„Schwitzkästen“: Beklemmende Ausstellung im Künstlerhaus über Ausweglosigkeiten und andere Zwangslagen

Ausstellung Schwitzkästen im Künstlerhaus. Kurt Fleckenstein mit seiner Arbeit NO EXIT
Links, Kurt Fleckenstein vor seiner Installation No Exit. Rechts, Screenshot der Live-Performance.

„Schwitzkästen“ heißt die neue Ausstellung, die vom 29. August bis zum 4. Oktober 2015 in den Räumlichkeiten des Künstlerhauses zu sehen ist. Die Eröffnung ist am heutigen Freitag um 20 Uhr. Parallel dazu werden Arbeiten zur Ausstellung im Projektraum „Offene Antworten“ in der Kaiserstraße 75 gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Foto eines Polizisten, der einen Demonstranten in den Schwitzkasten nimmt, gab den Impuls

Ausstellung Schwitzkästen im Künstlerhaus. Ilona Ottenbreit mit Bild: Lichtspalt
Ilona Ottenbreit mit Bild: Lichtspalt.

Der Schwitzkasten steht synonym für die ausweglosen Situationen, in denen sich Menschen befinden, sei es durch direkte körperliche Zwangssituationen oder durch den Druck gesellschaftlicher Konventionen oder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

Mit „Ausweglosigkeiten und andere Zwangslagen“ ist daher auch diese Ausstellung untertitelt.

„Impuls für das Konzept der Ausstellung ist ein Foto, auf dem ein Polizist einen Demonstranten in den Schwitzkasten nimmt“, erklärt Organisator Jörg Daniel, der, unterstützt von Barbara Koch und Marc Wittkowski, die Schau konzipiert hat.

Der Künstler Kurt Fleckenstein prangert mit seiner Livepräsentation „No Exit“ die Folter an

Ausstellung Schwitzkästen im Künstlerhaus. Karin Kerkemann mit ihrer Video-Instellation: Come to your senses
Karin Kerkmann mit ihrer Video-Installation: Come to your senses.

Die wohl spektakulärste Arbeit ist die Installation „No Exit“ des Mannheimers Kurt Fleckenstein.

Eine unbekleidete Person wird in den engen Raum zwischen einer Scheibe und der Wand positioniert und muß dort über eine Stunde ausharren.

Angestrahlt von zwei Scheinwerfern ist der Mensch den Blicken der Betrachter ungeschützt ausgesetzt. Die Folter ist das Thema von Fleckenstein.

„Wir leben in Zeiten, in denen die die Verfolgung und Erniedrigung von Menschen einmal mehr einen traurigen Höhepunkt erreicht hat“, sagt der Künstler.

Die Livepräsentation von „No Exit“ ist jeden Sonntag zu sehen. Die „Opfer“ hinter der Scheibe sind allesamt Schauspieler und Aktmodelle, „die keinerlei Probleme mit dem Zeigen ihrer Nacktheit haben“, beruhigt Kurt Fleckenstein.

Er selbst war schockiert über seine Arbeit, nachdem er die Bilder von der Probe gesehen hat.

Die Künstlerinnen thematisieren subtilere Formen der „Schwitzkästen“

Ausstellung Schwitzkästen im Künstlerhaus. Objekt von Hildegard Skowasch
Objekt von Hildegard Skowasch.

Folter ist auch das Thema von Frank Klötgen, beziehungsweise der Ort, an dem auch westliche Staaten, wie die USA, diese verabscheuungswürdige Verhörtechnik praktizieren.

Der Münchner hat aus seinen Büchern das Gefangenenlager Guantanamo nachgebaut. Wesentlich subtiler sind die Zwangslagen, die die Künstlerinnen, Karin Kerkmann, Ilona Ottenbreit und Hildegard Skowasch in ihren Werken zeigen. Kerkmann präsentiert filmische Nahaufnahmen von Sinnesorganen.

Die Sinnesorgane sitzen in ihren Monitoren wie Tiere in Kisten eingesperrt. Ottenbreit zeigt mit ihrer Malerei das erfolglose Bemühen der Menschen voneinander loszukommen. Hildegard Skowasch, das Gründungsmitglied des Künstlerhauses in der Nordstadt, beschreibt, wie sie sich selbst als Künstlerin im „Schwitzkasten“ befindet, wen es um die Finanzen oder das Suchen nach Anerkennung geht.

Zu sehen sind figurative Elemente in Form von Papier- und Keramikarbeiten, sowie Zeichnungen. Funda Özgünaydin thematisiert in ihrem Video die Gentrifizierung, die Verdrängung der ärmeren ursprünglichen Bevölkerung aus ihrem Stadtteil.

Mehr Informationen:

  • Ausstellung „Schwitzkästen: Ausweglosigkeiten und andere Zwangslagen.”
  • Ort: Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1
  • Laufzeit: 29.08. – 04.10.
  • Öffnungszeiten: Do bis So, 16:00 bis 19:00 Uhr
  • Eröffnung: Freitag, den 28.08. 20:00 Uhr
  • Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: kate hers RHEE (Berlin, Detroit), Christian Loenhoff (Ratingen), Funda Özgünaydin (Berlin), Frank Klötgen (München), Kurt Fleckenstein (Mannheim), Hildegard Skowasch (Berlin), Margund Smolka (Berlin), Dominique Ghesquiere (Paris), Karin Kerkmann (Berlin, Bochum), Eva AM Winnersbach (Berlin)
  • Unter: www.no-exit-live.com wird die Livepräsentation von Kurt Fleckensteins Arbeit „No Exit“ im Internet gezeigt
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Reaktionen

  1. KH Do

    Livepräsentation NO EXIT von Kurt Fleckenstein im Rahmen der Ausstellung SCHWITZKÄSTEN

    Jeden Sonntag bis 4. Oktober 2015. – Nächster Termin: 6. September 2015 von 16 bis 19 Uhr, Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund

    Die Arbeit NO EXIT von Kurt Fleckenstein hat das Thema Folter zum Ausgangspunkt. „Wir leben in Zeiten, in denen die Verfolgung und Erniedrigung von Menschen einmal mehr einen traurigen Höhepunkt erreicht. Als Stichwort seien nur die Religionskriege in den arabischen Ländern und in Afrika genannt. Der IS ist dabei das herausragende Beispiel für unbeschreibliche Gräueltaten im 21. Jahrhundert.

    Folter ist aber auch in den westlichen Ländern nicht gänzlich tabuisiert, wie die USA in Guantanamo bewiesen haben“. Der Künstler ist der Ansicht, die Kunst sei verpflichtet, Verwirrungen und Schandtaten von Menschen anzugehen und zu kritisieren.

    Deshalb versucht er mit der künstlerischen Verarbeitung solcher Themen, eine große Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. Mit der Aktion NO EXIT wird das Foltern von Menschen und die damit verbundene massive Erniedrigung bis hin zur qualvollen Tötung angeprangert und damit verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht.

    Freundlich unterstützt von
    Kulturbüro Dortmund, Sparkasse Dortmund, DEW 21

    Der Eintritt zu allen Ausstellungen und Veranstaltungen des Künstlerhauses ist frei.
    (Ausnahmen werden gesondert bekannt gegeben.)

    Bei Interesse an Führungen für Gruppen oder Schulklassen wenden Sie sich bitte ans Büro.
    Tel: 0231 82 03 04

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