
Wenn sich Wirtschaftsverbände zur Lage äußern, wird im Blick auf die amtierende Regierung, gleich welche Couleur, meistens viel gefordert und wenig gelobt: Es könnte immer besser sein als es ist! In einer Pressekonferenz der IHK zu Dortmund wurde jüngst der Bericht für das Jahr 2025 vorgestellt, in dem aber durchaus auch von positiven Entwicklungen die Rede ist.
Trotz Stimmungstief: Unternehmensgründungen nehmen zu
Im Bezirk der IHK zu Dortmund (Dortmund, Hamm und Kreis Unna) leben rund 1,2 Millionen Menschen, von denen etwa die Hälfte in 60.394 Unternehmen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Das erwirtschaftete BIP zu Marktpreisen liegt in Summe bei 46.666 Mio. EURO (im Jahr 2022). Ein starkes Ergebnis, aber wie ist die Stimmung? Eine zu Beginn des Jahres 2025 durchgeführte Umfrage unter 130 Unternehmen kam zu einem pessimistischen Ergebnis. „Schlechte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, schwache Inlandsnachfrage, gestiegene Arbeitskosten, hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie der Fachkräftemangel belasten die Betriebe zunehmend“, heißt es im Ruhrlagebericht zum Jahresbeginn 2025 der IHK.

Der ehemalige IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann, der sein Amt im März an seinen Nachfolger Roland Klein übergeben hatte, ordnet die Ergebnisse ein: „Bundesweit schrillen die Alarmglocken der Wirtschaft. Die deutsche Wirtschaft stagniert und dieser Zustand trifft auch für unsere Unternehmen im IHK-Bezirk zu. Wir verharren im Stimmungstief!“ ___STEADY_PAYWALL___
Trotz fehlender Planbarkeit, überbordender Bürokratie und unklaren Rahmenbedingungen sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber dennoch keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben: „Die Innovationskraft und die Leistungsfähigkeit unserer Unternehmen ist so stark, dass ein spürbares Signal zum Aufbruch fast schon reichen würde. Nur eins hat die Wirtschaft nicht mehr: Zeit zum Warten.“
Es gibt aber auch erfreuliche Entwicklungen, denn in NRW nimmt die Zahl der Unternehmensgründungen seit 2020 wieder zu und erreicht bereits fast wieder das Niveau von 2019, der Zeit vor der Corona-Pandemie. Die IHK NRW hat in Zusammenarbeit mit dem Essener Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) untersucht, welchen Anteil migrantische Gründungen daran haben, denn Gründer:innen mit Einwanderungsgeschichte werden immer mehr. Inzwischen stellen sie 27 Prozent aller Selbstständigen im Land, bereichern die Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze, bringen neue Perspektiven ein und beleben die Städte.
Wirksame Unterstützung durch Beratungs- und Bildungsangebote
Mit diversen Beratungs- und Bildungsangeboten hat die IHK auch im vergangenen Jahr auf aktuelle Entwicklungen reagiert. So beispielsweise im November mit einer Veranstaltung unter dem Titel „Wirtschaft und Verteidigung – Orientierung, Herausforderungen und Chancen für Unternehmen“. Die ernste Lage, in der sich Deutschland befindet, gab den Impuls dafür. Ziel war es, Wege der Zusammenarbeit zwischen Militär und Wirtschaft im Hinblick auf die sicherheits- und verteidigungspolitische Lage zu identifizieren und die Zusammenarbeit zu fördern.

Vieles verändert sich derzeit und befindet sich im Umbruch. Den bundesweit erschwerten Bedingungen der Wirtschaft muss auch – oder sogar vor allem – regional Rechnung getragen werden.
„Mit mutiger Innenstadtentwicklung, konsequentem Bürokratieabbau, schnelleren Genehmigungsverfahren und einer aktiven Ansiedlungspolitik müssen Kommunen in der Lage sein, gezielt gegenzusteuern“, fordert Stefan Schreiber, IHK-Hauptgeschäftsführer.
Dabei geht es vor allem um die Transformation der Wirtschaft mit den Schwerpunkten Kreislaufwirtschaft, Energiewende und Wasserstoff. Gleichwohl, meint Schreiber, müssen Klimaschutz und die Anliegen der Wirtschaft gleichviel berücksichtigt werden.
Neues bei der Kammer: „Innoclub“ und „IHK-Energie-Scouts“
Start-ups leisten zu den anstehenden Transformationsprozessen einen wichtigen Beitrag. Mit dem neu gegründeten „Innoclub“ bietet die IHK eine besondere Plattform für Austausch und Kooperationen. Bislang sind schon 15 Unternehmenspartner, 19 Start-ups und zwölf institutionelle Partner Teil des Netzwerks, das von der IHK gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Dortmund, der Technischen Universität Dortmund, der Fachhochschule Dortmund sowie der International School of Management (ISM) geschaffen wurde.

„Diese Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft hat den Grundstein gelegt – mit einem klaren Ziel: Innovationen schneller in die Umsetzung zu bringen und die richtigen Partner an einen Tisch zu holen“, heißt es im Jahresbericht der IHK.
Im Bereich der Ausbildung von Fachkräften konnten mit dem neuen Verfahren zur Feststellung und Bescheinigung der individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit die ersten Berufserfahrenen auch ohne reguläre Ausbildung ihre vollgültige Anerkennung als Facharbeiter:innen erlangen. Die IHK zu Dortmund hat aktiv an der Erstellung von Validierungsstandards für Lagerberufe und Berufe im Einzelhandel mitgewirkt.
In einem besonderen Projekt der Nachwuchsförderung werden Auszubildende zu „IHK-Energie-Scouts“, die sich als Multiplikatoren für Effizienz- und Biodiversitätsprojekte in den Unternehmen engagieren. „Ihre Initiativen“, so die IHK, „zeigen messbare Erfolge und machen Nachhaltigkeit im Unternehmensalltag greifbar.“
„Nicht zu übersehender Handlungsbedarf“ bei der Verkehrsinfrastruktur
Besorgt äußern sich immer mehr Unternehmen hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur. Hier besteht auch in der Region Dortmund ein nicht zu übersehender Handlungsbedarf. Bauprojekte wie das der „Rahmedetalbrücke“ belasten die Wirtschaft.

Andererseits profitiert die Wirtschaft von erfolgreich abgeschlossenen Projekten: „Der Bau der A 445 von Werl bis Hamm ist bundesweit eines der Neubauprojekte mit dem höchsten volkswirtschaftlichen Nutzen. Der Neubau ersetzt die aktuell chronisch verstopfte B 63.
Auf dieser Achse soll auch der Güterbahnhof Hamm als größte Bahnreservefläche des Landes an die A 2 angeschlossen werden und überregional Güter auf die Schiene verlagern helfen.“
Klimaneutralität und Nachhaltigkeit im Gebäudesektor
Eine anderes Feld besonderer Herausforderungen tut sich auf, wenn es darum geht, dem Klimawandel und dessen Folgen wirksam zu begegnen. Dem war die Fachveranstaltung „Nachhaltige und intelligente Gebäude“ im September 2025 in Dortmund gewidmet. Man beschäftigte sich damit, wie der Gebäudesektor wirtschaftlich und zugleich klimaneutral transformiert werden kann.
„Diskutiert wurden insbesondere verlässliche politische Rahmenbedingungen, Förderinstrumente wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude sowie serielle Sanierung als Hebel zur Kosten- und Zeitersparnis“, berichtet die IHK.
Zum Jahresbericht gehörte auch der Dank an Heinz-Herbert Dunstmann für seine langjährige, verdienstvolle Arbeit als Präsident der IHK zu Dortmund. Unter seiner Führung wurden wesentliche Vorhaben umgesetzt und wirksame Akzente gesetzt, die das Wirtschaftsleben in der Region Dortmund nachhaltig geprägt haben.
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