Ein neuer Kunstort für das Ruhrgebiet erwacht am 10. Dezember:

In der neuen „arc gallery“ im „Tresor.West“ in Dortmund trifft Hochkultur auf Clubkultur

Residenzkünstlerin der ersten Stunde: Flor de Fuego ist eine Digitalkünstlerin, die hauptsächlich mit Programmierung und Live-Coding arbeitet.

Der Technoclub Tresor.West in Hörde geht neue Wege. Er will mehr als „nur Club“ sein. Macher Dimitri Hegemann versteht ihn als Kulturort und jetzt auch konkret als „Ort der Kunst“. Am 10. Dezember um 20 Uhr eröffnet in den Kellergewölben die arc gallery. Hier soll die Schnittstellen zwischen Kunst und Clubkultur erkundet werden.

Kunst und Clubkultur – (k)ein Widerspruch?

Schräg, absurd, nicht immer so ernst – das Design der arc gallery entwickelte der Dortmunder Grafiker Marc Kemper Marc Kemper

Kunst und Club – das ist für die Kurator:innen Viviane Lennert und Daniela Berglehn kein Widerspruch: „Der Club als Ort der Begegnung und Kunst als Medium der Spekulation erkunden beide Welten außerhalb dessen, was wahr, gesetzt und berechenbar ist“, so Lennert. Es ist ein Experiment. Und das Interesse ist groß.

Im November sind die ersten Künstler:innen an den Start gegangen und haben sich mit dem Ort, der Nachtkultur und dem thematischen Claim „Dysfunctional Perfection“ auseinandergesetzt. Sie wollen die Ästhetik des Nicht-Funktionierens, des Absurden untersuchen sowie Zweckentfremdung und spekulative Zukunftsentwürfe behandeln. Schräg darf es sein – „nicht so museumsmäßig“, erklärt Lennert.

Künstlerische Gestaltung der Alkovenbögen

Die eingeladenen Künstler:innen leben und arbeiten in NRW, teilweise in Dortmund, sind z.B. auch Gast der Akademie für Digitalität und  Theater. Sie haben sich zunächst auf die „Alkovenbögen“ (arcs) im Herzen des Tresor.West konzentriert und diese künstlerisch gestaltet. Medienkunst, Skulptur, Video oder auch Fashion – die Grenzen sind fließend. Sukzessive sollen dazu dann an besonderen Club-Abenden weitere künstlerische Interventionen stattfinden. Klar, dass auch die Eröffnung besonders wird.

Erste Vernissage mit Live-Performance

FASE DE CICATRIZACIÓN, Performance by Post-Organic Bauplan. Ricardo Caldas

Am 10. Dezember können Besucher:innen erstmals den Club erkunden und die Kunst erleben. Es finden Künstler:innengespräche und eine ganz besondere Performance statt: die „Robotic Dance Performance“ von Post-Organic Bauplan.

Post-Organic Bauplan ist ein Kollektiv aus Argentinien und aktuell zu Gast an der Akademie für Digitalität und Theater. Die Performance-Künstlerin Josefina Maro und der Evolutionsbiologe und Künstler Salvador Marino erforschen mittels Tanz den Körper und seine Grenzen. Aktuell arbeiten sie an der Entwicklung von Roboterprothesen und hinterfragen die Idee des Körpers als natürlich, gegeben und unveränderlich.

Zur Vernissage der arc gallery performen die Künstler:innen mit diesen Prothesen auf dem Mainfloor des Tresor.West.

Die arc Künstler:innen im Portrait

Christian Keinstar mit und als: Ceramic Cowboy
Christian Keinstar mit und als: Ceramic Cowboy Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Auch Flor de Fuego (Florencia Alonso) ist aktuell an der Akademie für Digitalität und Theater. Sie ist eine Digitalkünstlerin, die hauptsächlich mit Programmierung und Live-Coding arbeitet, um performative Erfahrungen zu schaffen. Ihre Forschung umfasst Konzepte wie Körper, Raum, Code und Chaos.

Christian Keinstar lebt und arbeitet in Köln. Er studierte an der Kunsthochschule für Medien Köln bei Jürgen Klauke und Marcel Odenbach sowie 2003 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Olaf Metzel.

Parallel-Systeme wie Kunst, Religion und Militär, die mit einem eigenen Wertesystem innerhalb unserer Gesellschaft erfolgreich eine alternative Wirklichkeit anbieten, faszinieren ihn. Heute bedient er sich bei seiner Arbeit aller Techniken, außer der Malere. Im Tresor.West wird er eine neue raumgreifende Installation und seine Videoarbeit „Recording“ präsentieren.

Der „GifMeister“ der RaumZeitPiraten. Wird er auch den Tresor.West erobern? RaumZeitPiraten

Die RaumZeitPiraten sind ein Künstlerkollektiv und fortlaufendes Projekt von Tobias Daemgen, Jan Ehlen und Moritz Ellerich. Mit selbstgebauten, optoakustischen Instrumenten missbrauchen und remixen sie uralte und hochmoderne auditive und visuelle Technologien für ihre improvisierten Licht und Klang-Architekturen. Für den Tresor-West arbeiten sie an einer Modifikation ihre Arbeit „GifMeister“.

Vorboten ihre Arbeit sendet bereits zur Eröffnung eine Künstlerin der zweiten Runde, die Ende Februar 2023 startet. Es sind Fashion Pieces von Kerima Elfaza, einer 3D-Mode- und Kostümbildnerin, die eine der Höhlen schmücken werden. Elfazas Kollektion „SECOND_SCAN“ beschäftigt sich mit der Integration neuer Medien wie 3D-Scans und 3D-Druck in das Modedesign. Sie wird in der arc gallery eine eigene Fashion Show inszenieren.

Große Pläne bis Frühjahr 2023

Zweite Runde? Ja, die Kuratorinnen haben noch Pläne. Eine „extended Version“ soll es geben, weitere Künstler:innen kommen hinzu. Außerdem Sonderöffnungszeiten am Tag, die Menschen, die nicht an den Clubnächten teilnehmen wollen, den Zugang zur Kunst (und zum Club!) ermöglichen. Austauschformate und kleine Events sind geplant. Bis März 2023 läuft die Förderung durch den Clubfonds.Dortmund und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Und dann? Abwarten. Nun wird erstmal gefeiert.

Kunst feiern und Club erleben

Nach einer exzessiven Arbeitsphase lädt die frisch aus dem Keller gestampfte arc gallery zur ersten Vernissage unter Freund:innen, Gästen und Raver:innen. Von 20.00 bis 22.00 Uhr ist Kunst angsagt und der Eintritt ist frei. Ab 22.00 Uhr startet das Club-Programm mit einem Heat up auf dem UFO Floor und DJ finsterNiZ. Von 0.00 Uhr bis circa 9.00 Uhr ist dann Clubnacht mit Emily Jeanne, rRoxymore, djehrenlos, Coco Cobra, Gin Bali. Der Eintritt ab 22.00 Uhr beträgt 17 Euro. Die Gäste der arc gallery erhalten auch freien Eintritt zu Heat up und Clubnacht.

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