
Marcel Stawinoga, Artenschutzkoordinator im Zoo Dortmund, befindet sich gerade auf dem Rückweg von Bangladesch, wo der im Zoo Dortmund ansässige und vom Zoo unterstützte Plumploris e.V. im Plumplori-Schutz aktiv ist. In seinem knapp einwöchigen Aufenthalt in dem südasiatischen Land konnten Stawinoga und das Team vor Ort unter anderem drei Bengalische Plumploris auswildern. Einer von ihnen ist der weibliche Plumplori Hema.
Vorgeschichte und Auswilderung von Hema
Hemas Geschichte ist typisch für das Schicksal vieler Plumploris in Süd- und Südostasien. Sie wurde in der Natur gefangen und anschließend als Heimtier gehalten – beides ist illegal. Später wurde sie von den Behörden beschlagnahmt und in die Obhut des Teams vom Plumploris e.V. übergeben.

Dort wurde sie zunächst untersucht, versorgt und aufgepäppelt. Anschließend wurde sie schrittweise auf ein erneutes eigenständiges Leben in der Natur vorbereitet. Dafür betreibt der Plumploris e.V. zwei Rehabilitationsstationen in Bangladesch. Für Hema war es schließlich an der Zeit, wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Sie wurde im Lawachara-Nationalpark im Nordosten von Bangladesch ausgewildert.
Um zu überprüfen, ob Hema in ihrem erneuten Leben in der Natur zurechtkommt, und um den Erfolg der Rehabilitationsarbeit wissenschaftlich auszuwerten, wurde ihr ein Sendehalsband angelegt. Damit kann sie jederzeit geortet werden. Das Team vor Ort kann Hema nach der Auswilderung begleiten, ihr Verhalten beobachten und im Bedarfsfall eingreifen, sollte sie nicht zurechtkommen.
Auswilderung hat nicht immer Erfolg
Mitarbeitende des Vereins Plumploris e.V. hatten im Februar gemeinsam mit Marcel Stawinoga als Co-Autor eine neue Studie veröffentlicht. Darin geht es darum, wie erfolgreich Bengalische Plumploris in Bangladesch wieder ausgewildert werden können. Grundlage sind Daten aus einem wissenschaftlich begleiteten Projekt, bei dem die Tiere nach ihrer Freilassung genau beobachtet wurden. Die Studie erschien im Fachjournal „Global Ecology and Conservation“. Sie zeigte, dass aufgrund der vielen Widrigkeiten in der Natur nur 22,2 Prozent der untersuchten ausgewilderten Primaten mehr als sechs Monate überlebten.

Plumploris gelten weltweit als die am häufigsten illegal gehaltenen, gehandelten und geschmuggelten Primaten. Die großen runden Kulleraugen sowie das kurze Plüschfell machen die niedlich wirkenden nachtaktiven Primaten zu begehrten Heimtieren und Fotomodellen im Tourismus. Der illegale Wildtierhandel ist die mit Abstand größte Bedrohung für die gesamte Plumplori-Gattung. Alle der (je nach Autor) bis zu neun Plumplori-Arten sind infolgedessen auf der bekannten Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN), früher „Weltnaturschutzunion“, als bedroht eingestuft. Mit Flori lebt auch im Zoo Dortmund ein nach Deutschland geschmuggelter Zwergplumplori.
Der Plumploris e.V. wurde 2018 im Zoo Dortmund gegründet und ist seit 2022 in Bangladesch aktiv. Der Dortmunder Verein, dessen Vorsitzender Stawinoga seit der Gründung ist, wird vom Zoo Dortmund fachlich und finanziell unterstützt. Zoobesuchende haben beim Kauf eines Zoo-Tickets die Möglichkeit, durch den Freiwilligen Artenschutzeuro unter anderem die Arbeit des Plumploris e.V. zu unterstützen. Im letzten Jahr konnte der Plumploris e.V. dadurch mit 80.798,19 Euro für seine Arbeit im Tier- und Artenschutz unterstützt werden.
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