
Eine einschneidende Entscheidung: Asylbewerber:innen sowie bestimmte Zugewanderte dürfen ab sofort nicht mehr an neuen Integrationskursen teilnehmen. Das hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Trägern per Rundschreiben mitgeteilt. Die Entscheidung hat auch in Dortmund gravierende Folgen für die Integrationsarbeit.
Nach Schätzungen sind bundesweit rund 130.000 Menschen betroffen
In dem Schreiben aus Nürnberg vom Montag (9. Februar 2026) heißt es, dass im laufenden Haushaltsjahr „bis auf Weiteres keinerlei Zulassungen für die Teilnahme an Integrationskursen nach § 44 Abs. 4 AufenthG erteilt werden können“.
Betroffen seien insbesondere Asylbewerber:innen, Geduldete nach § 60a Absatz 2 Satz 3 Aufenthaltsgesetz, Menschen aus der Ukraine sowie Unionsbürger:innen. Bereits erteilte Zulassungen behalten ihre Gültigkeit. Neue Anträge werden abgelehnt, eine Teilnahme ist dann nur noch als Selbstzahlende möglich.
Zur Begründung verweist das BAMF auf steigende Kosten. Die Kurse hätten mehr Mittel beansprucht als geplant und sollten künftig „gezielter gesteuert“ werden. Nach Schätzungen von Trägern sind bundesweit rund 130.000 Menschen betroffen.
Chraga: „Das nimmt den Menschen die Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten“
Leonid Chraga, Vorsitzender des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration der Stadt Dortmund, kritisiert die Entscheidung deutlich. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Damit entzieht das BAMF einen wesentlichen Grundbaustein für ein erfolgreiches und gutes Zusammenleben und für Chancengleichheit.“ Aus seiner Sicht gehe die Maßnahme in die falsche Richtung. „Eigentlich bedarf es mehr Kurse. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es schon jetzt schwierig ist, überhaupt einen Platz zu bekommen.“

Gerade im Bereich der Alphabetisierung gebe es einen hohen Bedarf. Viele Menschen warteten lange auf ein Angebot. „Es braucht mehr und nicht weniger Förderung in diesem Bereich. Ich kann das nicht nachvollziehen.“
Chraga warnt zudem vor langfristigen Folgen. „Aus Kostengründen zu argumentieren, dauert uns als Staat mehr, wenn Menschen mehr Zeit brauchen, sich in Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu integrieren.“
Wer keinen Zugang zu Sprachkursen habe, könne sich schwerer qualifizieren und bleibe länger auf Unterstützung angewiesen. „So entzieht man den wesentlichen Baustein für Chancengerechtigkeit.“ Für ihn ist klar: „Das nimmt den Menschen die Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.“ Sprache sei nicht nur Mittel zur Verständigung, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. „Es ist so trivial, dass es bitter ist, dass wir darüber reden.“
Train of Hope: „Am Ende schwächt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt“
Auch Fatma Karacakurtoglu von der Flüchtlingshilfsorganisation „Train of Hope Dortmund“ ist sauer: „Als Vorsitzende von Train of Hope Dortmund sehe ich die Pläne, die Sprachkurse des BAMF einzustellen, mit großer Sorge.“ Aus der täglichen Arbeit wisse man, dass Sprache die Grundlage für jedes Ankommen sei. „Ohne Sprachkenntnisse bleiben Menschen ausgeschlossen von Bildung, Arbeit, medizinischer Versorgung und gesellschaftlicher Teilhabe.“

Schon jetzt erlebe man, dass viele Menschen trotz eines abgeschlossenen B1-Kurses Schwierigkeiten hätten, eine Arbeit zu finden oder dauerhaft im Beruf zu bestehen. „Die sprachlichen Anforderungen im Arbeitsalltag gehen oft deutlich über das hinaus, was mit B1 abgedeckt ist.“ Wer keine Möglichkeit habe, seine Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen oder begleitend zu lernen, stoße schnell an Grenzen.
Würden Sprachkurse gestrichen, verschärfe sich diese Situation weiter: „Menschen haben dann noch schlechtere Chancen, in Arbeit zu kommen oder sich langfristig zu halten.“ Das führe zu Frustration und verhindere Selbstständigkeit. „Am Ende schwächt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Karacakurtoglu betont, Integration gelinge dort, „wo Menschen befähigt werden“. Sprachkurse seien dafür die zentrale Voraussetzung. „Deshalb brauchen wir verlässliche und ausreichend finanzierte Sprachkurse statt weiterer Einschränkungen. Alles andere steht im Widerspruch zu dem, was Integration in der Praxis wirklich bedeutet.“
VHS Dortmund rechnet mit deutlich weniger Teilnehmenden
Stephan Straub, Direktor der Volkshochschule (VHS) Dortmund, spricht von einem unvermittelten Schritt. „Der Beschluss macht sich bemerkbar. In den vergangenen Jahren wurde es schwierig für die Träger, mit den Mitteln auszukommen, weil sie nicht ausreichend verfügbar waren.“ Haushalte seien oft überjährig gelaufen und schwer planbar gewesen. „Früher bekam man solche Ankündigungen drei Monate vorher. Jetzt kam das relativ unvermittelt.“

Die Dortmunder VHS rechnet mit 20 bis 30 Prozent weniger Teilnehmenden, das entspricht rund 600 Personen. Betroffen seien alle, die über das BAMF kommen, darunter Asylbewerber:innen, Geduldete sowie Unionsbürger ohne Anspruchsberechtigung.
Weitergeführt würden Kurse für Menschen, die über das Jobcenter oder die Ausländerbehörde verpflichtet würden. „Wir beraten die Menschen, dass sie sich dort eine Verpflichtungsbescheinigung ausstellen lassen“, so Straub. Für Asylbewerberleistungsberechtigte prüfe die VHS ein kostengünstiges Kursangebot mit Zielsprachniveau als Alternative.
Berufssprachkurse könnten bislang weiterlaufen. Da die VHS einen Großteil der Lehrkräfte fest angestellt habe, sehe er aktuell keine Gefährdung von Arbeitsplätzen. Andere Träger, die überwiegend mit Freiberuflerinnen und Freiberuflern arbeiten, seien stärker betroffen. Kurse könnten sich verzögern oder nicht zustande kommen, wenn die Mindestzahl von 12 bis 13 Teilnehmenden nicht erreicht werde.
Auslandsgesellschaft warnt vor Folgen für gewachsene Infrastruktur
Marc Frese, Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft, nennt die Entscheidung „eine Katastrophe – in mehrfacher Hinsicht: „Für die betroffenen Menschen, die Träger und für die aufgebaute Infrastruktur“. Seine Einrichtung bietet derzeit 21 parallele Kurse an, mehr als 300 Menschen besuchen dort Alphabetisierungs- und Integrationskurse. Kurzfristig liefen die Angebote weiter, auch neue Kurse könnten dank Wartelisten starten. „Aber irgendwann wird der Punkt kommen, an dem es uns einholt – das gesamte Netzwerk.“

Rund ein Drittel der Teilnehmenden sei von den Kürzungen betroffen. Viele könnten die Kurse nicht selbst finanzieren. Man solle stärker auf Selbstzahlende setzen, „was schwierig ist. Die meisten können das nicht.“
Frese verweist auf den Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel. „Wir brauchen die Leute.“ Integrationskurse seien der zentrale Einstieg, um sich im Alltag zurechtzufinden und beruflich Fuß zu fassen.
Ein allgemeiner Integrationskurs umfasst in der Regel sechs Module mit jeweils 100 Stunden und führt ohne Vorkenntnisse zum Sprachniveau B1. Aufbauend darauf folgten bei Bedarf berufsbezogene Sprachkurse – dann aber in der Regel durch einen Kostenträger wie das Jobcenter. „Es ist eine sehr individuelle Förderung – Sprache, aber auch andere Anforderungen des künftigen Jobs.“
Das Bundesinnenministerium verteidigt Neuausrichtung der Kurse
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg teilte auf Anfrage von Nordstadtblogger mit: „Das Bundesministerium des Innern führt die Integrationskurse wieder auf ihren eigentlichen Auftrag zurück. Gefördert werden vor allem Menschen mit dauerhafter positiver Bleibeperspektive.“
Man reagiere auf reduzierte Migrationszahlen, senke Ausgaben, senke Fehlanreize und setze Prioritäten, so das BAMF. Der Grundsatz bleibe bestehen: „Wer bleiben kann, soll Unterstützung bekommen, um die Sprache zu lernen und schnell Orientierung zu bekommen.“ Die durch das BAMF zu treffenden Maßnahmen trügen zur langfristigen Sicherung des Integrationskurssystems bei.
UPDATE 1:
Mittlerweile (12.02./13 Uhr) hat uns auch die Stellungnahme vom „Projekt Deutsch lernen“ des Weiterbildungs-Instituts Ruhr (WIR) in der Nordstadt. Das WIR ist der dritte große Anbieter von entsprechenden Deutschkursen in Dortmund:
„Wir wurden von der Entscheidung des Bundesamtes sehr überrascht. Auch vor dem Hintergrund der Haushaltsberatungen, dass am 14. November 2025 zusätzliche Mittel zugesagt wurden, so dass für Integrationskurse 2026 insgesamt rund 1,06 Milliarden Euro zur Verfügung stünden, ist diese Maßnahme für uns nur schwer nachzuvollziehen“, berichtet Co-Leiter Reiner Schrimpf.

„Sprache ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe und zur nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt. Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, werden durch diesen Stopp unmittelbar getroffen; der Weg zur Teilhabe ist dadurch barrikadiert“, so Schrimpf.
Bereits im Jahr 2025 habe sich ein deutlicher Rückgang der Teilnehmendenzahl gezeigt. Der Wegfall von Wiederholungskursen und eine verzögerte Zulassungsbearbeitung habe dazu geführt, dass Kurse reduziert werden mussten und viele Lernende kein Anschlussangebot mehr bekommen hätten. „Das hat nicht nur die individuellen Perspektiven der Teilnehmenden beeinträchtigt, sondern auch unser Kursangebot und die Planbarkeit für Dozentinnen und Dozenten erheblich erschwert“, berichtet der leitende Mitarbeiter des Weiterbildungsinstituts.
„Unsere Lehrkräfte und unsere Mitarbeitenden bringen jeden Tag ihr Fachwissen und viel Herzblut ein, damit Integration und Spracherwerb gelingen. Die aktuelle Entscheidung schafft hier zusätzlich große Unsicherheit und stellt uns als Sprachschule und Weiterbildungsinstitut vor entsprechende Herausforderungen. Wir bitten die verantwortlichen Stellen, die praktischen Folgen dieser Regelung genau zu prüfen und sicherzustellen, dass gesetzlich Anspruchsberechtigte und schutzbedürftige Gruppen weiterhin verlässlich Zugang zu Sprach- und Integrationsangeboten erhalten“, betont Reiner Schrimpf.
UPDATE 2:
Mittlerweile (12.02./14 Uhr) hat uns auch die Stellungnahme von Sozialdezernentin Frauke Füsers erreicht.
„Sprachkurse sind kein Nebenaspekt der Integrationspolitik – sie sind ihr Fundament. Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, Arbeit und sozialem Miteinander. Investitionen in frühzeitig zugängliche und flächendeckende Sprachkurse sind deshalb Investitionen in den sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke. Wer Integration ernst meint, darf an der Sprache nicht sparen“, betont Dortmunds Sozialdezernentin Frauke Füsers.

„Gerade wir vor Ort erleben täglich, dass gelingende Integration früh beginnt – mit Sprachförderung vom ersten Tag an. Und wir wissen auch, dass ein Großteil der Menschen bleiben wird, die nun von den Sprachkursen ausgeschlossen werden sollen“, so Füsers.
„Bei allem Verständnis für das Bemühen um ein finanziell tragfähiges und nachhaltiges Integrationskurssystem bedeutet diese Entscheidung für uns in der Kommune doch letztendlich, dass wir die praktischen Folgen tragen müssen: mehr sozialer Betreuungsaufwand, größere Herausforderungen in Kitas und Schulen, erschwerte Vermittlung in Ausbildung und Arbeit. Eine Kürzung bei Sprachkursen spart nicht – sie verschiebt die Kosten und Probleme auf die kommunale Ebene“, kritisiert die Dortmunder Sozialdezernentin.
„Zum Beispiel im Hinblick auf EU-Bürger:innen. Diese von Integrationskursen auszuschließen, ist kurzsichtig und europapolitisch ein fatales Signal. Freizügigkeit ohne Zugang zu Sprache und Teilhabe widerspricht jedem ernst gemeinten Anspruch auf gelingende Integration in den Arbeitsmarkt. Wir haben den Fachkräftebedarf auf der einen Seite und auf der anderen Seite fehlt zukünftig ein wichtiges Instrument dafür“, so Fraiuke Füsers weiter. Allein in Dortmund arbeiten über 17.300 EU-Bürgerinnen und Bürger. 88,2 Prozent davon sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Dafür ist Sprache keine Zusatzqualifikation, sondern unerlässliche Voraussetzung. Ohne Zugang zu Deutschkursen und damit zu Arbeit ist das Risiko groß, dass diese Menschen in Ausbeutungsstrukturen landen.“
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Reaktionen
Kürzungen bei Integrationssprachkursen: Die AWO Dortmund kritisiert die Entscheidung des BAMF (PM)
Anja Butschkau, Vorsitzende der AWO Dortmund, ist entsetzt über die jüngste Entscheidung des BAMF, für bestimmte Zuwander*innen keine Zulassung für die Teilnahme an Integrationskursen zu erteilen.
Mit Schreiben vom 9. Februar hat das BAMF mitgeteilt, dass im laufenden Haushaltsjahr bis auf Weiteres keinerlei Zulassungen für die Teilnahme an Integrationskursen erteilt werden. Das trifft insbesondere Asylbewerber, Geduldete, Menschen aus der Ukraine und Unionsbürger, die ab sofort nur noch auf eigene Kosten einen Kurs besuchen können.
„Das ist wieder einmal Sparen auf dem Rücken der Ärmsten und eine völlig verfehlte Integrationspolitik!“, so Butschkau. Die Arbeiterwohlfahrt unterhält seit den 1960er Jahren Beratungsstellen für Zugewanderte und die Erfahrung zeigt, Spracherwerb ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg in Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe.
„Wie sollen Menschen ein selbstbestimmtes, unabhängiges und chancengleiches Leben in Deutschland führen, wenn ihnen diese Chance zum Ankommen genommen wird? Das widerspricht fundamental dem Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe, dem die AWO seit über 100 Jahren verpflichtet ist. Wir unterstützen Menschen dabei, ihren Lebensunterhalt selbst sicherzustellen, sich weiterzubilden, Perspektiven zu entwickeln und ihre Zukunft zu gestalten.“
Gerechtigkeit herrscht, wenn jeder Mensch frei ist, gemeinschaftlich handelt und die gleichen Chancen im Leben hat – das ist einer der 5 Grundwerte der Arbeiterwohlfahrt. Die Entscheidung des BAMF hingegen schließt Menschen nicht nur vom Arbeitsmarkt, sondern vom gesellschaftlichen Leben aus und nimmt ihnen diese Chancen.
Die Entscheidung birgt die konkrete Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung. Wenn Menschen der Zugang zu Sprache und Bildung verwehrt wird, wird ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben genommen. Fehlende Integration kann langfristig erhebliche Folgekosten für das gesamte System verursachen. Etwa durch den bereits erwähnten erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt, steigende Sozialausgaben, höhere Belastungen für Kommunen sowie wachsende soziale Spannungen. Wer heute an Integrationsangeboten spart, riskiert morgen deutlich höhere finanzielle und gesellschaftliche Kosten. Integration ist keine freiwillige Leistung, sondern eine Investition in den sozialen Zusammenhalt und die Zukunft unseres Landes.
„Anstatt Menschen zu befähigen, drohen hier ungeahnte soziale Folgekosten“, warnt Butschkau.
Aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt ist die Entscheidung ein fatales Zeichen für die Sparpolitik zu Lasten der Menschen, politisch und menschlich nicht nachvollziehbar. Integration und Teilhabe sehen anders aus!
Kahlschlag bei den Integrationskursen aufhalten und Zulassungsstopp aufheben (PM)
Der von der Bundesregierung verhängte Zulassungsstopp für bestimmte Teilnehmende an Integrationskursen sorgt zunehmend für Kritik aus den Kommunen. Die Dortmunder Landtagsabgeordnete Anja Butschkau (SPD) fordert, die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schnellstmöglich zu korrigieren und Integrationskurse wieder breiter zugänglich zu machen.
Mitte Februar hatte das BAMF angekündigt, dass Zugewanderte, die bislang freiwillig an Integrationskursen teilnehmen konnten, vorerst nicht mehr zugelassen werden. Hintergrund ist der Versuch von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die Ausgaben für Integrationskurse zu reduzieren. Künftig sollen Kurse nur noch für Menschen mit klarer Bleibeperspektive gefördert werden.
Der Zulassungsstopp betrifft rund ein Drittel der bisherigen Teilnehmenden. Dazu zählen unter anderem Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger, EU-Bürgerinnen und -Bürger ohne Leistungsbezug, Geflüchtete aus der Ukraine ohne Bürgergeldbezug, Menschen mit Aufenthaltserlaubnis nach §25 Abs. 5 AufenthG sowie Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung.
„Diese Entscheidung ist zu kurz gedacht. Integration beginnt mit Sprache und wer Menschen von Sprachkursen ausschließt, erschwert ihnen den Weg in Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe“, erklärt Anja Butschkau.
Zwar verweist das BAMF darauf, dass für diese Gruppen künftig Selbstzahlerangebote entwickelt werden sollen. Ob sich viele Betroffene diese leisten können, ist jedoch fraglich.
„Am Ende werden ausgerechnet diejenigen ausgebremst, die sich integrieren wollen. Integrationskurse sind oft der erste Schritt in Richtung Arbeitsmarkt und in ein eigenständiges Leben ohne staatliche Unterstützung“, so Butschkau weiter.
Auch die mehr als 30 Integrationskursträger in Dortmund spüren bereits die Folgen der Entscheidung, wie Butschkau in Gesprächen mit Trägervertretern erfuhr. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 hatten viele Träger ihre Kapazitäten deutlich ausgeweitet, Personal eingestellt und zusätzliche Kursangebote geschaffen.
„Gerade kleinere Träger, Kirchengemeinden und Vereine geraten durch den Zulassungsstopp wirtschaftlich unter Druck. Sie müssen jetzt Kapazitäten abbauen, statt sie auszubauen, obwohl der Bedarf vor Ort weiterhin hoch ist“, betont Butschkau.
Die SPD-Politikerin fordert daher ein schnelles Umsteuern: „Der Zulassungsstopp muss zurückgenommen werden. Deutschkenntnisse sind der Schlüssel zur Integration, zum Arbeitsmarkt und auch zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.“
Zugleich sieht Butschkau auch das Land Nordrhein-Westfalen in der Verantwortung. „Das Land sollte die Kommunen jetzt nicht allein lassen. Mittel aus dem Stärkungspakt NRW könnten kurzfristig eingesetzt werden, um insbesondere die Sozialämter zu unterstützen, auf die durch diese Entscheidung zusätzliche Aufgaben zukommen.“