücherverbrennungen in Deutschland unter den Nationalsozialisten

Die Ausstellung zeigt Orte von Bücherverbrennungen in Deutschland – fotografisch dokumentiert und historisch eingeordnet. Stadt Dortmund/Silke Hempel

Eine neue Ausstellung in der Volkshochschule Dortmund erinnert an Bücherverbrennungen in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus. Auch in Dortmund hat 1933 auf dem Hansaplatz so eine Bücherverbrennung stattgefunden. Zum Ausstellungsprogramm gehören auch mehrere kostenlose Führungen.

Schüler:innen und Lehrkräfte des Max-Planck-Gymnasiums unterstützen das Projekt

Die Ausstellung „Verbrannte Orte – Bücherverbrennung 1933 in Deutschland“ ist Teil des Projekts „Verbrannte Orte“ eines gleichnamigen Vereins. Es begann zunächst als reines Foto-Projekt des Kurators Jan Schenck. Kurz nach seinem Fotografie-Studium fing er an, die Orte in Deutschland zu fotografieren, an denen unter den Nationalsozialisten Bücherverbrennungen stattgefunden hatten.

Bücherverbrennung auf dem Hansaplatz, der Dortmunder Anzeiger vom 30. Mai 1933. Dortmunder Anzeiger

Zu diesen Orten gehört auch der Dortmunder Hansaplatz: Im Jahr 1933 fand hier eine große Bücherverbrennung statt, an der der Studienrat des damaligen Bismarck-Gymnasiums, Dr. Hans Woelbig, maßgeblich beteiligt war. Verbrannt wurden verschiedene Werke aus Volksbibliotheken und Buchhandlungen, aber auch aus kommunistischen und sozialdemokratischen Parteizentralen.

Das Bismarck-Gymnasium war der Vorgänger des heutigen Max-Planck-Gymnasiums. 35 Schüler:innen und Lehrkräfte des Max-Planck-Gymnasiums unterstützen deshalb die fotografische Dokumentation des Hansaplatzes durch den Verein „Verbrannte Orte“ und beteiligten sich an der Organisation der Ausstellung.

Deutschland, das „Land der Tatorte“: Jan Schenck will Erinnerungsarbeit leisten

„Orte sind stumme Zeugen von Geschichte“, sagte Bürgermeister Norbert Schilff bei der Ausstellungseröffnung in der VHS. Auch Jan Schenck sieht sich mittlerweile nicht mehr nur als Fotograf, sondern als „Arbeiter der Erinnerung“. Er will verhindern, dass die Geschichte der Bücherverbrennungen in Vergessenheit gerät. Denn lange nicht alle historischen Orte von Bücherverbrennungen sind als solche markiert.

Auch Dortmunder Schüler:innen beteiligen sich an der Erinnerungsarbeit rund um den Hansaplatz.V.li.: Pelin Dag, Kritina Karnib (Max-Plack-Gymnasium), Fabian Karstens (Jugendring), Dr. Markus Günnewig (Steinwache), Stephan Straub (VHS), Friedrich Erbrachter (ehem. Max-Plack-Gymnasium), Jan Schenck. Stadt Dortmund/Silke Hempel

Jan Schenck hat mittlerweile 170 „verbrannte Orte“ dokumentiert. Er schätzt, dass nur etwa 20 Prozent von diesen eine physische Erinnerung, wie zum Beispiel eine Bodenplakette, haben. Deutschland beschreibt er als „ein Land der Tatorte“. Kein Gebiet sei von den Verbrechen des Nationalsozialismus unberührt.

Wie betrachten wir diese Orte also, wenn wir um ihre Geschichte wissen? Nehmen wir sie plötzlich anders wahr? Diese Fragen beschäftigen Schenck bei seinem Projekt.

Die Erinnerungsarbeit hält er heute mit Hinblick auf starke, politisch rechte Strömungen für wichtiger denn je. Mittlerweile gehört zu dem Projekt auch ein Online-Atlas, der die bekannten Orte von Bücherverbrennungen in Deutschland verzeichnet.

Kostenlose Führungen und Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung

Die Ausstellung „Verbrannte Orte – Bücherverbrennung 1933 in Deutschland“ ist noch bis zum 3. Juni geöffnet. Sie kann montags bis freitags von acht bis 20 Uhr in der VHS Dortmund besucht werden. Die Gedenkstätte Steinwache bietet am 26. und 30. Mai kostenlose Führungen durch die Ausstellung an.

Stadt Dortmund/Silke Hempel

Am 30. Mai, dem Jahrestag der Bücherverbrennung, finden auf dem Hansaplatz außerdem Lesungen aus 1933 verbrannten Büchern statt. Vier Dortmunder Autor:innen werden hier jeweils einen verfolgten Autor oder eine verfolgte Autorin vorstellen. Am 28. Mai bietet die VHS außerdem die Veranstaltung „Cause Woelbing“ an.

Hier geht es um die Ereignisse rund um Hans Woelbig, der 1933 an der Bücherverbrennung auf dem Hansaplatz beteiligt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt dieser sich nämlich im pfälzischen Zweibrücken auf. Er leitete dort schließlich sogar selbst eine Bibliothek, ohne, dass etwas von seiner Nazi-Vergangenheit in Dortmund bekannt war. 2017 veröffentlichte eine pfälzische Tageszeitung eine umfassende Recherche zu seiner Person und änderte das. Die Veranstaltung zeichnet die Recherche und ihre Auswirkungen nach.


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