150 Jahre Klinikum Dortmund: Vom bescheidenen Anfang bis zur interdisziplinären Spitzenmedizin

25 Fachkliniken, 1400 Betten und mehr als 4000 Beschäftigte

Rund 200 geladene Gäste aus Politik, Stadtgesellschaft und Gesundheitswesen folgten der Einladung zum historischen Gründungstermin. Foto: Stephan Schuetze

Es ist ein markantes Jubiläum, das festlich begangen wurde: Das Klinikum Dortmund feiert in diesem Jahr sein 150jähriges Bestehen. Seit dem ambitionierten Beginn im 19. Jahrhundert entwickelte sich im Laufe der Zeit eine der größten Kliniken Deutschlands.

Gründung und Wachstum bis zur heutigen Größe

In den 316 nordrhein-westfälischen Krankenhäusern werden Jahr für Jahr über vier Millionen Patient:innen behandelt. Daran ist auch das Klinikum Dortmund maßgeblich beteiligt. An den Standorten Mitte und Nord befinden sich insgesamt 25 Fachkliniken sowie fünf Institute mit insgesamt 1.408 Betten. Über 4000 Mitarbeiter:innen aus 50 Nationen kümmern sich dort um jährlich 315.000 Patient:innen (davon 65.000 stationär und 250.000 ambulant).

Repro: Klinikum Dortmund

Im Gründungsjahr 1876, damals hieß die Klinik noch „Luisenhospital“, verfügte man zunächst über lediglich 250 Betten einer chirurgischen und einer inneren Abteilung. Mit dem Wachstum der Metropolregion Rhein-Ruhr im Zuge der Industrialisierung wuchs auch das Klinikum Dortmund.

So folgten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Neubauten (Hautklinik und Infektionshaus), die Eröffnung weiterer Fachbereiche sowie im Jahr 1909 die Krankenpflegeschule und die Kinderklinik.

Nach dem Wiederaufbau der im Krieg stark beschädigten Gebäude in den 1950er Jahren entwickelte sich das Klinikum schließlich bis zur heutigen Größe als zweitgrößtes Krankenhaus Nordrhein-Westfalens und viertgrößtes kommunales Krankenhaus in Deutschland.

Ein zentraler Ort der städtischen Infrastruktur

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, würdigte in seiner Ansprache ausdrücklich das erfolgreiche Engagement aller Mitarbeiter:innen des Klinikums. Man begegnet den Patient:innen mit starker Empathie. „Das wichtigste sind die Menschen, die das tun“, sagte er und betonte, dass viele Professionen dafür tagtäglich auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Karl-Josef Laumann ist Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW. Foto: Stephan Schuetze

Unter den vielen Mitarbeiter:innen des Klinikum Dortmund haben viele einen Migrationshintergrund. Insofern ist die wirksame und gute Zusammenarbeit auch Ausdruck kultureller Vielfalt. „Ich wünsche mir“, sagte Laumann, „dass wir in Deutschland ein weltoffenes Land bleiben.“

Mit unverkennbarem Stolz berichtete der Minister von seiner Initiative bezüglich einer Neuordnung der Krankenhausplanung. Früher habe man nach Anzahl der verfügbaren Betten geplant, zukünftig werde das nach Leistungsbereichen erfolgen. Das sei betriebswirtschaftlich sinnvoller und stärkt die Gesundheitsversorgung.

OB: „Das Klinikum ist ein zentraler Ort unserer städtischen Infrastruktur“

Für die Stadt Dortmund sprach Oberbürgermeister Alexander Kalouti. Die 150 Jahre seit Gründung des Klinikums sind nicht einfach Zeit, so Kalouti, sondern gelebte Geschichte. Das Klinikum Dortmund ist mittlerweile zu einer Institution geworden, zu einem Ort des Lebens. Dabei entwickelte sich die interdisziplinäre Spitzenmedizin immer weiter.

Gesundheitsminister Karl Josef Laumann (2.v.l.)  Aufsichtsrat Dr. Christoph Neumann, (3.v.l.), OB Alexander Kalouti (3.v.r.) sowie von der Geschaeftsführung Peter Hutmacher (li.), Prof. Dr, Stefan Haßfeld (re.) und Michael Kötzing (2.v.r). Foto: Stephan Schütze/ Klinikum Dortmund

„Aber immer blieb man dem Kern verpflichtet, Menschen bestmöglich zu versorgen. Das Klinikum ist ein zentraler Ort unserer städtischen Infrastruktur“, so der OB. „Heute feiern wir nicht nur ein Jubiläum. Wir feiern eine Institution, die seit eineinhalb Jahrhunderten das Herz der städtischen Gesundheitsversorgung bildet – damals wie heute unverzichtbar für unsere Stadt.“

Kalouti, selbst Sohn eines palästinensischen Arztes, ist es ebenfalls ein großes Anliegen, dass das Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund gewürdigt wird: „Deutschland ist eine offene Gesellschaft, und wir werden alles dafür tun, dass das so bleibt!“

Das Klinikum musste sich immer wieder neu aufstellen

Der Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Neumann versteht das Jubiläum nicht nur als Anlass für den Rückblick, sondern zugleich als Auftrag für die Zukunft. Dem schloss sich Peter Hutmacher, kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums an.

Repro: Klinikum Dortmund

Im Blick auf die lange Historie des Klinikums und die Leistungen der vorangegangenen Generationen sagte er, es sei vor allem entscheidend, was man aus der Zeit macht: „Man hatte Mut und war auf die Zukunft ausgerichtet.“

In diesem Sinne lobte er auch Karl-Josef Laumann und sein Engagement für eine zukunftsfeste Planung der klinischen Gesundheitsversorgung.

„150 Jahre Klinikum Dortmund zeigen, dass wir uns immer wieder neu aufstellen mussten – fachlich, strukturell und organisatorisch. Entscheidend war dabei nie die Größe allein, sondern die Qualität der Versorgung. Unser Anspruch ist es, auch in Zukunft verlässlich für die Menschen in Dortmund und der Region da zu sein“, betonte  Geschäftsführer Peter Hutmacher die besondere Rolle des Hauses für Stadt und Region.

Herausforderungen auf dem Weg in die Zukunft

Die NRW-Krankenhausplanung tritt in diesem Jahr vollständig in Kraft. Sie will eine verlässliche, hochwertige Krankenhausversorgung erhalten und konzentriert sich dafür auf Leistungsgruppen, statt rein auf Bettenzahlen. Aber es geht um weiter gesteigerte Effizienz.

Während man in den Kliniken in NRW bereits 2023 1,8 Prozent mehr Patienten in ein Prozent weniger Betten behandelte, sollen Umstrukturierungen die Leistungsfähigkeit der klinischen Versorgung insgesamt noch weiter steigern. Dazu gehört auch die Konzentration medizinischer Angebote an dafür besonders geeigneten Orten. Das stellt manches Krankenhaus vor herausfordernde Aufgaben, denn der Krankenhausplan Nordrhein-Westfalen umfasst Rahmenvorgaben, die jeweils vor Ort umgesetzt werden müssen.

Klinikum Dortmund - Städtische Krankenanstalten Dortmund
Archivbild: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Dabei ist die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser alles andere als rosig. Drei von vier Kliniken in NRW verzeichneten zuletzt ein Defizit. In den zurückliegenden Jahren wurden sogar fast vierzig Kliniken geschlossen. Hinzu kommt der Mangel an Pflegefachkräften.

Die medizinische Versorgung angesichts der in Deutschland insgesamt schwierigen Lage der Krankenhäuser auf dem gewohnt hohen Niveau erbringen zu können, ist auch für das Management des Klinikum Dortmund eine kniffelige Aufgabe.

Stärkere Spezialisierung und Ambulantisierung bestimmen auch in Dortmund die Umsetzung der  NRW-Krankenhausplanung. Hinzu kommt der Neubau der Kinderklinik – zuletzt war ein Neubau der Kinderklinik im Jahr 1964 eröffnet worden –, an dem sich das Land NRW mit knapp 70 Millionen Euro beteiligt. Das ist ein großes Stück der für NRW insgesamt vorgesehenen Landesmittel in Höhe von insgesamt 823 Mio. Euro für bauliche Maßnahmen zur Umsetzung des neuen Krankenhausplans. Ende 2026 sollen die Bauarbeiten in Dortmund beginnen. Ein Meilenstein für die weitere Entwicklung des Klinikums.


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