
Es regnet in Dortmund. Das ist weder eine Nachricht noch eine Überraschung, sondern lediglich die passende atmosphärische Grundierung für einen Termin, bei dem der WDR im Dortmunder U versucht, Optimismus zu verbreiten. Der Anlass: Eine neue Kommissarin soll das Team verstärken, das in den letzten Jahren einen personellen Durchlauf hatte, der eher an eine Bahnhofshalle als an eine Mordkommission erinnert.
Exit Rosa, Enter Leo
Nachdem Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) im Fall „Schmerz“ das einzig Vernünftige tat und lebend – quasi als erste Überlebende des Dortmunder Systems – den Dienst quittierte, bleibt das Team seinem Beuteschema treu. Die eine Österreicherin geht, die nächste kommt.

Sophia Mercedes Burtscher übernimmt als Leo Sturm. Sie stammt aus Bregenz, hat ihr Handwerk am renommierten Mozarteum in Salzburg studiert und bringt einen Akzent aus dem Vorarlberg mit, der im Ruhrgebiet ungefähr so heimisch wirkt wie eine Après-Ski-Hütte auf dem Deusenberg.
Dass sie zum Pressetermin zum ersten Mal echten Dortmunder Boden betritt, passt ins Bild: Man muss die Stadt nicht kennen, um in ihrem fiktiven Dreck zu wühlen.
Einzelgängerin trifft Verbrennungsmotor
Burtscher beschreibt ihre Rolle als „scharfsinnig, aber kompromisslos“. Der WDR ergänzt gewohnt kryptisch, sie habe „Geheimnisse im Gepäck“ und sei eher „Einzelgängerin“. Das ist im Dortmunder Kosmos ungefähr so originell wie eine Currywurst-Pommes-Rotweiß, verspricht aber die nötige Reibungshitze für Peter Faber (Jörg Hartmann).

Faber, der oft wenig menschliche Verbrennungsmotor der Reihe, bekommt es also mit einer neuen Gegenspielerin zu tun. Ob man für Leo Sturm bald ein schmeichelhafteres Adjektiv als „die Neue“ findet, wird sich zeigen.
Neben ihr standen beim Termin auch Hartmann selbst und die gewohnt unterkühlte Ira Klasnić (Alessija Lause) im Blitzlichtgewitter der Journalisten, die sich weniger für die Redaktionsetage als für das neue Trio Infernale interessierten.
Weniger Verschwurbelung, mehr Gefühl
Der Spiegel attestierte der Reihe jüngst das Prädikat „Schleudersitz“ und sprach von einem endlosen „Verschleißkrieg“. Dem will der WDR nun mit einer Prise Entschleunigung begegnen. Redakteur Franz Tönsmann, ein Urgestein der Dortmunder Tatort-Genese, verspricht: „Wir versuchen das Horizontale nicht ganz aufzugeben, aber wir reduzieren es.“

Übersetzt heißt das: Weniger komplexe Kausal-Verschwurbelungen, mehr Fokus auf persönliche Beziehungen. Faber soll angeblich nicht „weicher“, aber „durchlässiger“ werden.
Was auch immer das für sein Nervenkostüm bedeutet – das Publikum darf ab der Folge „Blut und Wasser“ neu einsteigen, ohne vorher ein Diplom in Dortmunder Seriengeschichte abgelegt zu haben.
Lockdown wegen Chemiefabrik
Der Einstand von Leo Sturm wird als Kammerstück inszeniert. Die erzählerische Krücke hierfür: Ein Störfall in einer lokalen Chemiefabrik, der zu einer – statistisch eher unwahrscheinlichen – stadtweiten Ausgangssperre führt. Dieser Lockdown zeichnet den Rahmen einer gezwungenen Isolation, aus der nicht nur ein Fall gelöst, sondern auch zarte Bande zwischen den beiden Insassen Faber und Sturm geschlossen werden sollen.

Wie hier noch der (für einen guten Zweck) ersteigerte Statistenauftritt von Dortmunder Lotto-Chico Platz finden wird, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, das die Episode „Blut und Wasser“ erst mit ihrer Ausstrahlung, mutmaßlich in der zweiten Jahreshälfte 2026, lüften wird.
Doch Logik war in Dortmund schon immer zweitrangig gegenüber dem Gefühl. Seit dem letzten Fall „Schmerz“ wissen wir: Ob es nun alte Kriegstraumata sind oder fiktive Giftwolken über der Westfalenhütte – das eigentliche Leitmotiv bleibt die korrodierende Verunsicherung. Die Stadt Dortmund ist nur der Spiegel für den inneren Zustand der Ermittler. Und der ist, wie das Wetter beim Pressetermin, vor allem eines: ziemlich trübe.
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