Ehrensache: Rat der Stadt Dortmund zeichnet drei Kulturschaffende für ihre Verdienste aus

Ehrennadel geht 2026 an Inke Arns, Ursula Mehrfeld und Bruno Knust

OB Alexander Kalouti (re) zeichnete im Rathaus Ursula Mehrfeld (Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur), Kabarettist und Theatermacher Bruno Knust und Dr. Inke Arns (Direktorin des Hardware MedienKunstVereins) mit der Ehrennadel der Stadt Dortmund aus. Foto: Stephan Schütze für die Stadt Dortmund

Mit einer Ehrennadel, die den stilisierten goldenen Adler der Stadt Dortmund zeigt, ehrt der Rat Personen, die sich um die Stadt und ihre Bürger:innen verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht sie an drei Kulturschaffende, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise das Bild der Stadt geprägt haben.

„Hier rechnet man ja mit allem, nur nicht mit einer Ehrennadel“

Kabarett, Industriedenkmalpflege, Medienkunst – Dortmund ist bunt, der Kulturbegriff vielfältig, aber „hier rechnet man ja mit allem, nur nicht mit einer Ehrennadel“, so Bruno Knust. Der Kabarettist und Gründer des ehemaligen Theaters Olpketal gehört neben Dr. Inke Arns und Ursula Mehrfeld zu den drei ausgezeichneten Kulturschaffenden.

Die Ehrennadel der Stadt Dortmund zeigt den stilisierten goldenen Adler. Foto: Stephan Schütze für die Stadt Dortmund

Knust zählt seit Jahrzehnten zu den bekannten Persönlichkeiten der Dortmunder Kulturszene und falls er angesichts der Feierstunde und Festreden gerührt ist, lässt er es sich nicht anmerken: „Mensch, das hört sich hier alles an wie ein Nachruf und dann im Publikum noch lauter Ex: Ex-Bürgermeister, Ex-Kämmerer…“ – Thomas Westphal und Jörg Stüdemann nahmen es mit Humor.

Es war der alte Rat der Stadt, der die Auszeichnung beschlossen hatte – nun übergab der neue Oberbürgermeister Alexander Kalouti die Urkunden. In seiner Festrede würdigte er die drei Akteure als Botschafter der Stadt, die sich – jeder auf seine Weise – nicht nur um die Kultur verdient gemacht hätten, sondern weit darüber hinaus wirkten. ___STEADY_PAYWALL___

Kunst als Raum für Auseinandersetzung

Erste im Auszeichnungsreigen war Dr. Inke Arns: Die Kulturwissenschaftlerin ist seit 2005 künstlerische Leiterin sowie seit 2017 Direktorin des Hartware MedienKunstVereins (HMKV). Kalouti schätzt ihre Arbeit als „ästhetisch anspruchsvoll und politisch wach“. Die von Arns konzipierten Ausstellungen sind vielfach ausgezeichnet worden, sie kooperiert mit bundesweiten und internationalen Netzwerken und versteht „Kunst als Raum für Auseinandersetzung“ (Kalouti).

Seit über 20 Jahren im Einsatz für die Medienkunst: Dr. Inke Arns, Direktorin des HMKV, mit OB Kalouti Foto: Stephan Schütze für die Stadt Dortmund

Diese Haltung und nicht zuletzt ihre Tätigkeit in Lehre und Forschung machen sie zu „einer authentischen Botschafterin der Stadt Dortmund, die das kulturelle Bild nachhaltig mitgestaltet hat“, so der OB.

Arns nahm die Auszeichnung stolz und auch ein wenig aufgeregt entgegen. Sie sei es ja gewohnt Reden zu halten, erzählt sie später, aber eigentlich rede sie nie über sich selbst. Heute sind auch ihre Eltern extra aus Berlin angereist.

Seit über 20 Jahren ist Arns dabei – damals war der HMKV noch in der Phönix-Halle in Hörde. „Von Anfang an haben wir uns mit der Stadt auseinandergesetzt und ich hätte nie gedacht, dass ich so lange hier bleibe“, erinnert sie sich. Ein wichtiger Impuls sei sicher die Ausstellung „Reservate der Sehnsucht“ im alten, leerstehenden Gebäude der Union-Brauerei gewesen. Jörg Stüdemann stimmt zu – 2010 wurde die Vision vom Umbau des U zu einem Kulturort dann Realität.

Dieser Tage geht ihre Ausstellung „Genossin Sonne“ zu Ende – rund 20.000 Besucher:innen waren vor Ort. Die nächsten Ausstellung sind konzipiert und es gibt weitere Gründe zu feiern: der HMKV wird 30 Jahre und das U wird 100 Jahre alt. Im Juli soll es große Neuigkeiten geben, verraten will sie dazu aber noch nichts.

Kokerei Hansa „neu gedacht und für die Zukunft geöffnet“

Auch Ursula Mehrfeld ist ein wenig nervös und auch sie war überrascht: „Als ich von der Ehrennadel hörte, habe ich erst mal auf der Homepage der Stadt geschaut, was es denn damit auf sich hat.“. Dann sei sie schlagartig stolz geworden. „Ich freue mich, dass das, was ich seit 1997 tue, wohl etwas ist, was auch für andere Menschen Bedeutung hat. Das fühlt sich richtig gut an.“

Verleihung der Ehrennadel an Ursula Mehrfeld (Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur) durch OB Alexander Kalouti Foto: Stephan Schütze für die Stadt Dortmund

Mehrfeld ist Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Sie zählt zu den zentralen Akteur:innen für den Erhalt und die Weiterentwicklung des industriellen Erbes in Dortmund. Unter ihrer Leitung wurde die Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde denkmalgerecht saniert und zu einem überregional bedeutenden Ort für Industriegeschichte

„Frau Mehrfeld hat die Kokerei Hansa neu gedacht und für die Zukunft geöffnet“, findet Kalouti. Revitalisierung statt Stillstand – das gefällt ihm: „Hansa ist nicht nur ein Denkmal. Mit dem Ort sind Angebote verbunden, die die Lebensqualität im Bezirk insgesamt gesteigert haben.“ Zur IGA 2027 soll das noch einmal verstärkt deutlich werden.

Mehrfeld ist mit Herzblut dabei: „Ich darf am Erhalt der Industriegeschichte arbeiten, das macht mich stolz“, sagt sie. Zur Feier hat sie nicht nur ihre Familie dabei, sondern auch Mitarbeitende, stellvertretend für (fast) alle Bereiche: Ehrenamtler, Architekten, Presse, Besucherdienste, Finanzen: „Ohne euch, wäre ich nichts“, bedankt sie sich.

Die Auszeichnung ist für sie eine Motivation weiter zu machen. Und sie hat Pläne: Die Sanierung der Zeche Gneisenau ist ihr ein Anliegen. Viel Geld müsste investiert werden, aber es sei wichtig, diese Orte für folgende Generationen zu erhalten und behutsam zu entwickeln, denn „sie sind Teil der kulturellen Identität der Menschen.“

Pott-Identität für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Inke Arns und Ursula Mehrfeld haben ihre Teams hinter sich – Bruno Knust ist eher eine One-Man-Show. Vielen Menschen ist er bekannt als Günna, zwei Jahre war er Stadionsprecher und noch heute singen viele Dortmunder:innen seine BVB-Hymne „Leuchte auf mein Stern Borussia“. Knust ist für Kalouti „gelebtes Dortmund“. Er habe ein feines Gespür für die Menschen, sei ein Botschafter mit Witz und auch ein Garant für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Verleihung der Ehrennadel an den Kabarettisten und Theatermacher Bruno Knust durch OB Alexander Kalouti (l.) Foto: Stephan Schütze für die Stadt Dortmund

Angefangen hat er als Puppenspieler und immer sah er sich als Sprachrohr für die Leute, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, sich zu äußern. „Man muss den Dortmundern zuhören“, sagt er auch in Richtung Politik. Wenn er über den Markt gehe um Pflaumen zu kaufen, dauere das schon mal zwei Stunden, aber er erfahre dann auch, wo es brennt. 

„Dortmund fordert einen, Dortmund nervt manchmal,“ so Knust, „aber es lässt einen nicht los. Von den hässlichen Städten ist Dortmund die Schönste.“

An Ruhestand denkt er nicht. Mit seinem Sohn ist er viel unterwegs in der freien Szene, schaut sich junge Comedians an. Sein Wunsch für die Zukunft? „Nicht meckern, sondern anpacken und positiv denken.“


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