
Hiba Abu Hamideh verließ Damaskus 2018, um dem syrischen Bürgerkrieg zu entkommen. Die Flucht nach Deutschland war mit vielen Hürden und Gefahren verbunden. Heute hat sie in Dortmund Fuß gefasst: Sie arbeitet beim Dortmunder Systemhaus „Dosys“ – also im IT-Bereich der Stadtverwaltung.
Zwischen Krieg und Hoffnung: Die Flucht nach Deutschland
Ursprünglich stammt Hiba Abu Hamidehs Familie aus Palästina. Ihre Großeltern flohen nach Syrien, wo sie in Damaskus geboren und aufgewachsen ist. 2015 schloss sie ihr Informatikstudium an der Universität Damaskus ab.
Doch in ihrem Fach konnte sie nicht arbeiten. Im Krieg gab es zu wenig Lehrer, also fing sie an zu unterrichten: „Mir hat der Job sehr gut gefallen. Ich konnte mein Wissen mit der jüngeren Generation teilen.“ Doch die Lage im Land verschlechterte sich zusehendes. Als ihr Bruder zum Militär eingezogen werden sollte, flohen er und ihr Vater nach Deutschland.
Weil Abu Hamideh und ihre Schwester älter waren als 18 Jahre, kam eine Familienzusammenführung nicht in Frage. Deshalb machte sich die beiden 2018 selbst auf den Weg zu ihren Verwandten.„Die Flucht war nicht einfach. Wir sind als erstes in die Türkei geflohen. Da mussten wir zwei Jahre leben und arbeiten, bis wir schließlich einen Schleuser fanden, der uns über das Meer nach Griechenland brachte.“
Mit vielen anderen Geflüchteten wagten sie in einem motorbetriebenen Schlauchboot die Überfahrt. Doch auf offener See ging plötzlich der Treibstoff aus. „Alle an Bord gerieten in Panik. Meine Schwester und ich hatten den ganzen Tag nichts gegessen. Wir wollten nicht hungrig sterben. Also packten wir unsere Sandwiches aus und aßen in Ruhe. Wie durch ein Wunder haben wir es trotzdem ans Ufer geschafft.“
Ein Neubeginn während der Pandemie
In Deutschland Fuß zu fassen, war für Hiba Abu Hamideh zunächst schwer. Vor allem die Sprache stellte eine große Hürde dar. Aber sie besuchte Sprachkurse bis zum C1-Niveau und absolvierte von 2021 bis Ende 2022 eine Weiterbildung im Bereich Informatik.

Trotzdem war die Jobsuche schwierig: „Ich habe unzählige Bewerbungen geschrieben, aber ohne Erfolg. Ich wollte unbedingt bei der Stadt arbeiten, aber ich wusste nicht, wie ich mich dafür bewerben soll.“ Schließlich wandte sie sich an den Verein Train of Hope, der sie bei der Jobsuche unterstützte.
So fand Hiba Abu Hamideh schließlich ihren Weg zu „Dosys“. Das ist die IT-Abteilung der Stadt Dortmund, die Computer, Programme und digitale Dienste für die Stadt organisiert. „Am Anfang war es schwer für mich. Ich habe während der Pandemie angefangen, als viele meiner Kolleg:innen im Homeoffice waren. Mittlerweile verstehe ich mich aber sehr gut mit ihnen.“
Heute arbeitet sie als Server-Administratorin. Sie und ihr Team kümmern sich um die Drucker der Stadtverwaltung, geben Aufträge frei und kontrollieren die Prozesse. „Meine Arbeit macht mir Spaß.“
Deutschland als Chance – Syrien bleibt unsicher
Auch ihrem Hobby, dem Singen, bleibt Hiba in Deutschland treu. Seit Jahren singt sie in einem arabischen Chor. „Dort habe ich sofort Anschluss gefunden und meiner Leidenschaft nachgehen können. Wir sind wie eine große Familie.“

Die Umstellung in Deutschland sei anfangs nicht leicht gewesen: „In Syrien hatte man mehr Zeit für das soziale Leben. In Deutschland ist jeder sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber der Chor hat mir das Gefühl von Gemeinschaft zurückgegeben.“
Die aktuelle Diskussion über eine Rückführung von Syrer:innen sieht sie kritisch: „Syrien ist immer noch sehr instabil. Ich finde es problematisch, dass die Rückführung so früh schon thematisiert wird.“
Eine Rückkehr nach Syrien kann sich Hiba Abu Hamideh nicht vorstellen. Ihre Familie lebt mittlerweile in Deutschland, hier hat sie geheiratet und eine neue Heimat gefunden. „Ich bin sehr dankbar, dass mir Deutschland so viele Möglichkeiten geboten hat. Deutschland ist meine Heimat geworden – die Heimat, die ich zuvor nie hatte.“
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