
Am 15. März ist der Tag der Druckkunst – für das Dortmunder print.kollektiv ein Anlass zeitgenössische und experimentelle Druckgrafik zu präsentieren. Unter dem Titel „Fläche und Raum“ werden im Torhaus Rombergpark Arbeiten gezeigt, die die Vielfalt druckgrafischer Ausdrucksformen sichtbar machen und zum Nachdenken anregen wollen.
Anerkennung als Kulturerbe eröffnet neue Chancen
Seit 2018 ist die Druckkunst immaterielles Kulturerbe und mit dieser Anerkennung ist ein Jahrestag verbunden, der 15. März. Die Künstler:innen des print.kollektivs freut es: Bärbel Thier-Jaspert, Marc Bühren und Michael Jaspert haben die Chance genutzt und für die Städtische Galerie im Torhaus Rombergpark eine neue Ausstellung konzipiert, die am kommenden Sonntag (15. März) eröffnet.

Die drei kennen sich schon lange, schätzen sich, teilen ihr Wissen und auch mal die Druckpresse miteinander.
Druckkunst, das war immer eher eine Nische, aber „mit der Anerkennung als Kulturerbe gab es einen kleinen Hype“, erzählt Marc Bühren, „Bärbel und Michael sind schon lange dabei, aber ich komme eigentlich von der Malerei.“
Im Torhaus zeigt das Kollektiv nun, was Druckkunst heute alles kann. „Fläche und Raum“ haben sie die Ausstellung genannt und tatsächlich heißt Druckkunst nicht zwingend „Flachware“ an der Wand.
Zwischen serieller Produktion und individuellem Ausdruck
Marc Bühren hat für die Ausstellung zwei Arbeiten erstellt, die vom 3D-Druck inspiriert sind und aus grafisch gestalteten Papierkörpern bestehen. Sie erinnern an Landschaften – die eine trägt den Titel „Shore“ (Ufer), die andere „Reef“ (Riff) – und sie bestehen aus über 200 Kuben, die Bühren alle gebaut und grafisch gestaltet hat.___STEADY_PAYWALL___

Linoldruck und – teilweise colorierte – Monotypien kommen auf jedem der Würfelchen zum Einsatz und machen aus dem anfangs seriell wirkenden Konstrukt eine kleine Schatz-Sammlung.
Beide Arbeiten gehören zur Werkgruppe der „Artificial Landscapes“ (Künstliche Landschaften). Bühren: „Natur erscheint heute vielfach nicht mehr als gewachsene Natur, sondern als gestalteter, regulierter und technisch überformter Raum.“
Die Klötzchen erinnern an Wellenbrecher oder – im Fall von Reef (Riff) – vielleicht an die Gitterstrukturen, die Menschen anlegen, um im Meer neue Korallen anzusiedeln: „Wir behandeln Symptome“, kritisiert Bühren, „aber wir gehen die eigentlichen Ursachen nicht konsequent an.“
Ein dreiviertel Jahr hat Bühren an den Objekten gearbeitet – schaut man genauer hin, sieht man hier und da noch eine kleine Klebnaht, „aber im Grunde ist er ein Perfektionist, wie Michael, – ich bin da anders“, sagt Bärbel Thier-Jaspert und lacht.
„Ein Buch ist ein Raum und ein Raum ist ein Buch.“
Thier-Jaspert hat gemeinsam mit Michael Jaspert ihr Atelier im Depot. Beide sind seit 30 Jahren dabei. Thier-Jasperts Thema sind Bücher – aber nicht einfach so: „Ein Buch ist ein Raum und ein Raum ist ein Buch“, ist ihr Motto. Entsprechend stehen ihre Papier-Objekte in der Ausstellung im Halbrund auf filigranen Podesten.

Sie wirken luftig, fragil – die Seitenteile sind mit Fäden vernäht. Auch hier alles Handarbeit, aber mit deutlichen Spuren einer individuellen Handschrift.
Reste von Druckfarbe vermischen sich mit Textfragmenten, das wirkt sehr malerisch. Neben eigenen Texten, gibt es Zitate von Pablo Neruda oder Mahatma Gandhi: „Inspirationen, die mich schon mein Leben lang begleiten“, so Thier-Jaspert. Sie sollen auch andere zum Nachdenken anregen.
Bei Michael Jaspert kann Druckkunst sogar schweben
Die zarten Fäden, die Thier-Jasperts Bücher zusammenhalten, verbinden ihre Arbeit auch mit der ihres Partners Michael Jaspert. Seit über 25 Jahre beschäftigt er sich mit dem Leben von Insekten, speziell Spinnen.

Für die Ausstellung entstand eine „schwebenden Papierinstallation“, die an ein Spinnennetz erinnert. Kleine Grafiken – die einzelne Teile einer Spinne zeigen – haben sich darin scheinbar verfangen. Hinzu kommen weitere Grafiken, die Fliegen oder auch Spinnen zeigen. Wer ist Jäger und wer Opfer, fragt Jaspert.
Ihm geht es bei seinen Arbeiten auch um das Insektensterben und den Wunsch nach einem nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen unserer Umwelt.
Es ist ein nachdenkliche, vielfältige und vielschichtige Ausstellung geworden – sie feiert die Druckkunst in vielen Variationen und kommt zum Tag der Druckkunst gerade recht.
Mehr Informationen:
- Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 15. März, um 11.00 Uhr. Die Künstler:innen werden an diesem Tag bis 18 Uhr anwesend sein.
- Städtische Galerie Dortmund Torhaus Rombergpark, Am Rombergpark 65, 44225 Dortmund
- bis 5. April, immer dienstags – samstags, 14.00 –18.00 Uhr und sonn- und feiertags 10.00 –18.00 Uhr
- Der Eintritt ist frei
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!


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Bewerbung für Ausstellungen im Torhaus Rombergpark 2027 starten (PM)
Neue Chance für Dortmunder Kunstschaffende: Bildende Künstler*innen können sich beim Kulturbüro für Ausstellungen in der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark im Jahr 2027 bewerben. Interessierte können ihre Unterlagen ab sofort bis einschließlich 20. Mai einreichen.
Zur Auswahl stehen vier verschiedene Ausstellungsformate, die das Kulturbüro Dortmund jährlich öffentlich ausschreibt. Ziel ist es, ein breites Spektrum zeitgenössischer Kunst zu zeigen – lokal, kollektiv und international. Das Kulturbüro Dortmund setzt mit seinen Ausstellungsformaten gezielt inhaltliche Schwerpunkte:
– „Torhaus Neue Akzente“ richtet sich an (junge) Künstler*innen, die ihren Hochschulabschluss in einer künstlerischen Disziplin innerhalb der letzten drei Jahre erworben haben.
– „Torhaus Kollektiv“ spricht Künstler*innen-Gruppen ab drei Personen an, die dauerhaft oder projektbezogen zusammenarbeiten.
– „Torhaus Weltweit“ legt den Fokus auf internationale Bezüge – thematisch, biografisch oder durch Kooperationen.
– „Torhaus Partizipativ“ (seit 2025) fördert Konzepte, die das Publikum aktiv einbeziehen und neue Ausstellungserlebnisse schaffen.
Historischer Ort für zeitgenössische Kunst
Die Galerie befindet sich im Torhaus des ehemaligen Wasserschlosses Brünninghausen, das 1681 erbaut wurde. Seit 1968 dient das Gebäude als Ausstellungsort für Gegenwartskunst. Im Rombergpark gelegen, bietet das Torhaus nicht nur eine besondere Atmosphäre, sondern auch einen markanten Ausstellungsraum: Ein rund 100 Quadratmeter großer, halbrunder Saal, erreichbar über eine schmale Wendeltreppe.
Neben den vier ausgeschriebenen Formaten zeigt die Galerie jährlich acht weitere Ausstellungen, die von zwei Dortmunder Künstlerverbänden sowie zwei lokalen Berufsverbänden für bildende Künstler*innen gestaltet werden.
Weitere Informationen und Bewerbung
Das Bewerbungsformular steht online zur Verfügung. Wer den Newsletter des Kulturbüros abonniert, erhält automatisch aktuelle Informationen zu Fristen und Ausschreibungen.
Direkt-Link zur Ausschreibung: https://www.dortmund.de/dortmund/projekte/rathaus/verwaltung/kulturbetriebe/kulturbuero/kulturelle-foerderprogramme/bildende-kuenste/staedtische-galerie-torhaus/downloads/torhaus-rombergpark_ausstellungsausschreibung-2027-2.pdf