
Der „Deutsch-Marokkanische Verband für internationale Zusammenarbeit“ hat sich im Oktober 2025 in den Räumlichkeiten der Auslandsgesellschaft in Dortmund gegründet. Ziel ist eine Stärkung der Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko und der Erhalt einer vielfältigen Gesellschaft. Dafür wollen sich seine Mitglieder besonders um bessere Zusammenarbeit in den Bereichen der Wirtschaft, Kultur und Städtepartnerschaft einsetzen. Workshops und Veranstaltungen sind zwar schon geplant, aufgrund der Haushaltssperre in Dortmund konnten ihre Finanzierung bisher noch nicht sichergestellt werden.
Städtepartnerschaft geplant: „Auf kommunaler Ebene gibt es Nachholbedarf“
Den Vorsitz des Verbands hat der Jurist Aniss Boumashouli inne. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit sowie die Förderung des kulturellen und wissenschaftlichen Austauschs.
Darüber hinaus wolle man sich für eine vielfältige und multikulturelle Gesellschaft einsetzen. Der Verband hat seinen Hauptsitz in Dortmund und verfügt über Ansprechpartner:innen im marokkanischen Agadir. Ein Schwerpunkt liegt auf der kommunalen Ebene. Der Verband will bestehende Städtepartnerschaften vertiefen und neue anstoßen.
„Der Ausbau langfristiger Städtepartnerschaften kann die Zusammenarbeit beider Länder als Ziel verfestigen“, erklärte Boumashouli. Auf Regierungsebene funktioniere die Kooperation bereits gut. „Auf kommunaler Ebene gibt es allerdings noch Nachholbedarf“, betont er.
Trotz Haushaltssperre: Workshops und Dialogformate geplant
Aktuell plant der Verband gemeinsam mit der Auslandsgesellschaft einen Workshop. Er soll unter dem Titel „Marokko im Wandel: Perspektiven und Potenziale“ stattfinden. Thema sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den beiden Ländern.

Darüber hinaus soll es um den kulturellen Einfluss der marokkanischen Diaspora in Deutschland und in Dortmund gehen.
Die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Eine Teilförderung wurde beantragt. Wegen der anhaltenden Haushaltssperre der Stadt Dortmund könnten Mittel jedoch frühestens im zweiten Quartal fließen. In den kommenden Jahren möchte der Verband insgesamt fünf solcher Veranstaltungen bundesweit organisieren.
Eine lange Geschichte der deutsch-marokkanischer Beziehungen
Daneben will der Verband auch an die lange gemeinsame Geschichte beider Länder erinnern. So wurden erste Handelskontakte zwischen dem damaligen Sultanat Marokko und dem Heiligen Römischen Reich bereits vor knapp 500 Jahren aufgebaut. Kaufleute aus den Hansestädten handelten in Marrakesch mit Gewürzen, Zucker und Stoffen. Im Jahr 1905 besuchte dann Kaiser Wilhelm II. Marokko und sprach sich für engere wirtschaftliche Beziehungen aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg intensivierte sich die Zusammenarbeit erneut. 1963 schlossen Marokko und die Bundesrepublik ein Anwerbeabkommen für Gastarbeiter:innen. 1974 folgte ein Doppelbesteuerungsabkommen, um für mehr Rechtssicherheit zu sorgen. 2025 wurden die Wirtschaftsbeziehungen weiter ausgebaut, insbesondere im Energiesektor. Daneben kooperieren beide Länder in der Migrations- und Sicherheitspolitik.
Marokkanische Kultur bereichert das Dortmunder Stadtbild
Diese Entwicklung prägte auch Dortmund. So blieben viele marokkanische Arbeitskräfte dauerhaft im Land und wurden mit der Zeit zu Deutschen. Heute leben allein in Dortmund mehr als 9.000 Menschen mit marokkanischen Wurzeln. Das ist besonders in der Nordstadt sichtbar.

Entlang der Münsterstraße hat sich ein marokkanisches Geschäftsleben entwickelt. In den Lebensmittelgeschäften werden neben frischem Fisch und Fleisch auch marokkanische Produkte wie Oliven, Zucker und Süßspeisen sowie Gewürze verkauft.
In den Restaurants werden für das Land typische Spezialitäten angeboten. Darüber hinaus gibt es Läden für traditionelle Bekleidung und Schmuck. Boumashouli betont den kulturellen Reichtum dieser Entwicklung. Die marokkanische Community habe das Stadtbild bereichert und es vielfältiger gemacht.
Der Dialog zwischen beiden Ländern soll ausgebaut und verbessert werden
Aktuell zählt der Verband rund 50 Mitglieder in Deutschland und Marokko. Obwohl viele von ihnen marokkanische Wurzeln haben, legt der Verband Wert auf eine paritätische Besetzung mit Engagierten ohne marokkanischen Migrationshintergrund. Ziel ist ein gesellschaftliches Netzwerk, das den Dialog zwischen beiden Ländern fördert und intensiviert.

So konnten für die Mitarbeit im Beirat auch prominente Persönlichkeiten gewonnen werden. So etwa der frühere NRW-Minister und Staatsminister im Auswärtigen Amt Dr. Christian Zöpel sowie der ehemalige Diplomat Eberhard Schanze.
Beide hätten sich in ihrer beruflichen Laufbahn für gute Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko eingesetzt, betont Boumashouli. Diese Erfahrung solle nun in die Verbandsarbeit einfließen.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

