
Rund 1300 geladene Gäste nahmen am ersten Neujahrsempfang der Stadt Dortmund im Konzerthaus seit 2020 teil. Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) betonte in seiner Ansprache, den Stellenwert, den die Wirtschaft in seiner ersten Amtszeit einnehmen wird und sprach auch über das Thema Sicherheit in Dortmund. Kalouti stimmte die Gäste auf ein herausforderndes Jahr 2026 ein.
Kultur als „Basis der Demokratie“
Zuerst richtete der Geschäftsführer und Intendant des Konzerthauses Dortmund Raphael von Hoensbroech begrüßende Worte an die Gäste. „Kultur soll eine Möglichkeit bieten, dass Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft in ihr und um sie versammeln“, so Hoensbruch.

Ein Orchester mache außerdem vor, wie eine Demokratie aussehen könnte: International zusammengesetzt, druchaus auch mit verschiedenen Meinungsverschiedenheiten, schaffe es das Orchester trotzdem Hochleistungen zu vollbringen, gerade weil es zusammenspiele und nicht gegeneinander. ___STEADY_PAYWALL___
Das Konzerthaus ermögliche täglich Begegnungen, die das „Basis der Demokratie“ schaffen und möchte auch weiterhin seinen Dienst an der Gemeinschaft tun.
Erste Neujahrsansprache: Arbeit ist mehr als nur ein Einkommen
„Das Jahr hat nicht leicht begonnen“, setzte der Oberbürgermeister Kalouti zu Beginn seiner ersten Neujahrsansprache. Es werde kein Jahr, das keine Anstrengungen von den Dortmunder:innen abverlangen würde, da war sich Kalouti sicher, auch kein „Anfang eines romantischen Kapitels“.

Es sei die Zeit, in der sich Dortmund auf seine Stärken zurückbesinnen müsse. Und die liegen, so Kalouti, vor allem in der Wirtschaft. „Arbeit ist der gesellschaftliche Kitt“, der einzelnen Personen mehr bedeute, als einfach ein Einkommen zu haben. Arbeit bedeute auch Würde, Zugehörigkeit und Selbstständigkeit.
Eine funktionierende Wirtschaft mit Arbeitsplätzen sei demnach das „Fundament dieser Demokratie und unseres Sozialstaats“, konstatierte der CDU-Oberbürgermeister. Trotz aller Probleme in der Wirtschaft, die national und global bedingt seien, zeichneten sich die Dortmunder Unternehmer:innen mit der Mentalität des „Nach-Vorne-Gehens“ aus, so der CDU-OB. „Auf dieses Gefühl müssen wir uns verlassen“.

Dortmund solle vor allem im internationalen Wettbewerb weiter expandieren und Unternehmen anwerben. Um den Standort attraktiver zu machen, habe Kalouti im Verwaltungsvorstand 200 Maßnahmen zur Entbürokratisierung zusammentragen lassen.
Dafür brauche es aber mehr Flächen, die Kalouti schon seit dem Wahlkampf verlangt, was bei der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen & Volt und Die Linke & Tierschutzpartei auf wenig Gegenliebe stößt. Trotzdem hält Kalouti ins seiner Neujahrsansprache an dieser Forderung fest.
Alexander Kalouti möchte neues Kapitel aufschlagen
Ein weiterer von Kalouti immer wieder vorgebrachter Punkt ist das Thema Sicherheit in der Stadt. Dafür wolle er in seiner Amtszeit „perspektivisch“ um die 200 Stellen im Kommunalen Ordnungsdienst schaffen. Natürlich brauche es für obdachlose oder suchtkranke Menschen Hilfsmaßnahmen. Wenn diese aber nicht angenommen werde, müsse sich die Stadt andere, vermeintlich repressivere, Maßnahmen ausdenken. An diese Menschen müsse trotzdessen gedacht werden: „Kein Mensch darf auf Dortmunder Straßen sterben oder erfrieren“, sagte der Oberbürgermeister.

Auch das Thema Kriegsprävention müsse in den nächsten Jahren stärker in der Gesellschaft thematisiert werden. „Wir sind von russicher Seite schon jetzt einer hybriden Kriegsführung ausgesetzt und müssen uns auf den Ernstfall vorbereiten.“ Dazu stelle sich die Stadt resilienter auf, es handele sich aber um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
„Es ist Zeit, dass wir in dieser Stadt ein neues Kapitel schreiben“, erklärte Kalouti und dankte seinen Vorgängern Gerhard Langemeyer (SPD) und Ullrich Sierau (SPD). Seinen direkten Vorgänger Thomas Westphal (SPD) erwähnte er nicht. Seine Rede beschloss er betont zuversichtlich: „Wir haben einiges vor, also packen wir es an!“
Dortmund: Zwischen Beethoven und Knoblauchsoße
„Das Konzerthaus in Dortmund ist wohl das einzige in der Welt, in dem man sich in der Pause noch einen Döner holen kann“, begrüßte der Generalmusikdirektor Jordan de Souza die Gäste und pries an, dass Dortmund „Beethoven und Knoblauchsoße“ gleichzeitig auf hohem Niveau möglich mache.

„Was bleibt von vergangenen Zivilisationen“, fragte de Souza das Publikum. Weder Bürokratie noch politische Zankereien seien von langanhaltender Bedeutung. „Es ist das, was die Menschen bewegt hat, was bleibt.“ Das sei vor allem die Musik.
An diesem Abend spielten die Dortmunder Philharmoniker Johannes Brahms Ungarischen Tanz Nr. 6 D-Dur, Antonín Dvořák Sinfonie Nr.9 (1.Satz), Gustav Mahler Sinfonie Nr.1 (4. Satz). Alle Stücke hatten etwas energisches und sparten aber auch nicht mit krisenhaften Momenten, die dann schließlich musikalisch überwunden worden.
KOMMENTAR
Ein neues Kapitel, der Blick auf
die Wirtschaft und noch viel zu tun
Alexander Kalouti bemühte sich in seiner ersten Neujahrsansprache die Amtszeit seines Vorgängers im Oberbürgermeisteramt Thomas Westphal (SPD) vergessen zu machen. Das Neujahrsgespräch, die Westphal statt dem traditionellen Neujahrsempfang veranstaltete und bei denen es Beiträge und Diskussionen von renommierten Wissenschaftler:innen gab, wird wieder durch den feierlichen Rahmen eines Neujahrsempfang ersetzt. Kalouti schließt bei den Oberbürgermeistern Sierau und Langemeyer an, der OB Westphal war scheinbar ein zu überschlagendes Kapitel.
Die Wirtschaft. Der neue Oberbürgermeister warb in seiner Rede sehr deutlich um die wirtschaftlichen Akteur:innen im Raum. Die Wirtschaft stand in dieser Neujahrsansprache im Zentrum, er skizzierte auch, dass Dortmund sich endlich international besser vermarkten solle. 200 Maßnahmen zur Entbürokratisierung habe Kalouti von seinem Verwaltungsvorstand zusammentragen lassen, wie er bei seiner Neujahrsansprache verkündete. Dass diese Liste auf 40 heruntergekürzt werden soll und am Anfang nur jeweils ein Vorschlag pro Dezernat umgesetzt werden soll, wie Kalouti im Interview mit den Ruhr Nachrichten erklärte, ließ Kalouti an dieser Stelle unter den Tisch fallen. 200 hört sich halt besser an als acht.
Festzuhalten ist: Kalouti setzt einen neuen politischen Fokus und setzt auch auf einen neuen Stil, das ist nach seinen ersten drei Monaten im Amt klar, dafür wurde er auch gewählt. Doch bei all diesen Offensiven hin zu einer internationaleren und wirtschaftlicheren Ausrichtung des Standorts Dortmund, muss sich der CDU-Oberbürgermeister auch an diesem Satz aus seiner Rede messen lassen: „Kein Mensch darf auf Dortmunder Straßen sterben oder erfrieren.“ In einer Stadt wie Dortmund, in der rund 20 Prozent der Bevölkerung 2024 von Armut betroffen war, ein Satz, der durchaus auch auf Menschen zutrifft, die zwar nicht auf der Straße leben müssen und denen trotzdem ein menschenwürdiges Leben schwerfällt. In diesem Bereich wird es spannend, welche Ideen und Konzepte Kalouti in den nächsten Monaten seiner Amtszeit vorlegt.
Lukas Pazzini
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