
Mehr als 1000 junge Menschen sind am Freitag (5. Dezember 2025) in Dortmund auf die Straße gegangen, um gegen das neue Wehrdienstgesetz zu demonstrieren. Der Bundestag hatte zeitgleich das Gesetz auf den Weg gebracht. Vorgesehen ist, dass alle nach Januar 2008 geborenen Deutschen einen Fragebogen zu Motivation und Eignung erhalten. Zudem soll es ab Juli 2027 für junge Männer eine verpflichtende Musterung geben, ohne dass daraus sofort eine Wehrpflicht entsteht. Doch das könnte der nächste Schritt sein, so die Sorge vieler junger Leute.
Die Teilnehmenden-Zahl war fünf Mal höher als erwartet

In Dortmund protestierten am Freitag wie in vielen anderen Städten zahlreiche Schüler:innen, Jugendliche und andere Gegner:innen von Wehrdienst und Militarisierung gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Für die Demonstration waren 200 Personen angemeldet, am Ende kamen etwa 1000. Der Aufzug startete gegen 12 Uhr an der Nordseite des Hauptbahnhofs und führte Richtung Ostwall, Kleppingstraße und Theater. Zwischenzeitlich musste der Wall halbseitig gesperrt werden.
Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt bestehen
Der Bundestag hatte kurz vor Beginn der Proteste ein neues Wehrdienstgesetz verabschiedet. Es soll die Bundeswehr stärken und die Zahl der Soldaten auf 460.000 erhöhen. Das Gesetz sieht vor, dass junge Männer ab dem Geburtsjahr 2008 verpflichtend gemustert werden.
Der erste Kontakt erfolgt über Fragebögen, die voraussichtlich ab Mitte Januar verschickt werden, wenn die ersten Betroffenen gerade volljährig geworden sind. Männer müssen diese Bögen ausfüllen, Frauen können dies freiwillig tun. Abgefragt werden persönliche Daten, Angaben zur Gesundheit und die Bereitschaft zum Wehrdienst.

Die flächendeckende Musterung beginnt formal mit dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2026, wird jedoch an die noch im Aufbau befindlichen Kapazitäten angepasst. Geplant sind 24 Musterungszentren im Land, deren Standorte noch nicht feststehen.
Vom 1. Juli 2027 an sollen komplette Jahrgänge gemustert werden. Bis dahin ist mit einem Rückstau zu rechnen, der schrittweise abgearbeitet werden soll.
Hohe Vergütung für Freiwillige im Wehrdienst
Freiwillige erhalten rund 2600 Euro brutto im Monat sowie Anreize wie einen Führerscheinzuschuss bei längerer Verpflichtung. Bei zu wenigen Freiwilligen könnte per Zufallsprinzip eine „Bedarfswehrpflicht“ greifen. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt bestehen und die Pläne haben bundesweit Schüler:innen-Proteste ausgelöst.
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Protestwelle gegen Wehrpflicht: „Unser Leben, unsere Zukunft“ – Schulstreik in Dortmund


Reaktionen
Ulrich Sander
Als einer aus dem Jahrgang 1941 schloss ich mich der Demo an und freute mich über die Teilnahme so vieler verantwortungsbewusster junger Menschen. Und über einige ältere. So einer mit dem Schild: „Opas gegen den Krieg“ und solcher aus der VVN-BdA. Wir haben schon in der ersten Hälfte der 1950er Jahre gegen die Einführung des Kriegsdienstes gekämpft. Es trifft nicht zu, dass der Aufbau der Bundeswehr zum Frieden beigetragen habe. Die illegalen NATO-Kriege sind unvergessen. Nie wieder! Nicht zu vergessen ist auch, dass die Bundeswehr mit der Himeroder Denkschrift von 1950 durch Nazigeneräle initiiert wurde, die dann lange an der Spitze der Bundeswehr standen und diese bis heute prägten.
Ralf Voelzkow
Auch ich habe als Opa und Rentner an der Demonstration der Jugend teilgenommen. Ich war sehr beeindruckt. Die vielen Schüler*innen haben den Mut aufgebracht, sich zu wehren.
Einige Redebeiträge haben mich sehr bewegt. Deutlich wurde, warum die Jugendlichen (zu Recht!) empört und enttäuscht sind.
Hier ein paar Aussagen: Gewalt ist keine Lösung! Keiner aus der Regierung wird jemals an die Front gehen! Es sind wir, die an der Front landen! Wir sind kein Teil eines politischen Konzepts, das uns militarisieren will! Wir hausen in maroden Schulen – und das Geld fließt in die Aufrüstung!
Ein Artikel der Ruhr-Nachrichten vom 08.12.2025 zur Wehrdienst – Reform endet mit einem einzigen Zitat: „Ich habe keine Lust, gemustert zu werden und für den Staat zu sterben“. Diese Auswahl ist meiner Meinung nach eine gezielte, bösartige Entwertung der Veranstaltung, ein Schlag ins Gesicht der Demonstrierenden! Es ging und geht nicht um „Null Bock!“