Dortmunder Wohlfahrtsverbände diskutieren mit OB-Kandidat:innen über soziale Themen

Sozialthemen vor der Kommunalwahl: „Wem gehört die Stadt? Allen!“

Blick in die vollbesetze Werkhalle
Rund 200 Gäste nahmen an der Podiumsdiskussion der Dortmunder Wohlfahrtsverbände in der Werkhalle des Union Gewerbehofs teil. Foto: Cocu

Auf Wahlplakaten werben sie für bezahlbare Wohnungen, bessere Kinderbetreuung, aber auch für Sicherheit und Ordnung. Welche sozialpolitischen Projekte die Dortmunder Kandidat:innen für das Amt des Oberbürgermeisters angehen wollen, offenbarte eine sozialpolitische Podiumsdiskussion. Knapp drei Wochen vor der Kommunalwahl stellten sich Dortmunds amtierender Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD), Katrin Lögering (Die Grünen), Alexander Kalouti (CDU), Fatma Karacakurtoglu (Die Linke) und Martin Cremer (parteilos) im Union-Gewerbehof den Fragen der Dortmunder Wohlfahrtsverbände.

Wohnungslosigkeit als gemeinsames Anliegen

Vor knapp 200 Gästen kommentierten die Kandidat:innen die Themen Obdachlosigkeit, Wohnungsnot sowie Chancengerechtigkeit am Beispiel OGS sowie Beteiligung und Mitbestimmung. Fachkräfte der Verbände trugen echte Dortmunder Fallballspiele vor, das Podium reagierte darauf. Ein echter Diskurs kam nicht so recht in Gang, schließlich waren sich die demokratischen Parteien weitgehend einig: Der Kampf gegen Wohnungslosigkeit etwa, stehe ganz oben auf der Agenda.

Teilnehmende der Podiumsdisskusion
Knapp drei Wochen vor der Kommunalwahl stellten sich die Kandidat:innen für das Amt des Oberbürgermeisters den Fragen der Wohlfahrtsverbände. Foto: Cocu

Für den amtierenden Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD), der auf fünf Jahre gute Zusammenarbeit mit den Verbänden zurückblicken könne, sprechen die jüngsten Maßnahmen für sich: „Die Infrastruktur für Menschen auf der Straße wurde zuletzt immer weiter ausgebaut, mit den geplanten Containern auf der Treibstraße bieten wir vor dem Winter eine deutliche Verbesserung der Übernachtungssituation.“

Während der Kandidatin der Linken, Fatma Karacakurtoglu, diese Planungen nicht reichten, richtete Alexander Kalouti den Fokus auf die restliche Bevölkerung: „Verlieren wir nicht den Blick derer, die nicht obdachlos sind, die in der Stadt leben, hier arbeiten und sich eben auch hier aufhalten. Auch hier hat die Lebensqualität zuletzt sehr gelitten.“ Der CDU-Kandidat sprach sich als einziger auch für ordnungspolitische Lösungsansätze aus und stellte sich dem Gegenwind: „Wir leben alle hier in diesem Raum. Betteln zementiert Armut, das dürfen wir nicht isoliert betrachten.“

Katrin Lögering, Kandidatin der Grünen, erinnerte die Gruppe an das selbstgesteckte Ziel, beim Thema Wohnungslosigkeit bis 2030 ein großes Stück weiterzukommen: „Wir müssen hier endlich richtig loslegen.“ Der parteilose Kandidat Martin Cremer machte direkt einen Vorstoß mit Blick auf die Toilettensituation in der Innenstadt: „Früher ging man am Alten Markt eine Treppe runter und fand dort eine öffentliche Toilette, das gibt es schon lange nicht mehr. Es muss zugängliche Hygieneorte für alle geben, auch um die Verwahrlosung der Innenstadt in den Griff zu kriegen.“

Wohnen trotz Schufa – ein Vorschlag mit Zustimmung

Einigkeit – nur die Ansätze sind unterschiedlich. Diakonie-Geschäftsführer Niels Back, der die Schilderungen der Kandidat:innen im Namen aller Verbände auf Zuruf von Moderatorin Christiane Poertgen (u.a. WDR) einordnete, war verblüfft: „Diese Einigkeit in der Erkenntnis, dass Wohnungslosigkeit in Dortmund in den Fokus gehört, hätte es vor zehn Jahren noch nicht gegeben.“

Teilnehmende der Podiumsdisskusion
In der Podiumsdiskussion ging es um Themen wie Obdachlosigkeit, Wohnungsnot und Chancengerechtigkeit. Foto: Cocu

Gunther Niermann, Kreisgruppengeschäftsführer des Paritätischen Dortmund, bekräftigte: „Die Stadt gehört allen, die hier leben. Auch Bettlern und Obdachlosen.“ Der Vorschlag von Niels Back, dass die kommunale Wohnungsbaugesellschaft DOGEWO21 ein Kontingent ihrer über 16.000 Wohnungen in Dortmund Menschen trotz negativem Schufa-Eintrag zur Verfügung stellt, wäre da eine greifbare Maßnahme – die überraschenderweise alle Kandidat:innen unterstützten. „Nach ersten Gesprächen mit der neuen Geschäftsführung bin ich sehr optimistisch“, so Thomas Westphal.

Nicht immer muss man einen negativen Schufa-Eintrag haben, um vom engen Dortmunder Wohnungsmarkt ausgeschlossen zu werden: So wurde eindrücklich dargestellt, dass ein ausländisch klingender Nachname eines Bewerbers ausreichte, um ihn gar nicht zu Wohnungsbesichtigung einzuladen oder ihm mitzuteilen, dass diese Wohnung schon vergeben sei.

Ob es sich wirklich um eine Diskriminierung aufgrund seines Nachnamens handelte, wollte der Bewerber nachgehen und hat sich um dieselbe Wohnung mit dem Namen Michael Müller beworben und wurde prompt zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen. Fatma Karacakurtoglu von der Linken und auch Alexander Kalouti von der CDU schilderten persönliche Diskriminierungserfahrungen.

OGS: Betreuung statt Förderung reicht nicht aus

Beim Thema Ganztagsbetreuung wurde anhand der Schilderung eines OGS-Trägers deutlich, dass individuelle Förderbedarfe in einem rein auf Betreuung fußenden System nicht angemessen aufgefangen werden. Chancengleichheit könne nur entstehen, wenn auf unterschiedliche Bedarfe auch individuell reagiert werden könne. Katrin Lögering von den Grünen forderte: „Wir brauchen mehr und bessere Ganztagsangebote an den Schulen. Es darf nicht bei der Hausaufgabenbetreuung aufhören.“

In der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der freien Wohlfahrtspflege Dortmund setzen sich Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz, Der Paritätische und die Jüdische Kultusgemeinde mit ihren insgesamt 18.000 Mitarbeitenden allein in unserer Stadt gemeinsam für ein soziales Dortmund ein. Am 14. September 2025 entscheiden die Kommunalwahlen über die neue Zusammensetzung des Rates der Stadt Dortmund sowie die Besetzung des Überbürgermeisteramtes.

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