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Trotz Krebserkrankung zu neuem Lebensmut: Verein „Auszeit für die Seele“ sponsert KrebspatientInnen-Urlaub vom Alltag

Reinhard Hunecke mit dem Flyer und dem Symbol des Vereins „Auszeit für die Seele“. Fotos (2): Alex Völkel.

Die Diagnose Krebs ist für viele Menschen zuerst ein Schock. 500.000 neue Krebserkrankungen gibt es jedes Jahr, durch verbesserte Behandlungsmethoden leben PatientInnen immer länger. Die Krankheit Krebs hält sich jedoch nicht an den von den Krankenkassen finanzierten Behandlungszeitraum von 18 Monaten. Nach dieser Zeit sind nicht alle Krebskranken vollständig geheilt oder wieder komplett im Arbeitsleben einsatzfähig, Frühverrentung oder Hartz IV in Verbindung mit der Versorgung durch die Grundsicherung sind oft die Folge. Zu den Schmerzen der Krankheit Krebs kommen also noch finanzielle Sorgen hinzu. Und auch die Angehörigen sind durch die notwendige Pflege des krebskranken Familienmitglieds belastet. An dieser Stelle greift der Verein „Auszeit für die Seele“ ein.

Initiativen für Krebskranke gibt es viele – aber „Auszeit für die Seele“ ist anders und neu

Das Symbol von „Auszeit für die Seele“: Benefiztouren mit Rad oder Motorrad gegen den Krebs.

Bereits 2016 engagierte sich das Ehepaar Hunecke aus Bönen für ein Krebshilfeprojekt, seit mehreren Jahren engagieren sich Reinhard und Annemarie Hunecke bei Krebsinformationstagen zu Darmkrebs. Bei einem anderen Trägerverein lernten sie erstmalig eine Urlaubsvermittlung für KrebspatientInnen kennen, dieser Verein verfügte allerdings nur über ein altes Ostfriesenhaus.

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Im Wartezimmer vom (Augen-)arzt Zeitschriften zu lesen ist nicht unbedingt spannend. Doch gerade dann ist dem Ehepaar beim Lesen das Projekt „Refanah“ aus Israel aufgefallen.

Diese Organisation war das Vorbild für ihren Verein „Auszeit für die Seele“, den sie im Sommer 2017 gegründet hatten. Es geht nicht nur um Austausch über die Krankheit wie z.B. in Selbsthilfegruppen, sondern um ein bisher vernachlässigtes Bedürfnis: Menschen, die durch die Krankheit Krebs verarmt sind, einen Urlaub zu ermöglichen.

Dazu stellen die PatientInnen einen Unterstützungsantrag. Notwendige Unterlagen sind dabei eine ärztliche Bestätigung über die Krebserkrankung und der Nachweis über Grundsicherungsleistungen.

Die Finanzierung eines Urlaubs will gut geplant sein; Urlaubsziele nun in ganz Deutschland

Benefizradeltour 2017 für Auszeit für die Seele mit Tourenleiter Hans Boege. Foto: Verein Auszeit f.d. Seele.

Ferienwohnungen werden meist von den BesitzerInnen komplett gespendet, oft in den Leerzeiten abseits der Saison. Die Kosten für die An- und Abreise, ggf. Kurtaxe und die Endreinigungskosten müssen von den PatientInnen selber übernommen werden.

Wenn die An- und Abreise nicht selbst bewältigt werden kann, werden auch diese Kosten vom Verein „Auszeit für die Seele“ übernommen. Bisher verreisten die KrebspatientInnen von „Auszeit für die Seele“ meist auf die Inseln an der Nordsee oder der Ostsee, auch an die Küste in entlegenere Gebiete.

Inzwischen haben sich die Urlaubsziele aber erweitert: Nach Südbayern an den Chiemsee und Ammersee, auch ein Vermieter aus Galtür in Österreich ist mit im Boot. Durch immer zahlreicher in den Lokalmedien erscheinende Berichte wird der Verein immer bekannter.

Ein Freund des Ehepaars Hunecke besitzt seit 1996 eine Finca auf Mallorca und erzählte von günstigen Flugpreisen zur Urlaubsinsel Mallorca. Reinhard Hunecke erkannte darin die Chance, die Urlaubsziele zu günstigen Konditionen zu erweitern: durch seine Pressemitteilung erschien im deutschen Mallorca-Magazin ein Artikel zu „Auszeit für die Seele.“

Der Verein ist immer wieder auf der Suche nach neuen Urlaubszielen

Ein Unternehmerehepaar aus Köln las das Magazin und beschloss, ihre Finca auf Mallorca zur Verfügung zu stellen. Ein Vermieter aus Dortmund-Holzen stellt seine Ferienwohnung an der Nordsee zur Verfügung.

Und manchmal kommen Kontakte zustande, wenn man gar nicht damit rechnet: auf der Motorradmesse in den Westfalenhallen Dortmund Ende Februar 2019 traf Vereinsvorstand Hunecke einen Aussteller aus Südafrika, der Harley-Davidson-Reisen ab Kapstadt anbietet; er hätte auch eine schöne Lodge anzubieten.

„Auszeit für die Seele“ war auf der Messe mit einem Stand vertreten gewesen. Hunecke nennt diese Idee mit dem Südafrika-Urlaubsziel „verrückt“, freut sich aber sehr, dass sein Projekt bei so vielen Menschen, nicht nur in Deutschland, so großen Anklang findet.

„Auszeit für die Seele“ auf Spendentour in ganz Deutschland; Jede Spendentour braucht einen Tourenguide

Wie alle Vereine ist „Auszeit für die Seele“ auf Spenden angewiesen. ZeitungsleserInnen spenden Geld, nachdem Sie von dem Projekt gehört haben.

Unter dem Künstlernamen „Oma Mary“ oder „Opa Hans“ als TourenleiterInnen radelten 2017 engagierte RentnerInnen bis nach Berlin, um Spenden zu sammeln. 2019 gibt es dann eine neue Spendentour mit Motorrädern.

Eine Bikertour ab Dortmund bis zum Möhnesee hatte bereits im Februar 2019 stattgefunden, am 14. April wird eine weitere in Berlin starten. Weshalb engagieren sich gerade MotorradfahrerInnen für „Auszeit für die Seele?“

„Diese Menschen kennen sich aus mit Krebserkrankungen, vor allem den älteren, der Generation 60plus braucht man nichts darüber erzählen, die wissen es selbst“, sagt Hunecke.

„Auszeit für die Seele“ wirbt auch in Motorrad-Magazinen. Eine Bikerin wurde im „Kradblatt“, einer norddeutschen Motorradzeitschrift, aufmerksam. Sie hat durch den Krebs ihren Vater verloren und dem Verein eine weitere Tourenleitung für die Benefiztouren in Niedersachsen angeboten. Momentan suchen Sie noch nach Tourenguides.

Für die Städte Essen, Bremen oder auch im Harz sind bereits feste Bikertouren für 2019 eingeplant. In Dortmund-Hombruch unterstützt ein Tattoo-Studio-Inhaber als Tourenguide den Verein.

Verein ist auch auf die Zusammenarbeit mit Kliniken angewiesen

„Fast allen onkologischen Kliniken haben wir unseren Projektflyer zugesandt. Aber die Zusammenarbeit ist nicht einfach, weil man nicht immer den richtigen Ansprechpartner findet“, erläutert Hunecke.

In Zukunft will die Initiative auch mit dem Klinikum Dortmund kooperieren.

In Kassel habe man eine aufmerksame Beraterin in der psychoonkologischen Beratungsstelle gefunden: sie achtet bei ihren PatientInnen darauf, ob sie für einen gesponserten Urlaub von Auszeit für die Seele in Betracht kommen.

Das Klinikum in Kassel selbst hatte schon sieben PatientInnen vermittelt, die bereits eine Ferienwoche verbracht haben oder demnächst verbringen werden. Solch eine gute Zusammenarbeit würde sich Hunecke mit mehreren Kliniken wünschen.

„In Dortmund arbeiten wir mit der Zahnklinik in der Münsterstraße zusammen, dort werden PatientInnen mit Zungen- oder Mundkrebs behandelt.“ Das städtische Klinikum ist zwar informiert worden, aber eine Kooperation steht noch aus.

Ein Dortmunder Patient mit Prostatakrebs konnte allerdings seine geplante Reise wegen eines Trümmerbruchs noch nicht antreten. Auch wenn der Vereinssitz in Bönen liegt, ist „Auszeit für die Seele“ bundesweit und im Ausland tätig.

Weitere Informationen:

Informationen für die Teilnahme an Bikertouren:

Informationen zur Bikertour ab Berlin am 14.4.2019:

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