„Wir unterliegen alle einem System, das Emissionen verursacht. Egal in welcher Position“

Nachhaltigkeit und Borussia Dortmund: wie passt das zusammen?

Podium bei der 4ten Halbzeit im Fussballmuseum
Drei hochkarätige Gäst:innen bei der 4.Halbzeit. Foto: Sina Sakrzewa für Nordstadtblogger

Wie passt ein großer Sportverein, der an der Börse ist und abertausende Fans bewegt, und die allumfassenden Themen Umwelt und Nachhaltigkeit zusammen? Um Schnittpunkte, Ausbaumöglichkeiten und Grenzen zu erörtern, hat das Fußballmuseum zur 4. Halbzeit drei Gäst:innen eingeladen: Carsten Kramer (Geschäftsführer von Borussia Dortmund), Dr. Imke Schmidt (Institut zirkuläre Systeme in Wuppertal) und Dr. Markus Krebber (Chef der RWE in Essen).

Borussia Dortmund soll auch beim Klima punkten

Abseits des Platzes stellt sich für den Bundesligaverein die Frage nach der Nachhaltigkeit: „Es gehört zur DNA von Borussia Dortmund, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen“, betont Carsten Kramer. Der BVB sei eben mehr als nur Fußball. Klimaneutraler Fußball ist das Ziel. Deswegen wurde beispielsweise vor etwa 15 Jahren auf dem Dach des Dortmunder Stadions eine Photovoltaikanlage installiert. Seit vergangenem Herbst tauscht der Verein mit RWE die Anlage aus.

Carsten Cramer
Carsten Cramer – Vorsitzender von Borussia Dortmund Foto: BVB

Die neue Anlage ist effizienter, und bringt fünf Megawatt Leistung. Etwa zehn Millionen Euro hat diese den BVB gekostet. Sie ist die stärkste PV-Anlage auf einem Stadion weltweit.

Neben der Energieerzeugung, spielt Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen eine Rolle. Auch bei weniger sichtbaren Dingen, wie dem Wasser oder den Bechern, kann im Stadion gespart werden. „Wenn wir könnten, würden wir an allen vier Ecken noch Windräder aufstellen“, so Kramer.

Der Vorsitzende möchte mit dem Verein vorausgehen, auch beim Verkehr. Tickets für Spiele beinhalten ein ÖPNV-Ticket. Fans können so sorgenfrei mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Spieltagen fahren. Für diese Option investiert der BVB 4,6 Millionen Euro, eine Ausnahme in der Vereinswelt.

Emissionen sind nicht an einen Ort gebunden

Aus Sicht der Forscherin hat der BVB viele gute Ansätze. Doch die Emissionen allein vor Ort im Stadion zu reduzieren reicht für einen großen Verein wie Borussia Dortmund nicht aus, betont Imke Schmidt vom Institut zirkuläre Systeme in Wuppertal.

Mitunter geht es mit dem Flieger zu  Auswärtsspielen. Foto: Dortmund Airport / Sascha Kamrau

Schon die internationale Ausrichtung des Vereins trägt dazu bei, seine Emissionen hochzutreiben. Die Teilnahme an Auslandsspielen sind nur durch Flüge für die Mannschaft und die Fans möglich. Ebenso schlägt die Produktion von Trikots zu Buche: Hier seien die Lieferketten nicht nachhaltig.

Es sei zudem aber auch wichtig, über das zu reden, was gut laufe und wo Fortschritte zu erkennen seien. Darüber müsste der BVB auch mit anderen Vereinen sprechen. Das seien Erfolge, die geteilt und verbreitet werden müssten.

Einordnung in Europa und die Welt

Seit 2021 ist Markus Krebber an der Spitze des RWE. Seitdem erlebe er bereits die dritte Energie-Krise. Der Krieg im Nahen Osten schränkt die Lieferungen von Öl und Gas ein. Von den Rohstoffen ist Deutschland weiter abhängig, auch wenn große Fortschritte bei der erneuerbaren Energieerzeugung gemacht wurden.

Dr. Markus Krebber
Dr. Markus Krebber ist Vorstandsvorsitzender der RWE AG. Foto: Andre Laaks / RWE AG

Der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine sei aber noch um einiges schlimmer gewesen, da Deutschland damals noch viel Gas aus Russland bezogen habe. Grundsätzlich sei Europa von solchen Energieimporten derzeit und absehbar abhängig. Norwegen ist das einzige Land in Europa, was mehr Export von Energie ausweisen kann als Import.

Die Umstellung auf eine klimaneutrale Energieversorgung sei notwendig, aber müsse rational angegangen werden. Für die Zukunft werde es eine Übergangsphase geben – auch für den BVB.

Über Klima sprechen und gleichzeitig Spaß haben?

„Wir unterliegen alle einem System, das Emissionen verursacht“, so Schmidt vom Wuppertaler Institut. Es sei egal, in welcher Position sich jemand befinde. Es sei nur wichtig, was man in Zukunft mit dem vorhandenen Wissen mache und wie man diese Systeme ändere. „Tu Gutes und sprich darüber“ lautet nun die Devise des Vorsitzenden von Borussia Dortmund.

Das Glasfrei-Projekt an Heimspieltagen wurde schon umgesetzt. Foto: EDG Entsorgung Dortmund GmbH

Mit ständiger Kritik könne man beim Thema Nachhaltigkeit nicht positiv bleiben. Schmidt möchte zudem keine Mahnerin sein, sondern Forscherin. Sie möchte Lust auf Veränderung machen.

Alle sollten versuchen, zukunftsorientiert zu genießen: Nur so könne jede:r seinen Kindern und Kindeskindern denselben Spaß an einem Spiel des BVB ermöglichen wie sich selbst.


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