Zufallsfund: Historische Fotoreihe zu den Dortmunder Griechen vor 50 Jahren

Hoesch-Museum erinnert an erste griechische Migrantengeneration

Blick in die Ausstellung
„Wie’s innen aussieht, geht niemand was an… Dortmunder Griechen“ – ein Blick in die Ausstellung. Foto: Javad Mohammadpour für Nordstadblogger

Vor 50 Jahren taten sich die Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge zusammen, um das Partnerland der Dortmunder Auslandskulturtage 1976 abzubilden: Griechenland. Damals waren die Dortmunder Griechen kein Thema, denn der Fokus lag auf dem Land der Antike, ihrer Theatertradition und der jungen Republik dort. Nun, 50 Jahre später, zeigen weitere Aufnahmen der beiden die Lebensrealitäten dieser Communities hier in Dortmund.

1000 Fotos von der griechischen Dortmunder Nordstadt

Nach einem schönen und gastfreundlichen Urlaub in Griechenland wieder heimgekehrt, fragte sich Spiler, wie es um die Griechen im eigenen Umfeld hier in Dortmund steht. Ob diese auch so fröhlich und gastfreundlich behandelt werden wie er dort. Zusammen mit seinem Fotografen-Partner Thomas Strenge geht er zu griechischen Schulen, wird in private Haushalte eingeladen und erlebt Feste und Feiern der Griechen mit. Alles halten diese fest im Stile der 70er: mit Kameras. 1000 Fotos sind hierbei entstanden.

Thomas Strenge und Jürgen Spiler vor ihrer Ausstellung im Hoesch-Museum
Die Fotografen der Stunde: Thomas Strenge und Jürgen Spiler. Foto: Javad Mohammadpour

Die erste Migrantengeneration von etwa 5000 Griech:innen, die nach Dortmund kamen, stand hier im Fokus. Sie haben sich besonders am Borsigplatz und rund um den Hafen niedergelassen. Der kleine Park an der Blücherstraße wird heute noch „Griechenpark“ genannt. „Es hat den Leuten nicht immer gefallen, dass die Bilder es so abgebildet haben, wie es war.“

Heruntergekommene Decken in Jugendhäusern und dreckige Schulhöfe zierten aber nun mal das Dortmund vor 50 Jahren und verliehen ihm vielleicht auch den Charme des Ruhrpotts. Das Projekt war seiner Zeit damals voraus. Von Glanz und Perfektion war keine Spur, denn es war unordentlich, menschlich und einfach echt. Heute würde man viel medienkritischer auf die Bilder schauen. Die Fragen nach der Lebensrealität ist zeitlos relevant geblieben.

Ausstellungsinhalte und Finissage

„Es gibt Dinge, die einfach wieder auftauchen“, sagt Isolde Parussel, die Leiterin des Hoesch-Museums. Diese Ausstellung sei ein Ergebnis klassischer Museumsarbeit und ein „zufälliger Fund“ gewesen. Zu den Bildern der beiden Fotografen kommen weitere 300, die die Jugendlichen damals selbst gemacht haben. Zwei Fotoalben mit dem Thema „Kirmes“ kann man sich im Hauptraum davon ansehen.

Isolde Parussel, Leiterin des Hoesch-Museums hält eine Broschüre hoch.
Isolde Parusell, Leiterin des Hoesch-Museums. Foto: Javad Mohammadpour für Nordstadblogger

Die restliche Ausstellung ist nach Themen sortiert: Schule, Kindheit, Ausbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Tanz und Folklore. Die Ausstellung „Wie’s innen aussieht, geht niemand was an …“ bleibt bis zum 28. Juni im Hoesch-Museum (Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund).

Ein paar Bilder werden jedoch auch am 27. April im Berlin beim „Tapetenwechsel“, einer Migrations-Ausstellung zu Wohnkultur im Ephraim-Palais, gezeigt.

Mehr Informationen:

  • Der Eintritt im Hoesch-Museum ist frei.
  • An den Sonntagen: 15. März, 12. April, 17.April und 14. Juni führen die beiden Fotografen Spiler und Strenge für 3,50 Euro von 11 bis 12 Uhr persönlich durch die Ausstellung.
  • Die Finissage findet am 28. Juni um 11 Uhr statt.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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