Dortmund und die Partnerstadt Netanya vertiefen Zusammenarbeit und Erinnerungskultur

Delegationsreise stärkt Austausch in Bildung, Klimaanpassung und Kultur

Vertreter:innen aus Netanya und Dortmund präsentieren Schild
Adir Benyamini (Mitte) und Olga Lurie, überreichten Martin van der Pütten, die Kopie des Schildes einer Straße, die kürzlich nach der deutsch-jüdischen Dichterin Mascha Kaléko benannt wurde. Foto: Stadt Dortmund

Eine siebenköpfige Delegation aus Dortmund hat Ende Januar die Partnerstadt Netanya in Israel besucht. Der lang geplante Austausch fiel in eine besonders sensible Phase: mit dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, dem Beginn des 45. Jubiläums der Städtepartnerschaft und dem Amtsantritt eines neuen Bürgermeisters. Die Reise brachte neue Impulse für Schulen, Kitas, Klima und Kultur und setzte zugleich ein Zeichen der Erinnerung und Solidarität.

Schulpartnerschaften sollen wieder lebendig werden

Ein zentrales Ergebnis der Reise ist die geplante Wiederaufnahme des direkten Schüler:innenaustauschs zwischen Dortmund und Netanya. Nach digitalen Begegnungen wächst auf beiden Seiten der Wunsch nach persönlichen Treffen.

In der Tchernichovsky-Schule, Partnerschule des Heisenberg-Gymnasiums, sprachen Jugendliche offen über den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und dessen Folgen. Lehrkräfte unterstrichen dabei den Wunsch nach Frieden und Verständigung.

Auch die Rabin-Grundschule, Partnerschule der Berswordt-Europa-Grundschule, zeigte gegenüber Dennis Neumann, Leiter des Fachbereichs Schule der Stadt Dortmund, großes Interesse an einer Fortsetzung des Austauschs – gerade mit Blick auf den neuen jüdischen Standort der Dortmunder Grundschule.

Impulse für Kitas, Klima und Medienbildung

Neben den Schulpartnerschaften ging es auch um frühkindliche Bildung und Stadtentwicklung. FABIDO-Geschäftsführer Daniel Kunstleben gewann im Harry-und-Jeanette-Weinberg-Zentrum für frühkindliche Bildung Einblicke in die Arbeit vor Ort. Kleine Gruppen, die enge Verbindung von Bildung und Gesundheit sowie gezielte Unterstützung für zugewanderte Familien prägen das Konzept. Beide Städte wollen hierzu im Austausch bleiben.

Daniel Kunstleben tauscht sich mit Schülern aus
FABIDO-Geschäftsführer Daniel Kunstleben zu Besuch in der Rabin School, Partnerschule der Dortmunder Berswordt-Europa-Grundschule. Foto: Stadt Dortmund

Auch Fragen der klimaangepassten Stadtentwicklung spielten eine Rolle. Netanya setzt unter anderem auf urbane Wälder, Schutz vor Küstenerosion und wassersparende Systeme. Diese Erfahrungen fließen in Dortmunder Überlegungen zum klimaangepassten Bauen ein.

Ein weiteres gemeinsames Thema ist die Stärkung der Medienkompetenz. In Netanya lernen Jugendliche früh und systematisch, Falschinformationen zu erkennen und einzuordnen. Auch in Dortmund wurde im vergangenen Jahr erstmals ein von der Stadt entwickeltes zentrales Workshop-Angebot im Rathaus umgesetzt, das weiter ausgebaut werden soll.

Zeichen der Erinnerung und Ausblick auf das Jubiläum

Der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zählte zu den prägendsten Momenten der Reise. Im „Tal der Gemeinden“ legte die Dortmunder Delegation einen Kranz nieder – als Zeichen des Gedenkens und der Verantwortung. Gesprächen mit Pädagog:innen und Historikern unterstrichen die Bedeutung von Bildung im Kampf gegen Antisemitismus. Auch der Besuch bei AMCHA Netanya, einem Zentrum für Holocaust-Überlebende und ihre Familien, machte deutlich, wie wichtig Zuhören und Erinnern bleiben.

Wegweiser mit Entfernungen zu verschiedenen Ländern
Noch 3086 Kilometer bis Dortmund: So erinnert Netanya an seine deutsche Partnerstadt. Foto: Stadt Dortmund

Offiziell wurden die Dortmunder in Netanya vom stellvertretenden Bürgermeister Adir Benyamini empfangen. Er überreichte dem Delegationsleiter Martin van der Pütten, Leiter Internationale Beziehungen der Stadt Dortmund, ein symbolisches Straßenschild, das nach der deutsch-jüdischen Dichterin Mascha Kaléko benannt ist.

Der neue Bürgermeister von Netanya, Avi Slama, ist bereits für einen Gegenbesuch nach Dortmund eingeladen – Anlass dafür ist das Stadtfest DORTBUNT! und das 45. Jubiläum der Städtepartnerschaft im Mai 2026. Zum Ende des Besuchs gedachte die Dortmunder Delegation der im November 2025 verstorbenen Bürgermeisterin Miriam Fierberg-Ikar mit einem Besuch an ihrem Grab auf dem Friedhof in Netanya.

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