
Noch bis zum 27. September 2026 zeigt eine Ausstellung in zwei Überseecontainern vor der Petri-Kirche die kreativen Ergebnisse der Zusammenarbeit von Dortmunder Künstler:innen, Designer:innen der Fachhochschule und Menschen, die sich aus privaten oder auch beruflichen Gründen mit dem Thema Angst beschäftigen. Textile Objekte, Grafiken, Fotografie und Collagen laden zur Betrachtung ein. Die Frage: Kann Angst schön sein?
Blackbox Angst ist ein partizipatives Kunst- und Kulturprojekt
Zwei schwarze Überseecontainer stehen seit ein paar Tagen auf der Katharinenstraße, zwischen Sparkasse und Petri-Kirche. „Kann Angst schön sein?“ steht in großen roten Buchstaben auf einer Seite. Das wirft Fragen auf und bereits beim Aufbau blieben Passant:innen stehen und wollten wissen, was sich in den Containern verbirgt.

Fleur Vogel, Projektleiterin bei der LAG Kunst und Medien NRW, erklärt: „Blackbox Angst ist ein partizipatives Kunst- und Kulturprojekt. Wir haben Menschen unterschiedlicher Generationen und aus ganz verschiedenen Lebenswelten eingeladen, sich mit dem Thema Angst zu beschäftigen.“
Zwei Jahre haben sie am Konzept gearbeitet, sieben künstlerische Workshops mit rund 100 Teilnehmenden zwischen sechs und 69 Jahren realisiert. Das Ergebnis ist einen kreative Vielfalt, die kaum in die beiden Container passt.___STEADY_PAYWALL___
Hilfestellung bei der Präsentation kam daher von Prof. Nora Fuchs. Fuchs lehrt im Bereich Objekt- und Raumdesign an der Fachhochschule Dortmund und hat mit Studierenden verschiedene Präsentationsformen für die Workshop-Ergebnisse entwickelt. „Das war eine Mammutaufgabe“, so Fuchs.
Durch kreative Techniken Empathie entwickeln
Die Ergebnisse der Kooperation zwischen Workshopteilnehmenden, Künstler:innen und Objekt-Designern wie Manuel Munz sind durchaus beeindruckend. Munz hat zum Beispiel Objekte entwickelt, die an Monitorboxen erinnern und in den Containern frei gestapelt werden können. Darin ein Gittersystem, das die Präsentation von Fotografien erlaubt, die Jörg Meier mit LWL-Pflegeschüler:innen realisiert hat.

Zwischen 18 und 40 Jahren waren die Teilnehmenden, erzählt Meier und „hier ging es gar nicht unbedingt um die eigenen Ängste, sondern darum, durch kreative Techniken Empathie zu entwickeln.“
Die Schüler:innen haben mit Meier Portraits verschiedener Ängste inszeniert, die Fotos dann in Schichten zerlegt.
In den Boxen von Munz, eng hintereinander gehängt, entsteht nun eine besondere Tiefe. Für ihn passt das gut zum Thema: „Wie man auch schaut, man sieht der Angst ins Gesicht“, so Munz.
Aus Angst-Orten können auch Wunsch-Orte werden
Auch die Vielfalt der Ausdrucksformen in den Containern ist spannend. Auf einem Vorhang im Eingang sind Körperbilder zu sehen, die noch im Workshop mit der verstorbenen Fotografin Sabitha Saul entstanden – sie fragte: Wo im Körper wohnt eigentlich die Angst?

Dagmar Lippok hat mit Teilnehmenden der Young Caritas besondere „Kostüme“ entwickelt. „Kleidung war unser Ausgangsmaterial. Sie kann Aufmerksamkeit auf sich ziehen, kann schützen, kann wie eine Rüstung sein“, erzählt Lippok und so verknüpfen sich mit der Stewardess-Uniform auf einmal auch Flugängste oder die Gedanken an Krieg und Fliegergeschwader.
„Welche Orte machen euch Angst?“, hat Jens Sundheim seine Kids von der Stadtteilschule Eving gefragt. Dann wurden die Angst-Orte fotografiert und mit Collagetechnik so gestaltet, dass sie in einem neuen, positiven Licht erschienen. Zwischen fünf und elf waren die Kinder in Sundheims Workshop und die entstandenen Postkarten ihrer Wunsch-Orte können Ausstellungsbesucher:innen kostenlos mitnehmen.
„Es ging uns im Projekt nicht um Therapie, sondern um Akzeptanz.“
Individuelle, aber auch gesellschaftliche Ängste sollten im Projekt zum Ausdruck gebracht werden, im Mittelpunkt stand aber nie die Suche nach Lösungen: „Es ging uns in erster Linie um den Austausch und den Perspektivenwechsel“, berichtet Flore Vogel.

Sie findet: Unterschiedliche Menschen haben oft ganz ähnliche Ängste und richtig und falsch sind keine Kategorien, wenn es darum geht, die Gefühle anderer zu verstehen. Vogel: „Es ging im Projekt auch nicht um Therapie, sondern um Akzeptanz. Angst hat doch jeder, aber was tu ich, damit sie mich nicht lähmt?“
Sich den eigenen Ängsten stellen, nicht über die Ängste anderer lachen, Empathie zeigen – die Ausstellung bietet noch bis zum 27. September Gelegenheit zum Austausch und zum Nachdenken über dieses komplexe Thema.
Wer möchte, kann vor Ort auch kostenlose Workshopangebote nutzen und es gibt eine Plauder- und Leseecke mit einem Büchertisch der Nordstadt-Buchhandlung Litfass.
Programmpunkte vor Ort (Auswahl):
- Mittwoch, 23. September, 16.00 bis 18.00 Uhr, Gruselsounds zum Mitmachen
- Donnerstag, 24. September, 16. bis 18.00 Uhr, Textilworkshop mit Dagmar Lippok und ab 18:30 Uhr „Stelle ich mich an?“ – ein Gespräch über Angst mit Dr. Verena Pflug und Schüler:innen der LWL-Pflegeschule
- Freitag, 25. September, 16-18.00 Uhr, Fotoworkshop mit Jörg Meier
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